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Auszeichnung

Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine

23.09.2009 | 10:52 Uhr
Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine

Düsseldorf. Gunter Demnig, Erfinder der "Stolpersteine" zur Erinnerung an Opfer des Naziterrors, erhält heute die Josef-Neuberger-Medaille der jüdischen Gemeinde. Seine Stolpersteine sind, körperlich gesehen, nicht gefährlich. Aber sie überragen in ihrer Sinngebung und Harmlosigkeit andere Denkmale.

Stolpersteine, hier vor dem Haus Jägerstraße 48, legte Günter Demnig Anfang September, den ersten Stolperstein für den erschossenen Siegmund Kniebel in das Pflaster. Foto: Ingo Neubold

Es gibt Stolpersteine, bei denen man sich den Hals brechen kann - real oder im übertragenen Sinne. Gunter Demnigs Stolpersteine sind, körperlich gesehen, überhaupt nicht gefährlich. Sie ragen noch nicht einmal aus dem Pflaster hervor. Aber sie überragen in ihrer tiefen Sinngebung und zugleich scheinbaren Harmlosigkeit viele andere, vor allem pompöse Denkmäler. Sie sind so leicht übersehbar, zehn mal zehn mal zehn Zentimeter.

In einer Reihe mit Johannes Rau und Angela Merkel

Unübersehbar ist die Ehrung, die dem Schöpfer der Stolpersteine heute von der jüdischen Gemeinde Düsseldorf zuteil wird: Gunter Demnig erhält die Josef-Neuberger-Medaille. Die außergewöhnliche Reihe seiner Vorgänger reicht von Johannes Rau bis Angela Merkel im letzten Jahr. Der Kölner Künstler ist für seine Idee schon vielfach geehrt worden. „Es ist mein Lebenswerk geworden”, sagt er heute. Es erzählt von den Toten des Naziterrors, Steinchen für Steinchen, über halb Europa verteilt.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig, hier am Werk in Düsseldorf, verlegt Stolpersteine in ganz NRW. Foto: Kai Kitschenberg

Man kann Demnig kaum erreichen. Sein Anrufbeantworter sagt: „Ich bin gerade irgendwo unterwegs. Ahoi!” Immer mit dem roten Auto, von Stadt zu Stadt, wo Stolpersteine gefragt sind. Warburg in Westfalen wurde soeben der 488. deutsche Ort mit Demnigs Kunst. Auch in Polen, Österreich und den Niederlanden sind seine Gedenksteine in Bürgersteige eingelassen. Überall geht der Künstler selbst zu Werk. Hammer, Kelle, Schaufel, Eimer und Beton hat er immer dabei.

Vor der Ehrung verlegt der Geehrte Stolpersteine in Altstadt und Derendorf 

Auch heute. Bevor er am Abend die Medaille annimmt, verlegt er im Halbstunden-Rhythmus neue Messingplatten, die auf Wohnungen deportierter Juden während des Zweiten Weltkriegs hinweisen: Jahnstraße 3, Kölner Straße 280, Schönaustraße 1, Tiergartenstraße 3 und 8, dann geht es über Derendorf in die Altstadt, letzte Station am Stadtmuseum, Berger Allee 3.

Jeder Stolperstein hat einen eigenen Paten, 197 in Düsseldorf, manchmal sind es Gruppen und Schulklassen. „Das ist eine der stärksten Seiten dieses Kunstprojekts,” urteilt Bastian Fleermann von der städtischen Mahn- und Gedenkstätte, „dass sich Jugendliche so stark engagieren.” Vergangenheit, wenn auch schreckliche, wird fassbar. Der Stolperstein bekommt ein Gesicht, wenn man über die dürren eingeprägten Daten der Geburt, der Deportation und des Todes hinaus die Fotos und Biographien der Gedenkstätte zu Hilfe nimmt. Diese Form des Gedenkens, die Gunter Demnig geweckt hat, sei nach wie vor „sehr sehr populär”. Stadtrundgänge werden angeboten.

Unermüdlich: Am 4. September verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in einer öffentlichen Aktion 21 Stolpersteine am Essener Campus der Universität Duisburg-Essen (UDE). Foto: Kerstin Kokoska

Dass die jüdische Gemeinde sich zu der Klein-Kunst bekennt, ist auch für Demnig eine hohe, nicht selbstverständliche Ehre. Manche Rabbinate und auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, lehnen die Stolpersteine ab: So werde auf dem Ersatzgrab der Juden herumgetrampelt, ihr Andenken mit Füßen getreten. In Düsseldorf sieht man es anders.

Drei bis vier Jahre Wartezeit

So anders, dass Gunter Demnig mit dem Beschriften und Verlegen neuer Messingplatten nicht nachkommt. Er ist ja ständig irgendwo unterwegs. Bastian Fleermann: „Wir haben leider drei bis vier Jahre Wartezeit für Patenschaften für neue Stolpersteine. Das ist für manchen Älteren unbefriedigend, aber nicht zu ändern.” Die Gedenksteine können nicht zu Fließbandproduktion entwertet werden.

Der Mann mit Hut und Maurerkelle ist in den letzten zwei Jahren zweimal um die Welt gefahren, um die Erinnerung an NS-Mordopfer wachzuhalten. 20 400 Stolpersteine hat er gelegt. Heute kommen acht in Düsseldorf hinzu. epd

Dieter Schneider

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Kommentare
24.09.2009
12:26
Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine
von ErwinSchwarz | #8

Kaum ein Preis an einen Künstler war in den letzten Jahrzehnten gerechtfertigter!

24.09.2009
11:23
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von Thomas.Lau | #7

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24.09.2009
07:14
Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine
von Vanagas | #6

#3
Geht das ganze auch mal mit Hirn ?

Ihre Geschichtsfälschung können sie für sich behalten !

23.09.2009
22:37
Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine
von Alliierter Bombenterror | #5

Ich werde demnächst Stolpersteine in der Straße aufstellen, in der meine Verwandten durch Spreng-, Phosphor-, und Brandbomben der Amis ums Leben kamen. Diese einseitige Geschichtsaufarbeitung kotzt mich echt an. Die Alliierten waren feige Massenmörder.

23.09.2009
17:26
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von Thomas.Lau | #4

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23.09.2009
15:04
Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine
von viertelpetit | #3

Ich liebe diesen Künstler und schäme mich für die deutschen Schweine die am Holokaust beteiligt waren und für die politischen Schweine die diese Verbrecher so lang haben unter uns leben lassen.

23.09.2009
14:49
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von James.Brunt | #2

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23.09.2009
11:02
Jüdische Gemeinde ehrt Erfinder der Stolpersteine
von James.Brunt | #1

-|-

Stolpersteine auf Gehwegen, die an besonderen Stellen unserer Städte an Verfolgung von Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern, sollen zum Nachdenken anregen. Ein solcher Stein in Bremen könnte Anlass zu besonders intensiven Nachdenken geben – nicht nur über die Schrecken der Vergangenheit, sondern auch über Gegenwart und Zukunft in Deutschland.

Denn dort, wo der Stein an das Schicksal eines jüdischen Bremer Kaufmanns erinnert, residiert heute ein türkischer [Editiert von Moderation]. Und da fühlt man sich durch das Andenken an einen Juden so provoziert, dass man den Gedenkstein kurzerhand entfernte.

Schalom.

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