Imkerverein aus Düsseldorf vermietet Bienen an Großstädter
22.04.2011 | 15:13 Uhr 2011-04-22T15:13:00+0200
Düsseldorf.Uwe Plath aus Düsseldorf hatte eine pfiffige Idee: Er vermietet an Großstädter Bienenvölker. Als Anreiz dürfen sie die Honig-Ausbeute behalten.
Hier ist das Land, wo Milch und Honig fließen. Na ja, die Milch kommt aus der Flasche. Aber Honig, den liefert die Natur tatsächlich satt. Mittendrin in all dem Gesumm am Südfriedhof: Uwe Plath, Herr der Bienen, Schöpfer einer pfiffigen Idee: Sein Imkerverein vermietet an Stadtmenschen Bienenstöcke: Rent a Queen! Damit schaffte er es in die Endausscheidung von „Land der Ideen“, einem Wettbewerb der Bundesregierung. Der Clou: Wer bei ihm ein Völkchen Bienen bucht, darf die Honigernte behalten.
Alles kann man mieten: Wohnungen, Autos, Kleingärten. Warum kein Bienenvolk? fragte sich Uwe Plath, der sich seit langem um die Honigproduktion sorgt. Denn obwohl Deutschland Weltmeister im Verzehr des „flüssigen Goldes“ ist, schrumpft die Zahl der Menschen, die sich um die Bienen kümmern. „Aber ohne Imker keinen Honig, allein kann das die Biene nicht.“
Seit Jahren tingelt er deshalb durch Düsseldorfer Schulen, hält Vorträge über das Bienenleben und ihr köstliches Produkt, gründete vor sechs Jahren den Imkerverein „Apidea mellifica“, wirbt um Nachwuchs, verbringt freie Zeit bei seinen fliegenden Völkern. Vor zwei Jahren reifte die Idee, die produktiven Majas samt ihrer Königin zu vermieten - in der Hoffnung, dass der Stadtmensch auf die Biene fliegt.
Der Pächter in spe muss weder viel Geld, noch viel Zeit investieren: Jeden Sonntag ist Treffpunkt am Südfriedhof, wo die vereinseigenen Bienen ein Domizil haben. Für 30 Euro Miete bekommt jeder ein eigenes Volk zugeteilt mit etwa 20 000 Tieren, die Instruktionen des Fachmanns gibt es gratis dazu. Neue Erkenntnisse über die Natur ebenfalls.
Vor Stichen schützen
Denn der Bienenmieter muss lernen, wie man mit dem Stock umgeht, wie die Waben überprüft werden, woran man erkennt, ob es der Königin gut geht. Vor Stichen schützen Handschuhe und Schleierhüte. Plath braucht beides nicht. Er greift beherzt mit blanker Hand ins Getümmel. Wurde er noch nie gestochen? „Doch schon oft, ist aber alles halb so schlimm“, lacht er. Außerdem müsse man wissen, wann man am Bienenstock arbeitet. „Morgens sind die Tiere gar nicht aggressiv.“ Nur abends bei hereinbrechender Dunkelheit müsse man vorsichtig sein. „Die Wächterbienen warnen nicht, sie stechen gleich.“
Seit Beginn des Frühlings sind die Arbeitsbienen unterwegs, bestäuben Blüten und bekommen quasi zur Belohnung den Nektar der Pflanze. Denn die könnte sich ohne die Botendienste der Bienen nicht vermehren. Uwe Plath berichtet, dass viele Bauern Bestäubungsprämien an Imker zahlen, wenn sie ihre Völker auf deren Rapsfeld oder in ihre Obstplantagen schicken. „Ihnen sind deutlich höhere Ernteerträge gewiss.“
Dem Nektar entziehen die Bienen Wasser, reichern ihn mit speziellen Sekreten an und lagern ihn in den Waben. Außerdem füttern sie ihre gefräßige Königin. Dafür legt Majestät unermüdlich Eier – bis zu 1800 Stück am Tag. Im Juli wird der Honig dann in Spezial-Bottichen aus den prall gefüllten Waben herausgeschleudert, immer wieder gerührt, damit der cremig bleibt und abgefüllt: bis zu 30 Kilogramm Düsseldorfer Blütenhonig von feinster Qualität sind dem Imker sicher.
Vom Mieter zum Eigentümer
Mit der Ernte reift auch die Entscheidung: Der Mieter kann zum Eigentümer aufrücken. Und viele, die erst mal eigenen Honig geschleckt haben, übernehmen ihr Bienenvolk auf Dauer. Zumal sie dann längst erfahren haben, welche Kräfte sie mit dem Genuss löffeln: Honig soll den Blutdruck senken, Konzentration fördern und Nerven stärken. Honigverbände lassen außerdem Wunden schneller heilen. Die Griechen glaubten, dass die Götter dem „flüssigen Gold“ ihre Unsterblichkeit verdanken. Und Cleopatra schätzte Honig als Schönheitsmittel. Uwe Plath erklärt seine Faszination so: „Bienen sind die einzigen Lebewesen, die nichts vernichten, sondern etwas Einzigartiges schaffen.“
0mitdiskutieren