In Benrath entstehen zwei Container-Siedlungen

Auf dem IDR-Gelände am Ende der Benrodestraße in Benrath stehen die Wohncontainer für die Flüchtlinge, die im Mai einziehen werden.
Auf dem IDR-Gelände am Ende der Benrodestraße in Benrath stehen die Wohncontainer für die Flüchtlinge, die im Mai einziehen werden.
Foto: Dirk Neubauer
Auf dem IDR-Gelände an der Benrodestraße und auf dem alten Sportplatz an der Schimmelpfennigstraße werden in neuen Wohnmodulen jeweils 200 Flüchtlinge untergebracht.

Düsseldorf..  Asylbewerber in direkter Nachbarschaft? Auch in Benrath wird dieses Thema viel und kontrovers diskutiert. Wegen steigender Flüchtlingszahlen ist die Stadtverwaltung bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten unter Druck. Für rund 400 Flüchtlinge will sie neue Wohnanlagen in Benrath errichten – in zwei Containersiedlungen an der Benrode- und an der Schimmelpfennigstraße. Familien, allein reisende Männer – was werden das für Menschen sein, die in den Stadtteil kommen?

Benrather haben bereits Erfahrung

Ein wenig Erfahrung haben die Benrather schon, denn seit Mai 2013 sind im alten Krankenhaus an der Hospitalstraße mehrere Familien untergerbacht. Das erstaunt viele Bürger, denn so wirklich bemerkt haben nur die wenigsten diese neuen Nachbarn.

Das geräuschlose Miteinander steht im starken Kontrast zu der Empörung von damals. Im Frühjahr 2013 rauschte ein Sturm der Empörung durchs Dorf. Das alte Hospital stand schon lange leer und es gab verschiedene Ideen für eine neue Nutzung. Die Lage gleich gegenüber dem Benrather Schloss ist exquisit, doch die Stadt hielt lange an der Aussage fest, das Gebäude sei als Quarantänestation für Notfälle vorgesehen und dürfe nicht verplant werden. Als dann aber die Zahl der Asylbewerber immer größer wurde, kassierte das Düsseldorfer Rathaus diese Aussage ein und gab das Haus als Unterkunft frei. Wegen Brandschutzauflagen durfte nur das Erdgeschoss durch Bewohner genutzt werden und so zogen zu Beginn drei Familien aus Tschetschenien ein. Zwei dieser Familien mussten Deutschland mittlerweile wieder verlassen, die dritte ringt immer noch um die Anerkennung ihrer Asylanträge.

Benrath erwartet die neuen Nachbarn

Aber nun erwartet Benrath neue Nachbarn in deutlich größerer Dimension. Das IDR-Gelände am Ende der Benrodestraße, ehemals eine Spedition, wird die erste von zehn Anlagen mit Wohnmodulen sein, die an verschiedenen Standorten in Düsseldorf bis Ende des Jahres errichtet werden. Es wird ein Prototyp, der aufgrund des Zeitmangels weniger komfortabel sein wird, als die übrigen neun Wohnanlagen. Die Container sind bereits an der Benrodestraße aufgestellt. Es sind einfach Modelle, ohne die Möglichkeit, zwischen den Modulen Türen einzusetzen, um so die Räume miteinander zu verbinden. „Für die Unterbringung von Familien suboptimal“, betont die städtische Flüchtlimngsbeauftragte Miriam Koch. Aber die Zeitknappheit und der Zustrom an Flüchtlingen machte die kurzfristige Errichtung notwendig. Der Standort ist für 200 Menschen vorgesehen, die im Mai einziehen werden. Allerdings sollen die Container Ende 2016 bereits wieder abgebaut werden. Die IDR als Eigentümer des Geländes sieht die Nutzung nur befristet vor.

An der Schimmelpfennigstraße, auf einem alten verwilderten Sportplatz wird längerfristig geplant. Dort wird voraussichtlich ab Sommer eine Wohnmodulanlage nach besserem Standard aufgestellt. Mit einer Grünfläche als Mittelpunkt werden fünf Bauten errichtet, die jeweils für 40 Bewohner Platz bieten. Verbindungstüren in den Räumen geben Familien das Gefühl, wie in einer normalen Wohnung zu leben. Die sanitären Anlagen und die Küche werden gemeinschaftlich genutzt. Die Ausstattung der Räume ist in jeder Unterkunft zweckmäßig: Ein Bett, ein Schrank, ein Tisch und ein Stuhl für jeden Bewohner. Die Wohnmodulanlage an der Schimmelpfennigstraße ist von der Stadt längerfristig angelegt. Der Mietvertrag über jeweils zwei Jahre beinhaltet eine Klausel, bei Bedarf zu verlängern.

Zwei Infoveranstaltungen gab es

Zur Information der Benrather gab es bereits zwei Informationsveranstaltungen, die Bezirksvertretung 9 hat einen „Runden Tisch“ initiiert, an dem Parteien, Vereine, Hilfsorganisationen und ehrenamtliche Helfer zusammen kamen. „Schlüssel ist eine gute Informationspolitik“, sagt Nils Dolle, neuer Leiter der Bezirksverwaltungsstelle Benrath. Mit Bezirksvorsteher Karl-Heinz Graf (CDU) wollen sie einen Rahmen schaffen, um das Willkommen der Asylbewerber und die ehrenamtlichen Hilfsangebote zu koordinieren. Dabei sind die Aktionen in vier Aufgabengebiete unterteilt. Eine Aufgabe ist die Sammlung und Verteilung von Sachspenden, eine andere die Vermittlung der deutschen Sprache. Hilfestellung bei Ämtergängen, Arztbesuchen oder ähnlichem zu geben, ist ein weiteres Tätigkeitsfeld. Unter dem Oberbegriff „Beschäftigung“ werden Angebote gesammelt, die den Asylbewerbern eine Aufgabe für ihren Alltag bringen soll.

So bereitet sich Benrath vor auf die neuen Nachbarn, bei deren Integration viele Bürger helfen möchten. Nils Dolle betont aber auch, Ansprechpartner für kritische Fragen oder diffuse Ängste zu sein, die der Zuzug von Asylbewerbern sicherlich auch mit sich bringen.