Jürgen Büssow ist jetzt im Ruhestand
16.08.2010 | 19:35 Uhr 2010-08-16T19:35:00+0200
Düsseldorf. Nach 15 Jahren als Regierungspräsident in Düsseldorf hat sich Jürgen Büssow am Montag in den Ruhestand verabschiedet. Mitarbeiter sangen Loblieder auf seinen politischen Instinkt. Auch Vize-Ministerpräsidentin Silvia Löhrmann kam zum Abschied.
Personalrats-Vorsitzender Wolfgang Köhmstedt griff voll daneben: Seinen Behördenchef, der 15 Jahre lang an der Cecilienallee das Ruder in der Hand hatte , beförderte er in seiner Rede zur Verabschiedung ausgerechnet zum „Ministerpräsidenten“. Nun: So hochtrabend waren Jürgen Büssows politische Ambitionen wohl noch nie; gleichwohl hätte er sich auch andere Ämter in seiner beruflichen Karriere vorstellen können.
Seit Montag ist der 64-jährige Düsseldorfer Privatier. „Einen Plan B habe ich nicht“, sagte er, der zeitlebens ein politischer Kopf, scharfer Analytiker und großer Netzwerker zwischen den verschiedenen Welten der Parteien, der Wirtschaft, den sozial und ökologisch Engagierten sowie den Juristen und Beamten war und ist. Gern wäre er nochmal voll in die Politik eingestiegen; aber das klappte bei der Landtagswahl im Mai nicht. Knapp 2000 Stimmen fehlten ihm für ein erneutes Mandat; es hätte sein fünftes werden sollen.
Malocher und Waldläufer
Als Behördenchef hat Büssow sein politisches Gespür behalten. „Er hat das Gras wachsen hören“, sagte seine Kollegin Elke Bartels gestern in einer Verabschiedungsrede, und oft kam dann auch das auf die Behörde zu, was Juristen für unmöglich gehalten, der Politiker aber geahnt hatte. Büssow, gelernter Pädagoge, war immer mehr Gestalter als Verwalter. Einer, der unbequem nachbohrte. Bartels: „Er wollte über jedes Detail genau Bescheid wissen und war manchmal selbst in der Sachbearbeitung tätig.“
Selbst Marathonläufer und bisweilen emsiger Radfahrer, hat er in seinen ersten Amtsjahren der Behörde zu einem Ansehens-Rekord verholfen: Europas schnellste Genehmigungsbehörde im Anlagenbau. Er stritt mit Flughafengegnern, stand im anhaltenden Streit um die CO-Pipeline von Bayer im Feuer, propagierte stets ein Bündnis von Malochern und Waldläufern im Industrieland NRW, duckte sich nie weg. Bei der Düsseldorfer SPD, dessen Vorsitzender er bis 1995 war, vermisst der ewige Kämpfer seit langem diesen Biss.
Büssows Duftmarken
Der Abschied am Montag war ein Querschnitt seines Netzwerkens: Vize-Ministerpräsidentin Silvia Löhrmann, seine Vorgänger Achim Rohde und Fritz Behrens, Düsseldorfs Bürgermeister Gudrun Hock und Friedrich Conzen, Mettmanns Landrat Thomas Hendele, OBs aus dem Ruhrgebiet. Auch Duisburgs Oberbürgermeister war da, ein ehemaliger und honoriger: Josef Krings. Mit Anne Lütkes (62) aus Köln wird am Mittwoch erstmals eine grüne Politikerin Regierungspräsidentin.
Fürs Café Grenzenlos, für das er sich ehrenamtlich engagiert, bat Büssow um Spenden. Künstler wie auch Thyssen-Krupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz bezeugten, wie Büssow den verstaubten preußischen Bau an der Cecilienallee „renoviert“ hat: mit Opernabenden ebenso wie mit hochkarätig besetzten Sommergesprächen mit deutschen Wirtschaftsführern. Da glänzten Amt und Person im Licht der Moderne, da hinterlässt ein Vielseitiger seine Duftmarken.
14:04
Die Spinne im roten Filz geht! Und alle roten Filzläuse kommen! Und eine grüne Filzlaus kommt als Ablösung!
Ich liebe Josef Beuys! Der hat das schon in den 1970ern gut erkannt. Filz überall! Ach so, das heißt jetzt Netzwerk, doller Begriff! Es ist und bleibt FILZ!
11:29
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