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Bauvorhaben

Kirche hat Ärger mit dem Investor

09.12.2009 | 18:00 Uhr

Es sollte alles ganz schnell gehen mit dem Abriss der Gnadenkirche an der Dreherstraße und dem Bau von Einfamilienhäusern. Jetzt hat ausgerechnet das Grundwasser Sand ins Getriebe gebracht.

Zwei Millionen Euro sollte das Gelände bringen - Geld, das dringend für das neue Gemeindezentrum an der Hardenbergstraße gebraucht wird. Plötzlich kursiert die Nachricht, der Investor sei abgesprungen. Die NRZ ging der Sache nach. „Das ist ganz, ganz übel, was da bei der Kirche gelaufen ist”, sagt Architekt Boris Enning (Köln).

Wasser in 50 Zentimetern

Der Architekt war im Juni als 1. Preisträger des Investoren-Wettbewerbs gefeiert worden. Als Projektentwickler wollte er auf dem Gelände 15 zweigeschossige Doppelhäuser bauen. Erst kurz vor dem Kaufvertrag will er vom hohen Grundwasserstand im Torfbruch erfahren haben: „Man gräbt 50 Zentimeter tief und stößt auf Wasser.” Gutachten würden das bestätigen.

„Mit gezinkten

Karten gespielt”

Bei 30 Einfamilienhäusern ergeben sich daraus Mehrkosten von 600 000 Euro, rechnete der Architekt vor und zog die Summe vom vereinbarten Kaufpreis von 1,7 Millionen Euro ab. Die Gemeinde lehnte ab. Enning fühlt sich getäuscht: „In den Verhandlungen war stets von einem normalen Grundstück die Rede.”

Architekt Thomas Deilmann, der die Vermarktung des Geländes für die Kirchengemeinde managt, bestreitet das. Enning habe mit gezinkten Karten gespielt: „Er hat ein höchst unseriöses Angebot abgeliefert.” Die Bodenbeschaffenheit sei allen Beteiligten bekannt gewesen. Das Grundwasser reiche bis 1,50 Meter an die Geländekante heran: „50 Zentimeter sind Unsinn.”

In einem notariellen Bieterverfahren Ende Oktober wurde das Grundstück schließlich für 1,5 Millionen Euro angeboten. Es habe mehrere Interessenten gegeben, betont Deilman. Noch sei die letzte Unterschrift allerdings nicht geleistet. Er sei trotzdem zuversichtlich, dass der Zeitrahmen eingehalten werde.

„Meine Ideen

wurden übernommen”

Gebaut werden soll jetzt nach Entwürfen des 2. Preisträgers, dem Düsseldorfer Büro Konrath & Wennemar. Auch das geht nicht ohne Streit über die Bühne. Enning: „Die Kirche hat meinen Entwurf an den 2. Preisträger verschenkt. Da sind Ideen von mir übernommen worden. Eine Sauerei.” Deilmann bestreitet erneut: „Ich weiß nicht, wie er das begründen will.”

Unstimmigkeiten bereiten zudem angeblich ungeklärte Altlasten. „Die gibt es da nicht”, behauptet Deilmann. Obwohl in einer Pressekonferenz im März dieses Jahres noch betont wurde, das Gelände werde „baureif und frei von Altlasten” an den Gewinner des Wettbewerbs übertragen.

Nach ursprünglichen Plänen der Gemeinde sollten Gnadenkirche, Pfarrhaus und Jugendheim bereits in diesem Jahr abgerissen werden. Zur Freude der Gemeindemitglieder im Torfbruch können aber Weihnachts- und Silvestergottesdienste noch gefeiert werden. Erst am 31. Januar heißt es an der Dreher Straße Abschied nehmen. Anschließend geht es in einer Prozession zur Gustav-Adolf-Kirche. Sie bleibt als einzige von zurzeit drei evangelischen Kirchen Gerresheims erhalten und erhält ein neues Zentrum. Die Kosten von 4,5 Millionen Euro sollen aus Grundstückserlösen finanziert werden. Der erste Spatenstich ist für das kommende Frühjahr geplant.

Ursula Posny

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Kommentare
11.12.2009
16:04
Kirche hat Ärger mit dem Investor
von Harald Wennemar | #2

Klarstellung

Im Artikel Kirche hat Ärger mit dem Investor wird der Eindruck erweckt, dass es einen urheber-rechtlichen Streit zwischen den Architekturbüros Boris Enning aus Köln und Konrath und Wennemar aus Düsseldorf gibt. Diese Darstellung ist falsch.

Die Büros sind die einzigen Preisträger des genannten Verfahrens, die unabhängig voneinander erarbeiteten Wettbewerbsbeiträge der Büros liegen der Redaktion vor. Vorhandene Ähnlichkeiten der Wettbewerbsarbeiten bestäti-gen die Richtigkeit des städtebaulichen Ansatzes beider Büros. Gleichwohl sind auch Unterschiede in den Arbeiten und damit in der Handschrift der Büros erkennbar, die auch bei der weiteren Bearbeitung erhalten werden.

Der Wettbewerb von Planungsideen fördert die Qualität der Baukultur, was letztlich im Interesse aller Beteiligten ist. Zum Schutz des Wettbewerbswesens laden wir die Redaktion der NRZ ein, den weiteren Fortgang des Verfahrens zu beobachten und über die Entwicklung unabhängig und kritisch zu berichten.

Um zukünftig Irritationen zu vermeiden, sollte aber bitte vor Veröffentlichungen allen genannten beteiligten Partnern Gelegenheit zu einer qualifizierten Stellungnahme gegeben werden. Das ist leider in diesem Fall versäumt worden.

10.12.2009
00:15
Kirche hat Ärger mit dem Investor
von Cappucino | #1

Um die Gnadenkirche ist es ohnehin sehr Schade, eine Umnutzung anstatt eines Abrisses waere die weit bessere Loesung.

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