Keine Angst vor dem nassen Element

Bilk..  Die Augen von Moritz glänzen. Der elf Monate alte Junge hat einen Heidenspaß, rudert mit den Armen, will alles erkunden. Natürlich passt Papa Martin Brodeck ganz genau auf, hält seinen Sohn immer fest, denn Moritz befindet sich in einem Schwimmbad im für ihn tiefen Wasser – und schwimmen kann er in seinem Alter natürlich noch nicht. Vater und Sohn zählen zu den bis zu elf Pärchen, die sich einmal wöchentlich im Hallenbad der Martin-Luther-Schule an der Gotenstraße zum Eltern-Kind-Schwimmen des DRK treffen. Zehn Einheiten von bis zu 45 Minuten sind für den Kurs angesetzt.

Theoretisch können schon Kleinkinder ab vier Monaten erste Erfahrungen mit dem nassen Element sammeln. „Das erste Mal ist in so jungem Alter in der Regel etwas schwierig, das ist ja schon etwas anderes als die heimische Badewanne“, erklärt Kursleiter Jens Habelmann.

Dabei seien gar nicht unbedingt das große Becken und die ungewohnten Wassermassen das Problem, „damit können Babys sich schnell arrangieren“, erklärt der Diplom-Sozialarbeiter mit Zusatzausbildung als Schwimmlehrer für Kleinkinder. „Es sind vielmehr die ungewohnten Eindrücke in der Umkleidekabine, die eher sterile Atmosphäre, der Schall und die Unruhe wegen der vielen unbekannten Menschen. Ab dem zweiten Mal ist das dann alles kein Thema mehr. Im Wasser tauen die Kleinen im wahrsten Sinne des Wortes schnell auf und zeigen keine Angst.“ Für Babys gehe es in erster Hinsicht zunächst um die Gewöhnung an und die Bewegung im Wasser, erläutert Habelmann.

Viele Hilfsmittel wie Bälle und Bretter, kleine und große Matten sowie jede Menge gelbe Quietscheentchen werden hinzugezogen, um den Lernprozess zu unterstützen. Klar, gebe es immer Augenblicke, in denen das Lächeln auch mal aus den Gesichtern der Babys verschwindet und Tränen die Wangen hinabkullern, etwa beim ersten Augenkontakt mit Wasser, „aber das sind nur kurze Momentaufnahmen. Zumeist haben die Eltern viel mehr Angst als ihre Kinder“, sagt der Pädagoge. Die physikalischen Eigenschaften des Wassers würden es den Kindern ermöglichen, sich nahezu schwerelos und mit dem gesamten Körper alleine zu bewegen, erklärt Sabine Jokl vom DRK.

Neben der Stärkung der Muskeln und des Immunsystems beeinflusse das Schwimmen eine altersgerechte anatomische und organische Entwicklung des Babys in positiver Weise. „Aber auch die körperliche Nähe zwischen Eltern und Kindern spielt eine große Rolle und kann im Wasser besonders innig und entspannt gelebt werden. Gerade Väter nutzen gerne das Angebot, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen“, so Jokl weiter.

Ab dem ersten Lebensjahr rutschen die Kinder in einen neuen Kurs mit anderen Schwerpunkten, ab zweieinhalb erfolgt der nächste Schritt, ab dreieinhalb sollte der Zögling sich auch mal alleine über Wasser halten und sich vielleicht sogar fortbewegen können. „Schwimmen lernen können Kinder aber frühestens ab vier Jahren, zumeist eher ab fünf“, betont Habelmann. Wer zuvor bei der Wassergewöhnung bereits Erfahrungen sammeln durfte, habe natürlich enorme Vorteile, wenn es wirklich ernst werde. Moritz habe jedenfalls vom ersten Tag an keine Probleme mit dem Wasser gehabt, berichtet Martin Brodeck. „Er hat schon die Badewanne gemocht und war im Sommerurlaub im Pool. Moritz ist eine richtige Wasserratte. Nur die Rückenlage mag er nicht so gerne“, sagt Brodeck, der versucht, jeden Freitag den Termin in der Martin-Luther-Schule wahrzunehmen. „Das ist unser Ding, diese Zeit will ich mir unbedingt mit ihm nehmen“, erzählt der stolze Papa. Dass an diesem Nachmittag auffällig viele Väter mit ihren Kindern an dem Kurs teilnehmen, liege offensichtlich an ihm selbst, spekuliert Jens Habelmann: „Ist der Kursleiter männlich, kommen viele Väter, bei Schwimmlehrerinnen sind es in der Mehrzahl Mütter.“

Für Eltern mit Babys, die von Mai bis Juli 2014 geboren sind, gibt es noch freie Plätze im Eltern-Baby-Kurs, der am 14. Januar startet (immer mittwochs von 10.30 bis 12 Uhr im DRK-Familientreff Friedrichstadt, Jahnstraße 47). Auf dem Programm stehen Spiel- und Bewegungselemente. Spielgruppe Ebenfalls an der Jahnstraße 47 findet ab 15. Januar immer donnerstags von 17 bis 18 Uhr, eine neue Spielgruppe für Eltern mit ihren Kindern ab 1,5 Jahren statt. Infos unter der Rufnummer 3849199.