Im Zentrum Puls können Jugendliche sein, wie sie wollen

Julia Bachmann und Aykan Bacaksoy vom Jugendzentrum Puls stellen ihre Arbeit vor.
Julia Bachmann und Aykan Bacaksoy vom Jugendzentrum Puls stellen ihre Arbeit vor.
Foto: Hans-Jürgen Bauer
Was wir bereits wissen
Die Einrichtung an der Corneliusstraße in Düsseldorf bietet schwul-lesbische Jugendarbeit.

Düsseldorf..  Medhi (Name geändert) sitzt im Rollstuhl, seine Familie kommt aus Marokko – und er ist schwul. Das sind gleich drei Faktoren, die ihn immer wieder Diskriminierungen haben erfahren lassen. Aber Medhi ist ein fröhlicher Junge; er lacht, als er am Donnerstagabend im Puls, dem schwul-lesbischen Jugendzentrum an der Corneliusstraße, ist. Dort hat er Freunde gefunden, hat Spaß und Freude, geht mit ihnen sogar tanzen. „Hier kann ich sein wie ich bin“, sagt der Junge. Ein wuchtiger Satz, der offenlegt, dass Medhi gerade nicht überall so sein kann, wie er ist.

Es ist der grüne Bürgermeister Günter Karen-Jungen, der dem Puls an diesem Tag einen Besuch abstattet. Von der Leiterin Jana Hansjürgen lässt er sich die Räume sehr genau zeigen, schaut sich alles exakt an. Karen-Jungen hört interssiert zu, stellt hier und da einzelne Nachfragen. Karen-Jungens Kampf gegen Diskriminierung hat früh begonnen. Als studierter Sozialarbeiter hat der 70-Jährige schon etliche Einrichtungen kreiert. Nun wollte er das Puls kennen lernen.

Im letzten Raum, den Hansjürgen dem Bürgermeister zeigt, sagt sie: „Wir sind total glücklich hier“. Und der Besucher aus der Politik entgegnet: „Ich höre das.“ Denn tatsächlich zeigt die Leiterin das Jugendzentrum mit solch einem Herzblut, dass dieser Satz gar keiner Erwähnung bedurfte, um ihren Gemütszustand zu erkennen. Die Küche, in der die jugendlichen Besucher zwischen etwa 14 und 26 sich Essen machen, sei chaotisch, sagt sie. Dabei liegen nur ein paar Deckel herum. Es gibt eine „Abhäng- und Chillecke“, einen Beratungsraum, eine Bibliothek, eine Bar, einen Kicker, Tische – alles liebevoll und warm von den Jugendlichen selbst eingerichtet.

An einem gewöhnlichen Donnerstag kommen etwa 40 bis 60 Jugendliche ins Puls. Sie sind schwul, lesbisch, bisexuell oder transsexuell. Willkommen sind aber auch Freunde. „Wir diskriminieren ja nicht“, sagt Hansjürgen mit einem Augenzwinkern. Die Mädchen und Jungen diskutieren dann miteinander, sprechen über ihre Probleme, aber machen auch Spiele, basteln, kickern. Außerdem sind sie politisch aktiv. Auf einem der größeren Tische liegen gerade ein paar Fahnen, die noch bemalt werden. Sie sind für die nächste Anti-„Dügida“-Demo.

Günter Karen-Jungen sitzt nun, nach dem Rundgang durch das Puls, auf dem Sofa. Die Jugendlichen haben sich Fragen für ihn überlegt und sie sorgfältig auf Zettel ausgedruckt. Unbeeindruckt vom vorgesehenen Protokoll sucht der Bürgermeister rasch das diskrete Gespräch mit seinen Nachbarn. Er ist interessiert, will wissen, wie das so ist, in Düsseldorf als Jugendlicher homosexuell zu sein. Ein Junge, der erst vor kurzem aus Baden-Württemberg in die Landeshauptstadt kam, sagt: „Das ist hier schon offener.“ Andere erzählen von Beleidigungen, Ausgrenzungen, die auch an der Tagesordnung seien.

Auf viele Dinge muss Karen-Jungen antworten. Wie er das Verbot einer echten gleichgestellten Ehe zwischen Homosexuellen finde, will einer wissen. Eine andere, was er denn von „Dügida“ halte. Wenig überraschend sind sich die Jugendlichen und der grüne Bürgermeister in fast allem einig. Vielleicht sollte das Puls die Fragerunde noch einmal wiederholen. Dann mit einem Politiker anderer Couleur.