Joanna und Fynn sind die Schlümpfe

Erkrath..  Was ihm an Karneval am besten gefällt, weiß Kinderprinz Fynn Beckebaum (10) sofort: „Die Sitzheizung in dem Auto, mit dem wir zu den Terminen gefahren werden“, sagt er. Und was ihm gar nicht gefällt, damit hält der Schüler des Bergischen Internats auch nicht hinterm Berg: „Diese komische Pumphose, die ich bei meinen Auftritten tragen muss. Da komme ich mir wie aufgeblasen vor. So etwas trägt doch kein Mensch.“ Ungefähr den gleichen Platz auf der Beliebtheitsskala nimmt bei Fynn die weiße Strumpfhose ein, die unter die Pumphose gehört. „Du“, sagt er zu Prinzessin Joanna Triantafillou (12), „du hast es gut, du trägst wenigstens ein vernünftiges Kleid.“ Und in dem fühlt sich Joanna auch wirklich wohl, mit dem hübschen Krönchen im Haar ist die Halbgriechin ein richtig anmutiges stolzes Prinzesschen. Auftritte vor vielen Leuten kennt sie zur Genüge. „Ich habe schon drei Jahre in der Prinzengarde des Karnevalsausschusses Unterbach getanzt“, sagt sie stolz. Dennoch ist der Auftritt vor mehreren Hundert Leuten als Prinzessin etwas anders. „Da tanzt man nicht einfach, da muss man auf einmal reden“, sagt sie. Und das lässt einen vor jedem der insgesamt 50 Auftritte schon ein bisschen bibbern – auch wenn Joanna und Fynn schon mit Mutters Fleischklopfer als Mikro kräftig geübt haben. Fynn sitzt der Schalk ohnehin im Nacken, auch ohne Karneval. Um einen flotten Spruch ist er nicht verlegen. Mit Mädels kann der wendige kleine Mittelfeldspieler und Stürmer vom SC Unterbach allerdings noch nicht wirklich etwas anfangen. Seine Prinzessin, die er jetzt erst kennengelernt hat, ist keine Freundin, betont er. Und Joanna ergänzt ganz nüchtern: „Wir sind gute Kollegen für die Session.“

Am meisten graut es Fynn vor dem Auftritt in Joannas Theresienschule in Hilden. „Nur Mädchen, schecklich!“, sagt er kokett. Und bützen ist demnach natürlich auch nicht so wirklich seine Leidenschaft. Dennoch fühlt er sich ein bisschen geschmeichelt, wenn er so vor großen Mengen stehen und seine Rede vorlesen darf. Und den Besuch in der eigenen Schule, den erwartet er schon voller Ungeduld.

So schwappt denn das närrische Amt der beiden Kinderprinzen bisweilen auch in ihren Schulalltag hinüber. Die Mitschülerinnen von Joanna halten ihr gerne schon mal die Tür auf und nennen sie liebste Prinzessin, sagt sie schmunzelnd. Ihr Amt trägt sie mit kindlicher Würde und Begeisterung an der herausragenden Stellung, während Fynn eher dem Papa zuliebe unter der Prinzenmütze schwitzt. Viel lieber würde er Karneval als cooler Punker mit aufgegelten Haaren und zerrissener Hose genießen. Dennoch mag Fynn das Licht der Öffentlichkeit und besonders die Fahrt auf dem Prinzenwagen. Danach ist er froh, wenn er mit seiner Gitarre wieder den Rocker mimen und „Smoke on the water“ spielen kann. Joanna wird weiter Klavier spielen und tanzen. Fürs Reiten bleibt ihr leider keine Zeit. Es sei den fürs Foto auf dem Rücken des Unterbacher Esels.