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Kamelritt auf dem Akademieflur

02.02.2012 | 19:29 Uhr
Kamelritt auf dem Akademieflur
Eine Auswahl aus dem Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene (AFORK) zeigt das Museum Kunstpalast in der Ausstellung "Faszinierende Dokumente" vom 04.02. bis 29.04.2012. Pressetermin zur Ausstellung am Donnerstag den 02.02.2012. Der Fotograf benjamin Katz vor seinen Bildern von Marlene Dumas (lo), Bernd Becker (ro), David Hockney (lu) und Andy Warhol (ru). Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Es ist gut, sich seine Schätze immer wieder vor Augen zu führen. So ist die Gefahr geringer, dass Ressourcen brach liegen. Zwar trägt das Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene (AFORK) einen ungelenken Namen angesichts seiner bewegenden Inhalte. Schatz-Qualitäten haben die mehr als 6000 Fotos um die große Avantgarde-Freiheit seit den 50er Jahren allemal.

Sich davon zu überzeugen, lädt das Museum Kunstpalast ab Samstag mit einer gut zugespitzten Auswahl von 148 Aufnahmen ein. Ein spannender Retro-Blick zum großen, parallel laufenden zeitgenössischen„Photo Weekend“ im NRW-Forum und 20 Düsseldorfer Galerien.

Zuletzt hatten die „Fotos, die Kunstgeschichte schrieben“ 2009 ihren Auftritt am Ehrenhof. Noch immer fehlen dem 2003 gegründeten Archiv Räume zur ständigen Präsentation. Doch Museumschef Beat Wismer ist optimistisch, dass er im nächsten Jahr - zum 100. Geburtstag des Kunstmuseums und zum Zehnjährigen des AFORK - der Gründung des schon länger geplanten Dokumentationszentrums einen Schritt näher rückt.

Retro zum Photo-Weekend

Eine „tragende Säule“ sei das Foto-Archiv, für das die Werke von Benjamin Katz, Erika Kiffl und Manfred Leve - neben denen von Ute Klophaus, Bernd Jansen, Lothar Wolleh, Katharina Sieverding und Co. den Grundstock bildeten.

Aktionen, Atelier- und Akademie-Einblicke, Ausstellungen und Porträts - als mobile Ausgabe der „Faszinierenden Dokumente“ ist die Düsseldorfer Szene bereits auf Reisen gegangen. 18 000 Besucher (in sechs Wochen) lockte die Ausstellung ins House of Photography in der Partnerstadt Moskau im vergangenen Jahr. Weitere Auslandsstationen sind gewünscht, aber noch nicht spruchreif, so Kay Heymer, der die Schau mit Anne Rodler kuratierte. Derzeit werde eine verschlagwortete Datenbank im Netz aufgebaut, die Kunsthistorikern und anderen Neugierigen zur forschenden Recherche dienen soll.

Ob er auch gestern auf der Suche nach dem perfekten Moment war? Jedenfalls rückte Benjamin Katz die Kamera bei der Pressekonferenz immer wieder ans Auge. Ein seltenes Foto von Bernd Becher, es charakterisiert ihn, nachdenklich, konzentriert, intensiv, machte Katz 1990, Sigmar Polkes Riesenschritt hielt er 1986 in der Luft fest, Georg Baselitz bleibt im selben Jahr der Nachwelt hinter dem Serviettenschleier erhalten, Pater Mennekes schien er ‘88 im freien Fall einzufrieren.

Diana wird grün

Erika Kiffl- ebenfalls gestern zu Gast - war 1967 Zeitzeugin im Düsseldorfer Atelier, als Gerhard Richter seine „Diana“ ergrünen ließ. Vier Fotografien dokumentieren den Farb-Wandel - in der ansonsten von Schwarzweiß dominierten Ausstellung.

Nächste Woche ist wieder Rundgang-Zeit durch die Klassen der Akademie. Was die Kunststudenten vor mehr als 20 Jahren plastisch bewegte, bieten Kiffls Fotografien ebenso zum Vergleich an wie den historischen Blick zurück in den alten Kunstpalast.

Weiße Nullen auf schwarzen Bäuchen, reflektierende Folien und Luftballontrauben, die längst verflogenen ZERO-Aktionen 1962 auf den Rheinwiesen hat uns Reiner Ruthenbeck erhalten. Während Ute Klophaus fünf Jahre später die Gründung der Deutschen Studentenpartei an der Kunstakademie mit Beuys im Ringgespräch dokumentiert. Politische Zeiten.

Aber was hat Ende der 70er Günther Uecker und Klaus Rinke dazu verleitet, in den Gängen der Kunstakademie auf Kamelen zu reiten? Bernd Jansen war dabei. In die jüngere Vergangenheit am Eiskellerberg und zugleich in die dritte Dimension entführt Julia van Koolwijk. 1999 entstanden ihre beiden Leporellos. Sie sind eine wunderbar erzählerische Hommage an den querdenkenden Formschöpfer Professor Fritz Schwegler.

Ulrike Merten

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