Im Namen des Dichters
16.09.2011 | 18:53 Uhr 2011-09-16T18:53:00+0200
Düsseldorf.Friederike Mayröcker wäre gern gekommen. Aber dann war der 87-jährigen Grande Dame der Literatur die Anfahrt aus Wien zu beschwerlich. Aber mitwirken wollte sie doch, bei den ersten Poesietagen der Heine-Stadt. Und so stiftete sie das Motto für das Dichtertreffen. „Also war mir als flöge eine weiße Taube vorüber“ steht nun als Zitat über der Premiere am kommenden Wochenende. Vom 23. bis 25. September empfängt das Heine Haus Dichter, Denker und Poeten. Neben Durs Grünbein und Cees Nooteboom kommt auch der literarische Nachwuchs zu Worte.
Eine Rose für Heine
Fünf Jahre wird der Literaturtreffpunkt im Geburtshauses des Dichters und hat sich prächtig etabliert. Auch gestern lobte Friedrich Springorum vom Förderverein das Engagement der Doppelspitze Rudolf Müller und Selinde Böhm. „Ein Haus mit dieser Qualität ist vermutlich in Deutschland kein zweites Mal zu finden. Das ist eine Bereicherung für die Stadt.“ Eine Meinung, die die übrigen Kulturschaffenden teilen. So sprechen Schauspielhausintendant Staffan Valdemar Holm und Opernintendant Christoph Meyer zum Beginn der Poesietage, hat auch Beat Wismer, Chef im Museum Kunstpalast, als Moderator einer Lesung zugesagt.
„Die Lyrik ist die Königsdisziplin der Literatur“, sagte Rudolf Müller. Und welcher Ort eignete sich besser für ein Dichterfest als das Heine-Geburtshaus? Seit der Eröffnung habe sie das Festival geplant, ergänzte Böhm. Gern würde sie das Lesewochenende künftig fest im Stadtprogramm verankern. Für die Premiere sind nun Sponsoren plus Mittel zusammen, und die Gäste kommen gern. Darunter Stars und Newcomer. Die Allerjüngsten finden am Sonntag in der Oper eine Bühne. Wieder eine Vernetzung. In der vorigen Saison gab sich das Opernstudio im Heine Haus die Ehre, diesmal lesen Düsseldorfs Nachwuchs-Heines im Rangfoyer. 30 Kinder präsentieren eigene Werke, eine Kostprobe gab’s schon gestern. So machte sich Alina, 11, lebenskluge Gedanken zum Thema Liebeskummer. „Liebeskummer geht nie vorbei. Aber Menschen kommen und gehen.“
Ein „konzentriertes Panorama“ versprach Norbert Wehr, Autor und „Schreibheft“-Herausgeber. Während bei der Eröffnung am Freitag Esther Kinsky, Durs Grünbein und Lutz Seiler aus Werken vortragen, haben am Samstag Oswald Egger und Barbara Köhler zugesagt. Bereis am Nachmittag beginnt eine Hommage an zwei verstorbene Literaten. Durs Grünbein liest Gedichte von Thomas Kling, Maleen Brinkmann Werke ihres verstorbenen Mannes Rolf Dieter Brinkmann.
Zu Brinkmann hatte Wehr eine Anekdote parat. Wohin, fragte man ihn als 15-Jährigen in der Schule, möchtest du am liebsten reisen? Für Brinkmann war die Sache klar. „Ich möchte nach Paris und am Grab von Heine eine rote Rose niederlegen.“
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