Jetzt hagelt es Stadion-Verbote
27.05.2009 | 23:00 Uhr 2009-05-27T23:00:00+0200Fortuna-Fan-Beauftragter findet klare Worte und kündigt Konsequenzen an.
Während die Vereinsspitze immer noch ratlos auf die Krawall-Nacht reagiert, findet der Fan-Beauftragte Jörg Emgenbroich klare Worte. „Wir müssen zugeben, dass die Ausschreitungen durch Fortuna-Fans ausgelöst wurden”, sagt der 29-jährige Student des Wirtschaftsrechts und kündigt Konsequenzen an: „Es wird Stadion-Verbote hageln.” Nicht nur für die Arena, bundesweit, für drei Jahre, bei Zuwiderhandlung wird das mit dem Straftatbestand Hausfriedensbruch geahndet.
Jörg Emgenbroich räumt ein, „dass der Polizeieinsatz absolut notwenig war.” Man dürfe keinen Hehl daraus machen, dass es unter den etwa 13 000 Fortuna-Anhängern eine aktive Gruppe von bis zu 70 Personen gibt, „die sich regelmäßig vor den Spielen mit den Fans der gegnerischen Mannschaft zu einer Schlägerei an einem geheimen Ort verabredet.” Verletzungen würden dabei ganz bewusst in Kauf genommen, danach würde man sich „die Hände schütteln und das Spiel ansehen”, beschreibt Emgenbroich. Dabei sei das Alter und auch der Bildungsstand „gut gemischt.”
Die gewaltbereiten Fans sind bekannt, man suche das Gespräch, allerdings löse bei einigen Leuten nach dem „Kessel” in der Gaststätte „Kastanie” vom 19. April, „das alleinige Auftreten der Polizei ein immenses Aggressionspotenzial aus.” Einige, wie Emgenbroich sie bezeichnet, „beschränkte Leute” hätten das am vergangenen Wochenende genutzt, um „feige aus der anonymen Masse heraus Bierflaschen auf Polizisten zu werfen.” Der Fan-Beauftragte ist froh, dass nun bis August Spielpause ist, „da werden sich einige Gemüter beruhigen.” Darüber hinaus hat Emgenbroich der Fortuna-Fan-Abteilung ein Konzept vorgeschlagen: mit Gewaltprävention und Deeskalations-Training.
Von Seiten der Politik ließ sich SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Annette Steller gestern so zitieren, dass „die Lage noch zu unübersichtlich ist, als dass wir sie schon abschließend beurteilen könnten.” Sie sieht bislang keinen Ansatz, politische Forderungen oder Konsequenzen aus dem umstrittenen Polizeieinsatz abzuleiten. Auf der einen Seite habe die SPD Verständnis für das harte Durchgreifen der Beamten, „andererseits müssten sie Profis genug sein, eine solche Situation auch zu meistern.”
Der Fraktionsvorsitzende Günter Wurm erwartet allerdings, „dass der Polizeipräsident und die Führungskräfte beide Aktionen, den ,Kessel' und die Krawall-Nacht, auswerten und einen Handlungsrahmen erarbeiten.”
Wurm ist verblüfft darüber, dass die Polizei offensichtlich keinen Plan B hatte. „Auf so etwas muss man doch vorbereitet sein!” Und, gibt er zu bedenken: „Die Polizei muss darüber nachdenken, ob es richtig ist, bei solchen Einsätzen junge Beamte mit wenig Großstadterfahrung einzusetzen. Da gehören erfahrene Beamte hin - und vor allem auch Beamte in Zivil.”