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Immendorffs Düsseldorf-Bild

02.09.2007 | 12:24 Uhr

AUSSTELLUNG. Museum kunst palast besitzt nur ein Werk des Künstlers. Kulturdezernent Lohe verheißt Dauer-Leihgaben.

Ein bisschen verhält es sich mit Immendorff und Düsseldorf wie mit dem Propheten und dessen eigenem Land. Ein einziges Bild besitzt etwa das museum kunst palast von dem Maler, der seit seiner Akademie-Zeit in den frühen 60er Jahren als Düsseldorfer Künstler galt, hier als Lehrer an der Dumont-Lindemann-Schule arbeitete, im Ratinger Hof zechte und nicht zuletzt sein Atelier hatte.

Blick mit Beuys vom Oberkasseler Ufer

Aber das soll alles anders werden, verhieß Kulturdezernent Hans-Georg Lohe im Vorfeld der großen Immendorff-Ausstellung im museum kunst palast - man sei über Dauerleihgaben im Gespräch, und die Aussichten seien gut...

Bis die Politik in dieser Hinsicht Vollzug meldet, kann man sich einstweilen vergnügen mit dem politischen Maler Immendorff, wie er sich auf vielen der rund 300 Zeichnungen verwirklicht hat, die das Grafische Kabinett des Museums noch bis zum 18. November schmücken.

Unveröffentlichte Arbeiten

Oder mit den recht drastischen und gar nicht so wenigen Düsseldorf-Bildern, die ebenfalls unter den Blättern sind. Es handelt sich zum großen Teil um unveröffentlichte Arbeiten aus Immendorffs Atelier, aus allen seinen Werkphasen. Da ist die herzlich naive "Erklärung gegen den Krieg in Vietnam" (1965) mit den Unterschriften von Sigmar Polke, Blinky Palermo, Imi Knoebel, Bernhard Blume und Immendorffs Lehrer Beuys sowie desen nachmaliger Haus- und Hof-Fotografin Ute Klophaus.

Da ist das Anschauungsmaterial des Hauptschullehrers Immendorff (über die vorurteilsprägende Wirkung von Porträts etwa), da ist aber auch die große, wasserfarbene, getuschte und gezeichnete Gouache "an diesem Ufer kann man zeichnen, was da nicht hingehört" von 1997: Da blickt ein Immendorff mit Malerpinsel in der Faust neben Beuys vom Oberkasseler Ufer aus auf die Stadt-Silhouette - und man weiß wirklich nicht, ob der genitalisch gezeichnete Rahmen wirklich dahingehört...

Unter den 39 Blättern zum Zyklus Cafe? Deutschland schließlich findet sich nicht nur die höhnische Anweisung "Düsseldorf verdunkeln", sondern auch eine Gouache, die den möglichen Anlass dafür festhält: Eine Durchsuchung des Buchladens "BiBaBuZe" nach "linker Literatur".

Ein zeichnerisch/malerisch ganz exquisites Blatt zeigt die Tonhalle, einige Fotos von Benjamin Katz schließlich zeigen Immendorff in seinem Atelier an der Gustav-Poensgen-Straße.

Und von jenen, auf denen der Maler vor seinem Bild "Schwarzes Schaf" ausgelassen hin und her rennt, weht ein bisschen Wehmut herüber. Immendorff war eben doch ein Düsseldorfer.

JENS DIRKSEN

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