Jugendliche zockten blinde Rentnerin ab

Mit einem besonders schamlosen Betrugstrick hatte sich gestern ein Jugendrichter beim Amtsgericht zu befassen. Ein Teenager (14) hatte laut Anklage gemeinsam mit einem Kumpel (15) einer fast blinden Rentnerin (81) über Monate hinweg vorgegaukelt, er sei ihr Enkel Kevin in Begleitung eines guten Freundes.

Die Rentnerin, die in Wittlaer in einer heimähnlichen Senioren-Einrichtung lebt, fiel auf den Trick herein, händigte dem jugendlichen Duo nach und nach rund 200 Euro aus. Laut Urteil müssen die Täter dieses Geld jetzt an die Rentnerin zurückgeben. Mit Rücksicht auf das jugendliche Alter der Angeklagten und weil bei so jungen Tätern laut Jugendrecht der erzieherische Effekt einer Verhandlung im Vordergrund steht, wurde über diesen Enkeltrick-Fall gestern beim Amtsgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit und hinter verschlossenen Türen verhandelt. Hinterher wurde nur so viel bekannt: Beide Angeklagten gaben zu, die fast blinde Dame über Monate hinweg getäuscht und ausgenutzt zu haben. Als ihr angeblicher Enkel Kevin und dessen Freund war das Täterduo von Mai bis Juli 2014 mehrfach in den Wohnräumen der Seniorin aufgetaucht. Bargeld, das ihnen die alte Dame bei solchen Besuchen in die Hand gab, verjubelten die Täter laut ihren Geständnissen danach ruckzuck für Zigaretten, Alkohol und Süßigkeiten. Ursprünglich war die Anklage sogar davon ausgegangen, die Täter hätten die Sehschwäche ihres Opfers gezielt dazu ausgenutzt, um in den Räumen der Rentnerin eigenständig nach Geld zu suchen und es einzustecken.

Davon wollte das angeklagte Duo gestern aber nichts wissen. Beide wurden dennoch schuldig gesprochen und müssen im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs jetzt jeweils 100 Euro wieder an die 81-jährige Heimbewohnerin zurückzahlen. Der falsche Enkel muss zudem 60 Sozialstunden leisten. Gegen seinen Komplizen, der ein Jahr älter ist, wurden 80 Arbeitsstunden verhängt, die er nach Weisung des Jugendamtes zu leisten hat. Die psychischen Folgen, die das betagte Opfer durch den Enkel-Schwindel erlitten hat, waren im Prozess allenfalls zu erahnen. Zu einer Zeugenaussage war die Seniorin altersbedingt nicht mehr in der Lage.