Im Namen der Bohne
24.10.2007 | 20:21 Uhr 2007-10-24T20:21:22+0200HEINE HAUS. Am Samstag eröffnet das Literaturcafe? - mit gut einem Jahr Verspätung. Professor Werner Spies gibt seinen Segen.
Ein Cafe? wird kommen. Ein alltäglicher Akt? Nicht die Bohne! Mit mehr als einem Jahr Verspätung eröffnet am Samstag, 15 Uhr, tatsächlich das lange angekündigte Cafe? im Heine haus, ziert die Literatur endlich doch noch eine Milchschaum-Krone. Absurde Stolpersteine (die NRZ berichtete) mussten die Buchhändler Selinde Böhm und Rudolf Müller bislang überwinden: Die Müllentsorgung geht jetzt unterirdische Wege, statt befürchteter Fahrradboxen erfreut ein Kunstwerk von Sprayer Harald Naegeli im schmalen Innenhof das Auge. Und weil wegen der diversen Querelen potentielle Cafe?-Pächter abgesprungen waren, übernimmt Selinde Böhm jetzt selbst die Betreiberinnen-Rolle.
"Wie laut darf's denn sein?" Diese Frage ist allerdings im städtischen Zuspiel zwischen Immobilien-Management, Bau- und Kulturamt in puncto Heine Haus-Konzeption immer noch nicht geklärt - obschon der Schallschutz zur Einweihung des neuen Düsseldorfer Literaturzentrums vor eindreiviertel Jahren bereits abgenommen worden war. Was tun, wenn der Applaus für die voraussichtlich launigen Eröffnungsworte von Kunst-Professor Werner Spies am Samstag so richtig üppig ausfällt?
Eigentlich wollte das Duo Müller/Böhm das Cafe? erst eröffnen, wenn in Sachen "Lärm" klare Richtlinien feststehen. Aber: Längst ist das Heine Haus mit seinem literaturträchtigen (Buchhandlungs-)Entree und 50 hochkarätigen Lesungen pro Jahr eine etablierte Adresse. Und nicht nur Kunden, auch die Autoren, berichten Selinde Böhm und Rudolf Müller unisono, seien begeistert vom Haus und seinem lichten Veranstaltungs-Saal unter dem Glasdach. Selbst der Philosoph (und gebürtige Düsseldorfer) Jürgen Habermas, sei so angetan, dass er im nächsten Jahr kommen will...
Historischer Ort, aktueller Stoff
Es dürstet also auch nach dem Cafe?, weil es ein wichtiger Kommunikationsraum ist. Kaffee trinken kann der Bohnenfreund zwar mittlerweile inflationär an jeder Ecke in der Stadt. Aber das Literaturcafe? an der Bolkerstraße 53 hat den besonderen Geist zu bieten: Zunächst sitzt der Besucher an historischem Ort - eben in jenem "Hinterhaus", in dem am 13. Dezember 1797 Heinrich Heine geboren wurde. Eine kleine Präsenzbibliothek wird Werke des Dichters ebenso enthalten wie Neuerscheinungen der Nachgeborenen als Appetizer. Auch ausgelegte Literaturzeitschriften oder philosophische Journale wie "Der blaue Reiter" bieten dem Gast erhellenden Lesestoff. Lesend vertiefen kann sich der Cafe?-Besucher ebenfalls an der Wand. Andreas Gursky, der zu den prominenten Freunden des Hauses zählt, hat dort als Leihgabe seine fotografische Auseinandersetzung mit Musils "Mann ohne Eigenschaften" hinterlassen.
Die klare Strenge des (multifunktionalen) Raumes wird das parallel zur Buchandlung (10- 19 Uhr) geöffnete Cafe? auch künftig behalten. Kleine Speisen, Kuchen, Kaffee, Wein und Co. soll es zu "vernüftigen Preisen" geben. Und wem die Poesie eine süße Sünde wert ist, der kann sich handgeschöpfte Literatur-Schokolade auf der Zunge zergehen lassen, zu lyrischen (Verpackungs-)Zeilen von Heine, Rilke oder Walt Whitman.
Eröffnung: Samstag, 27. Oktober, 15 Uhr, Grußwort von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, der auch Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung des Heine Hauses ist, die Rede hält Professor Werner Spies. Tel: 311 25 22, Infos: muellerundboehm@heinehaus.de
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