Jazz Rally mit Waschbrett und cooler Kanne

Das schönste Lob für das Düsseldorfer Publikum kam vom großen alten Mann des Jazz: „Wie die Leute mitgegangen sind – das war wunderbar“, sagte Klaus Doldinger in seinem Fazit der 23. Düsseldorfer Jazz Rally. Mit 79 macht man keine leeren Komplimente mehr.

Bangen Herzens zum Landtag

Doldinger erzählte, wie er am Sonntagmittag zum Landtag geeilt sei. Bangen Herzens, denn dort sollten Dauner und Dauner musizieren. Vater und Sohn. Jazzpiano und Popschlagzeug. „Keine Mischung also, die besonders massentauglich ist“, so Doldinger. Umso erstaunter war er, wie viele Menschen dort warteten, um Dauner/Dauner zu hören. „Ich habe dann nur anmoderieren müssen, wunderbar.“

Er sei ohne Erwartungen nach Düsseldorfer gekommen. „Und dann hat sich meine Vorfreude von Konzert zu Konzert gesteigert“, resümierte Doldinger. Damit reihte er sich nahtlos ein in die Gruppe der (Selbst-)Zufriedenen: Die 23. Düsseldorfer Jazz Rally hat über Pfingsten mehr als 300.000 Besucher in die Stadt gezogen. Das sagten die Veranstalter in ihrer Bilanz am Sonntagnachmittag (24.5.). Auf 30 Bühnen in der Innenstadt spielten mehr als 400 Musiker in insgesamt 72 Konzerten. Boris Neisser vom Veranstalter Destination Düsseldorf nannte die diesjährige Ausgabe der Rally „jünger und internationaler denn je“. Worauf Klaus Doldinger sanft korrigierte: In Montreux sei das Jazz-Festival wirklich international: „In Düsseldorf traten viele deutsche Künstler auf.“

„Jazz“ als Begriff weit gefasst

Was war positiv? Die Stimmung. Musik erklang hinter jeder Altstadtecke. Vom coolen R&B Saxofon eines Max Merseny & Band aus München im endlich vergrößerten Konzertzelt am Burgplatz am Samstag bis hin Straßenbahn mit den Dixieland Diamonds am Sonntag war alles dabei. Der künstlerische Beirat, bestehend aus Rainer Witzel, Dieter Falk und Nils Gropp, hatte den Begriff „Jazz“ so weit wie nur möglich ausgelegt. Da passten auch die niederländischen Soul Snatcher drunter, die das Stone im Ratinger Hof im Handumdrehen füllten. Dieter Falk fasste es so zusammen: „Die Jazz Rally war hochklassig, tanzbar, fröhlich und bunt. Sie ist in ihrem 23. Jahr jünger geworden.“ Im FFT Juta an der Kasernenstraße gab es am Samstag und Sonntag vier Konzerte sehr junger Jazz-Musiker

Was war negativ? Es fehlt in Düsseldorf das Geld für große Namen –wenn dann noch Stargast Merret Becker als Stargast absagt, schmerzt das doppelt. Manche Auftrittsortsorte – wie das Stone oder auch die Brasserie an der Mühlenstraße – waren rasch gefüllt. Hoffnungsfrohe Gäste mussten warten oder wurden gleich abgewiesen. Das Kaiser Heydemann Trio spielte auf Wunsch des Sponsors Günnewig ganz oben im Rheinturm, wohin die Gäste an einem Samstagabend mit nur einem Aufzug in Betrieb nur tröpfchenweise gelangen. In der Brauerei „Schiffchen“ sollen Jazz-Freunde vom Personal vertrieben worden sein, weil sie einfach nur bei einem Bier da sitzen wollten. Nicht essen, nur zuhören. Pfingsten 2016 soll es die nächste Jazz Rally geben.