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Katholisches Krankenhaus in Dorsten will 'Pille danach' nicht ausschließen

Katholische Kliniken in Köln wiesen Vergewaltigungsopfer ab
Die katholische Klinik St. Vinzenz in Köln steht im Brennpunkt der Kritik. Ärzte sollen dort ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben, weil sie nicht die 'Pille danach' verabreichen wollten.Foto: dpa

In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Zahlen der Krankenhausgesellschaft NRW insgesamt 173 Krankenhäuser katholischer Träger. Ihr Anteil unter den insgesamt 401 Krankenhäusern zwischen Rhein und Weser liegt bei 67 Prozent und ist damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 37 Prozent. Wohl in den meisten der katholischen Kliniken dürfte die Frage der "Notfallkontrazeption" bei Vergewaltigungsopfern als Tabu verstanden werden, glaubt Ulrich Lota, Sprecher des Bistums Essen: "Die katholische Kirche lehnt die Abtreibung ab". Im Bereich des Bistums Essen jedenfalls sei davon auszugehen, dass die 'Pille danach' in den dortigen 16 Kliniken in katholischer Trägerschaft nicht verabreicht würden.

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Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht

Zwei Kölner Kliniken geraten unter Erklärungsdruck, weil bekannt wird, dass sie einer vergewaltigten Frau Hilfe verweigerten. Die Kliniken entschuldigen sich mit einem „Missverständnis“ - und mit dem Abtreibungsverbot der Kirche.

Einzelne katholische Kliniken in NRW weichen von dieser Linie offenbar ab. So ist es am St. Elisabeth Krankenhaus in Dorsten nach Aussage von Sprecherin Angelika Rütten nicht grundlegend ausgeschlossen, dass dort die 'Pille danach' verabreicht werden könnte: "Jeder Fall wird von uns im Einzelfall entschieden", betont Rütten: "Unsere Ärzte geben sich große Mühe, die ethischen und moralischen Gründe genau zu prüfen". Inwieweit es in der Vergangenheit konkrete Fälle gab, vermag Rütten aber nicht zu sagen. Knackpunkt bei der ethischen Beurteilung der 'Pille danach' ist die Frage ihrer Wirkung. Gegner sehen sie als Mittel zur Frühabtreibung, Befürworter heben hervor, sie diene letztlich in erster Linie der Notfallversorgung.

Pille danach wirkt noch bis zu fünf Tage später

Für das Erzbistum Köln erklärte Sprecher Christoph Heckeley am Donnerstag, dass die Verabreichung der 'Pille danach' in den katholischen Kliniken im Gebiet des Erzbistums grundsätzlich ausgeschlossen sei. Sie würde den ethischen und moraltheologischen Grundsätzen der Kirche widersprechen. Die Spurensicherung sei allerdings zugelassen. Auch auf Facebook hat das Erzbistum dazu am Mittag eine Erklärung veröffentlicht und damit eine heftige Debatte ausgelöst. In einem der mehreren Dutzend Kommentare heißt es: "Es kann einem doch nicht wirklich jemand erzählen wollen, dass in 2 Krankenhäusern aus dem gleichen Laden das gleiche "Missverständnis" auftritt". Ein anderer merkt an: "Gerade in medizinischen Berufen sollte das Wohl des Patienten im Vordergrund stehen, nicht der eigene Glaube".

Beim Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD), ebenfalls zum Erzbistum Köln zählend, hat man entsprechende "Kontrazeptriva" zur nachträglichen Schwangerschaftsverhütung in seinen sieben Einrichtungen grundsätzlich gar nicht erst vorrätig: "Kontrazeptiva werden in den Einrichtungen und Notfallambulanzen des VKKD weder vorgehalten noch verabreicht", erklärt VKKD-Sprecher Martin Schicht. "Alle eingelieferten Notfälle" würden "entsprechend der medizinischen Standards behandelt. Dazu gehören selbstverständlich auch Opfer sexueller Gewalt". Sollten Patientinnen darauf bestehen, eine 'Pille danach' zu bekommen, müssten sie sich an andere ärztliche Stellen wenden, erklärt Schicht: "Die Entscheidungsoption der Patientin sind nicht eingeschränkt, da entsprechende Präparate bis zu 120 Stunden nach dem Ereignis eingenommen werden können".

Parteien werfen katholischer Kirche "zynische Moral" vor

Sven Lehmann, Vorsitzender der NRW-Grünen, kritisierte am Donnerstag die Kirche scharf: "Der Fall in Köln zeigt einmal mehr die zynische Moral der katholischen Kirche, in deren Trägerschaft die Krankenhäuser stehen." Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft solle die Betriebserlaubnis entzogen werden, wenn sie Menschenrechte wie das Recht auf erste Hilfe ablehnten, forderte Lehmann. Ähnlich äußerten sich auch die Grünen im Landtag. Sie kündigten an, das Thema im Gesundheitsausschuss anzusprechen.

Die Fraktion der Piratenpartei teilte mit: "Wer den Glauben über den Opferschutz stellt, hat das mit den Menschenrechten nicht verstanden." Die Partenfraktion habe die Landesregierung in einem Eilantrag dazu aufgefordert, sich strikt gegen solche Praktiken auszusprechen und die Hintergründe des Vorfalls aufzuarbeiten. Der Kölner Piratenabgeordnete Daniel Schwerd forderte: "So etwas darf sich nicht mehr wiederholen".

Dagobert Ernst

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