In Düsseldorf steckt der Frühling in Tütchen

Um das Wachstum muss sie sich jedenfalls keine Sorgen machen: Firmenchefin Brigitte Ilbertz in dem traditionsreichen Geschäft in der Altstadt.
Um das Wachstum muss sie sich jedenfalls keine Sorgen machen: Firmenchefin Brigitte Ilbertz in dem traditionsreichen Geschäft in der Altstadt.
Foto: Bernd Schaller
Was wir bereits wissen
In der Samenhandlung Böhmann-Ilbertz in der Düsseldorfer Altstadt hat alles mal klein angefangen: Selbst ein staatlicher Kürbis stammt aus einem Saatkorn.

Düsseldorf..  Alles hat mal klein angefangen, sogar dicke Bohnen und pralle Melonen. Selbst eine staatliche Eiche war irgendwann ein unscheinbares Krümelchen, ein kleines Saatkorn im Erdboden. Mit diesen Winzlingen, manche mit bloßem Auge kaum zu erkennen, handelt seit fast 70 Jahren die Samenhandlung Böhmann-Ilbertz in der Altstadt. Ein blühender Traditionsbetrieb, Wachstum garantiert. Ganz gleich wie launisch das Wetter in den nächsten Wochen auch immer sein wird, eines ist gewiss: Hier steckt der Frühling in Tütchen.

Ja, das Wetter. „In diesem Jahr hat’s uns besonders schlimm erwischt“, meint Chefin Brigitte Ilbertz und versucht noch schnell, ein paar junge Pflänzchen vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Keiner habe zurzeit Lust zum Säen und Pflanzen, „man mag ja gar nicht nach draußen gehen.“ Ihre Kundschaft würde jedenfalls erst mal abwarten oder lieber gleich den Sommer planen. „Wir haben praktisch eine Saison verloren.“

Aber mit den Kapriolen des Wetters mussten sie in diesem Familienbetrieb schon immer kämpfen. Über dem Schreibtisch von Brigitte Ilbertz schaut ihr Großvater auf seine Nachkommen herab, in Öl gemalt und milde lächelnd. Der Gärtnereibesitzer hat seinen „grünen Daumen“ an seinen Sohn Theo vererbt, der im Jahr 1938 die Samenhandlung an der Marktstraße eröffnete und zunächst die Nachbarschaft mit Saatgut für Kartoffeln und Kohl versorgte.

Er hätte sich wohl kaum vorstellen können, welche Vielfalt heute aus den Regalen leuchtet: Tüten, tausendfach. Ihr Inhalt soll mal junges Gemüse werden oder üppiger Blütenzauber. Auf den Etiketten steht „Duftende Liebeswiese“ oder „Japanischer Blumengarten“, mit ihrer bunten Üppigkeit sind sie zurzeit der Renner, meint die Chefin. Noch bis vor fünf Jahren wurde alles Saatgut in den Schubladen alter Apothekerschränke aufbewahrt und selbst umgefüllt, abgepackt und beschriftet. Heute kauft das Unternehmen bei britischen Händlern alle Samen fertig verpackt in Miniportionen. und bunten Tüten.

Bei aller Tradition sind die modernen Zeiten längst aufgeblüht: Das komplette Angebot wird auf einer Internetseite präsentiert. Und auch die neuen Trends der internationalen Küche hinterlassen hier deutliche Spuren: „Wir haben Samen für Möhren und Rüben in verschiedenen Farben, von lila bis gelb“, so Brigitte Ilbertz. Und für 28 Sorten Tomaten sowieso.

Manche Samenkörnchen sind so klein, dass 80 000 Stück gerade mal ein Gramm wiegen, sie werden in winzigen Röhrchen verpackt, weil sie sonst durch die Ritzen der Tütchen rieseln würden. Noch sind sie bloß eine Verheißung, aber eines Sommertages werden sie als rosa Begonie aufblühen. Groß wie Haselnüsse sind dagegen die Samen der Bananenstaude, man ahnt es auf den ersten Blick: Sie haben das Zeug zu mächtigem Wachstum.

Aber nicht alle Pflanzen wachsen aus einem Samenkorn. „Rosen werden aus Stecklingen gezogen“, weiß die Fachfrau. Tulpen und Narzissen aus Zwiebeln, Dahlien und Lilien aus Knollen. Gärtnerwissen gibt’s zum Einkauf gratis. Da erfährt dann der Stadtmensch auch, dass jede Pflanze ihren eigenen Rhythmus hat. Der Kresse kann es nicht schnell genug gehen, sie keimt schon nach einem Tag. Ein Kürbis braucht dagegen ein paar Monate, bis aus dem Samenkorn ein staatliches Kraftpaket wächst. Kommentar der Fachfrau: „Im Garten braucht man eben Geduld. Daran hat sich nichts geändert.“