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In Washington fehlt ein kühles Uerige

06.12.2011 | 12:58 Uhr
In Washington fehlt ein kühles Uerige
Markus Lietz.

Düsseldorf.Ein kühles Uerige und das Graubrot vom Lieblingsbäcker, diese beiden, scheinbar banalen Dinge gehören zu jenen, die Markus Lietz am meisten an Düsseldorf vermisst. Eigentlich arbeitet der 37-jährige für die Commerzbank in Düsseldorf, die hat ihn nun für zwei Jahre an das Institute of International Finance (IIF) in Washington ausgeliehen. „Ich habe in der Bank gesagt, dass ich gerne mal ins Ausland gehen würde. Dann bekam ich zwei Angebote und musste mich sehr kurzfristig entscheiden“, erzählt er.

Schon seit einem Jahr lebt der gebürtige Düsseldorfer rund 6350 Kilometer Luftlinie entfernt. Weit weg zwischen Hot-Dog und Miller, Burger und Budweiser, Sternen und Streifen gibt es viel zu erleben. Neben der neuen Arbeit, die sich komplett von seiner bisherigen Tätigkeit unterscheidet, gibt es einiges, was man in der Freizeit machen kann. Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Im Bezug auf die Freizeitgestaltung scheinbar schon.

Nicht das gelobte Land

„Von hier ist man in knapp drei Stunden am Strand, aber auch zum Skifahren hat man es nicht weit“, schwärmt der 37-jährige. „Drei Stunden Entfernung ist in Amerika nicht viel.“ In dieser Zeitspanne kommt man zum Beispiel von Washington nach New York: „Dort bin ich auch öfter.“ Außerdem sei Washington, allein schon wegen der Architektur, eine schöne Stadt, in der man wunderbare Fahrradtouren machen kann.

Von der amerikanischen Kultur hat er bereits angenommen, das Leben etwas lässiger zu sehen. Gibt es in puncto Lebensweise wirklich so große Unterschiede zwischen der amerikanischen Hauptstadt und der rheinischen Landeshauptstadt? Markus Lietz sind einige aufgefallen: „Die Leute hier sind viel entspannter, sie haben eine positivere Lebenseinstellung und man kommt leichter mit ihnen in Kontakt als in Deutschland.“ Es sind Kleinigkeiten, an denen es zu merken ist: „Wenn ich hier an der Straße stehe, kommt es vor, dass Autos anhalten und mich ‘rüber lassen, das ist in Düsseldorf doch fast undenkbar.“

Und dennoch weiß Lietz: „Amerika ist nicht das gelobte Land.“ Es gibt auch Dinge, die es nicht gibt, am anderen Ufer des großen Teichs: „Fast keine Cafés oder Kneipen. Nur Starbuck’s – die Gemütlichkeit geht hier ein bisschen verloren.“ Auch sei eine tiefere Freundschaft mit den Amerikanern nicht möglich, in Washington hat er mehr internationale Bekannte. Lietz glaubt, es liegt auch daran, dass „die Leute kommen und gehen.“ Auch seine Zeit in Washington ist begrenzt. In einem Jahr geht’s zurück nach Deutschland. Er freut sich auf die Heimat, nicht zuletzt wegen seiner Partnerin, die ihn nicht in die USA begleiten konnte. Nach Düsseldorf wird er dann aber nicht wieder kommen. Doch das findet er, dank der in Amerika erworbenen, entspannteren Lebensweise gar nicht so schlimm.

Melanie Koppel

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