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Kö-Treiben

Jecke statt Juwelen

14.02.2010 | 18:19 Uhr

Düsseldorf. Aus dem Knast direkt auf die Kö: „Bin auf Hafturlaub” steht auf dem Panzerknacker-Kostüm von Debbie Neubert geschrieben. Die Bonnerin ist zum ersten Mal karnevalistisch in Düsseldorf unterwegs.

Sie blickt zunächst irritiert, dann sichtlich belustigt auf die dicken Holzplatten, mit denen die Schaufenster der Nobelläden verbarrikadiert sind. Jecke statt Juwelen: „Das ist kurios, hat ja geradezu anarchistische Züge. Wunderbar”, jubelt die 28-Jährige in die Menge. Trotz permanenten Nieselschnees und Temperaturen um den Gefrierpunkt zieht es wieder rund 100 000 Narren zum Kö-Treiben, wo sie die Flanier- in eine bunte Feiermeile verwandeln.

Jochen Bremer ist mit sieben Kumpels, Bollerwagen und zwei Fässern Alt gekommen. „Hier kann man quatschen, mit wem man will, tanzen, singen, bützen. Fast alles ist erlaubt”, schwärmt der 42-jährige „Chef” seiner Clowns-Combo vom unorganisierten Karneval.

„Pfusch am Bau: Helau!”

Plötzlich staut es sich mitten auf der Kö: Schuld daran hat ein munteres Sextett aus Ratingen. Die Freundinnen sind der prächtigste Blickfang auf dem Boulevard mit ihren aufwändig gestalteten venezianischen Kostümen. Mehr als 100 Mal dürfen sie für ein Foto posieren. „Das ist ein süßer Lohn für harte Handarbeit. In mein Kostüm habe ich 250 Stunden investiert”, sagt Christiane Pfeifer, die Schneiderin von Beruf ist.

Gleich nebenan feiert das Team vom DHW. „Dax-Hilfs-Werk heißt das”, schmunzelt Uwe Willer. Noch am Tag zuvor hat er mit elf Bekannten einen Wagen gestaltet, der den Kölner U-Bahn-Bau karikiert, frei nach dem Motto: „Pfusch am Bau - Helau!” „Der Düsseldorfer U-Dax ist ein Profi. Deshalb werden wir mit ihm nach Aschermittwoch den Kölnern zur Hilfe eilen”, scherzt der 45-Jährige, während er einer Meute von Kühen zuprostet.

Die 15-köpfige Truppe aus dem Ruhrgebiet wirft mit Konfetti um sich und schmückt die eigenen Häupter mit originellen Euterkappen. Die klare Botschaft: Melken erlaubt. „Wir sind halt Herdentiere”, grölt „Muttertier” Petra.

Unaufhörlich dröhnen aus den Lautsprechern die gängigen Karnevals-Gassenhauer: „Im Rheinland geboren...” Dazu bützen Biene-Majas die „Benrather Bären”, tanzen die Altbier-Wikinger mit den „Molligen Möhnen aus Mörsenbroich”. Es fließt jede Menge Alt und Hochprozentiges. Die Stimmung bleibt „aber im Großen und Ganzen friedlich und freundlich. Wir haben bislang nur kleinere Zwischenfälle registriert”, bilanziert Polizeisprecher Gunter Herring nach Einbruch der Dunkelheit, als sich viele Feierfreudige in die Altstadtkneipen vertagen. Heute kommen die meisten von ihnen wieder, wenn der Rosenmontagszug um 12.35 Uhr vom Joseph-Beuys-Ufer loszieht und das CC bis zu einer Million närrische Besucher erwartet.

Rüdiger Hoff

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