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Immer mehr Rentner sind arm

15.06.2012 | 17:10 Uhr
Immer mehr Rentner sind arm
Allein, ohne Hilfe und mit Minirente, bleiben viele Alte zu Hause, andere schämen sich ihrer Geldnot und gehen nicht zu einer Beratung.

Düsseldorf. Die 68-Jährige stand plötzlich vor dem Ruin: Ihr Mann war gestorben, sie bekam nur noch eine kleine Witwenrente, mit all den laufenden Ausgaben blieb kein Geld mehr zum Leben übrig.

Wie ihr geht es immer mehr Alten, vor allem älteren Frauen, weiß Gabriele Hellendahl, die die 68-Jährige vor der finanziellen Katastrophe bewahrte. Mehr als 650 ältere Menschen über 60 Jahre kamen 2011 zu einer der fünf Schuldenberatungen der Stadt.

Die tatsächliche Zahl der armen Alten, vor allem der Frauen, dürfte drei- bis fünfmal größer sein, denn viele schämen sich, Hilfe anzunehmen.

Deshalb starten unter dem Motto „Alter-Armut-Schulden“ die Beratungsstellen ab Montag Aktionen und wollen darüber aufklären, wie vor allem Ältere mit ihrem wenigen Geld auskommen können und teure Telefonabzocke durch gewissenlose Firmen vermeiden können.

„Die 68-Jährige war Hausfrau, hatte die Kinder groß gezogen und deshalb keinen Rentenanspruch“, berichtet Hellendahl, Beraterin beim Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) von einem typischen Beispiel. Als der Mann starb, bekam sie noch 792 Euro Witwenrente. Aber die laufenden Kosten inklusive eines Kredits, den sie mit 420 Euro abzahlen sollte, lagen bei 963 Euro.

Beraterin Hellendahl half „nach langer Überzeugungsarbeit“, eine private Insolvenz einzuleiten, damit die Rentnerin den Kredit nicht mehr zahlen musste, kürzte die Versicherungskosten und beantragte Grundsicherung im Alter. „Jetzt bleiben ihr immerhin 329 Euro im Monat“, meint Hellendahl. Das reicht gerade für das Nötigste.

Auch Selbstständigen droht Armut

86 000 über 65-Jährige leben in Düsseldorf. Steigende Preise, geringe Renten, die an die Verteuerung nicht angepasst werden, treiben zudem immer mehr Menschen über 65 in die Altersarmut, so die Erfahrung der Beraterinnen. „Wir registrieren immer mehr Kunden mit Renten unterhalb der Armutsgrenze“, berichtet Bettina Seidel von der Verbraucherzentrale.

Dazu gehören auch mehr und mehr ehemals Selbstständige, deren private Krankenkasse zu teuer ist, oder die mit ihrem Einkommen nicht ausreichend vorsorgen konnten, weiß Schuldenberaterin Sandra Bellstedt von der „SWT-Stiftung im Paritätischen“.

Viele Opfer von Telefonabzocke

Viele Alte, so die Erfahrung von Bellstedt, sind schlecht ernährt, weil ihr Geld nicht reicht, „die Schlangen bei Lebensmittelausgabe der Tafeln werden ja immer länger.“ Aber viele wollen ihre Armut verbergen, sie gehen nicht in eine Beratung. Zudem werden immer mehr Alte von skrupellosen Firmen betrogen. „Ein 70 Jähriger kam neulich zu uns, der hatte 20 Geldforderungen von Abzockern, die ihm am Telefon Verträge aufgedrängt hatten“, so Hellendahl. Die Beratungsstellen klären auch darüber immer wieder in den „Zentren-plus“ auf. Weitere Themen sind kostenlose Prüfungen von Versicherungsverträgen sowie preiswertes Einkaufen.

Jo Achim Geschke

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