Juweliers-Paar geht in Rente

Erkrath..  Menschen, die in den Ruhestand gehen, stellt man sich anders vor: älter, mit weniger Elan, vielleicht traurig darüber, nach 36 Jahren ein selbst gegründetes Geschäft in fremde Hände übergeben zu müssen. Doch Katja (55) und Gotthard Hansen (64) sind ganz anders. Sie strahlen. Der Ausverkauf ist nahezu gelaufen. Die mehrere Tonnen schwere Safetür steht offen zum Zeichen, dass nicht mehr dahinter weggeschlossen werden muss. Vereinzelte Kunden tröpfeln noch in das Geschäft am Hochdahler Markt und kaufen die allerletzten Schmuckstücke, umarmen die Inhaber und wünschen Glück fürs neue Leben ohne Arbeitsstress. Am 24. Januar ist endgültig Schluss, eventuell mit einem Gläschen Sekt.

Die Goldschmiede gegenüber von Edeka ist fast so alt wie der Hochdahler Markt selbst. 27 Jahre war Goldschmiedemeister Gotthard Hansen alt, als er sein Geschäft eröffnete. „Ein richtiger Juwelier muss eigentlich über 40 sein“, sagt er. Doch er konnte den Meisterbrief früher machen als andere und schaffte ihn dann auch noch mit Auszeichnung. Die frühe Entscheidung zur Selbstständigkeit war richtig.

Zumal Ehefrau Katja, eine gelernte Kinderkrankenschwester, aus Liebe eine zweite Ausbildung zur Juwelierin machte und vom ersten Tag mit im Laden stand. Bei ihren Wurzeln – der Urgroßvater war der Goldschmied Gabriel Hermeling in Köln – verwundert es nicht, dass Katja Hansen neben Dekoration, Buchhaltung und Verkauf auch den ein oder anderen Entwurf zu verantworten hat. Dass keiner der beiden Söhne (31 und 28 Jahre alt) ins angestammte Geschäft drängte, ist für die beiden kein Problem. „Wir haben einen Nachfolger gefunden, der passt“, sagen sie. Am 24. Februar eröffnet er unter dem Namen „Goldschmiede am Markt“. „Unseren Namen wollten wir nicht verkaufen“, sagen die Hansens. „Dafür haben wir aber am neuen mitgewirkt.“

36 Jahre – das ist eine lange Zeit. Trotzdem erinnert sich Katja Hansen noch an den ersten Kunden, der eckige Trauringe aus Weißgold kaufte. Er hat ihnen bis heute die Treue gehalten. Aber sie erinnert sich auch noch an das teuerste Stück, das sie je verkauft hat. Ein Brillanten-Collier, über dem ihr Mann Nächte geschwitzt hatte, bis es fertig war. Als es dann für einen fünfstelligen Betrag über die Ladentheke, ging „war ich so aufgeregt und habe so gezittert, dass ich es noch nicht einmal geöffnet bekam“, sagt Katja Hansen.

Es ist ein schöner Abschied, den die beiden Geschäftsleute nehmen. Sie hatten wunderbare Kunden, viele erfolgreiche Azubis. Sie waren sehr aktiv in der Werbegemeinschaft und ließen nicht locker, als es um neues Pflaster auf dem Markt ging.

Sie organisierten Modenschauen und andere Events gemeinsam mit benachbarten Geschäftsfreunden. „Eins haben wir uns aber für die Zukunft geschworen, wir werden keine gehetzten Rentner“, sagt Gotthard Hansen. Auf ihn wartet die Hobby-Eisenbahn, für die er Häuser und Bäume bastelt.

Denn das Feinmechanische ist immer noch die Leidenschaft von Gotthard Hansen.