Kein Hitzefrei für Kirmesmalocher in Düsseldorf

Schwindelfrei müssen die Arbeiter sein und aufpassen, dass sie sich nicht Metall verbrennen, dass die Sonne aufgeheizt hat.
Schwindelfrei müssen die Arbeiter sein und aufpassen, dass sie sich nicht Metall verbrennen, dass die Sonne aufgeheizt hat.
Foto: Stephan Henn
Was wir bereits wissen
Am Rheinufer errichten Arbeiter jetzt die großen Karussells. Auf Temperaturen über 30 Grad im Schatten können sie keine Rücksicht nehmen.

Düsseldorf..  Der Arbeiter wischt sich mit den Handflächen durchs nasse Gesicht. Zu spät, der Schweiß ist schon von der Nase auf die Wiese getropft. „Chef“, ruft ihn der Lastwagenfahrer und läuft in Badeschlappen auf ihn zu. Reine Höflichkeit, die beiden kennen sich nicht. Im gebrochenen Deutsch möchte er wissen, wie er mit seinem Laster ans Oberkasseler Rheinufer fahren kann. Möglichst schnell, er muss Ware für die Große Kirmes liefern, die in zwei Wochen beginnt. Der Arbeiter versteht ihn nicht, zuckt die Achseln. Laut und verzweifelt meckert der Fahrer auf Polnisch los, seine Flüche könnten zartbesaiteten Menschen die Schamesröte ins Gesicht treiben.

In der sängenden Mittagssonne arbeiten nur wenige Dutzend Männer und Frauen auf dem Kirmesplatz, um die großen Karussells aufzubauen. Sie sprechen meist Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch und oft nur wenig Deutsch, manchmal ist ihr Ton untereinander ruppig; Verständigungsprobleme.

Hier dröhnen metallene Hammerschläger, dort kreischt eine Motorsäge. Schwindelfrei müssen die Arbeiter sein, wenn sie die riesigen, halbaufgebauten Fahrgeschäfte hinauf, an den heißen Metallpfeilern, um etwa Lichtstrahler anzuschließen.

Penibler Plan der Platzkommission

„Das ist heute nicht mehr nur Muskelarbeit, inzwischen ist viel Hightech gefragt“, sagt Jürgen Wippermann von der Platzkommission, die bestimmt, wo welche Buden und Karussells stehen. Bis zu zehn Hochkräne helfen den Schaustellern beim Aufbau. Da sie meistens von Fremdfirmen gemietet sind, muss auch bei sommerlichen Temperaturen malocht werden. „Wir haben einen sehr genauen Plan, wer wann wo was aufbauen darf“, sagt Wippermann; zunächst sind die großen Fahrgeschäfte dran, darunter die Wildwasser- und die Achterbahn. In dem Plan gibt’s kein Hitzefrei. „Hier weht ein schönes Lüftchen; am Anfang denken die Schausteller noch, die Arbeit wird nicht schlimm – und nach zwei Stunden in der Sonne sehen sie aus wie Grillwürstchen.“

Stimmt. Krebsroter Sonnenbrand am ganzen Oberkörper sind heute die Brandzeichen der Kirmesmalocher. Wer Pause hat, flüchtet in den Schatten, wo es aber auch über 30 Grad heiß ist. „Wir fangen früh an, um sechs Uhr, machen eine sehr lange Mittagspause und abends geht es dann weiter“, sagt Harry Bruch vom Gastrobetrieb Schwarzwaldchristel. So entgehen er und seine Angestellten der schlimmsten Hitze.

Schmerzliche Lektionen

Diesen Luxus hat der Telekommunikationsmonteur Ralf Schmeer von der Telekom nicht, er muss die Verteilerkästen anschließen und kontrollieren, solange sie noch nicht zugestellt sind und die Wiese noch einigermaßen leer ist.

Auch Alban Wamberski, der für einen Subunternehmer von Vodafon Mobilfunkstationen aufstellt, muss die Hitze ertragen. „Die Leute wollen bei Kirmesbeginn ja telefonieren“, und auch für die Vodafonmäste, die teils mit dem Kran platziert werden, braucht Wamberski Platz.

„Wie Urlaub in Spanien, nur billiger.“

Dass er und seine Männer sich nicht hinknien dürfen, weil sie sich sonst am Metall verbrennen und dass sie kein Werkzeug in der Sonne liegen lassen dürfen, das haben sie schnell und schmerzlich gelernt. Aber er nimmt’s mit Humor: „Das ist doch hier wie Urlaub in Spanien, nur billiger.“

Ohnehin ziehen alle Arbeiter die Hitze einem Aufbau im strömenden Regen vor. Ein fieser Sonnenbrand ist für sie längst nicht so schlimm, als die Kirmes auf einer Matschewiese zu errichten.