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Im Kino: Gediegener Salon-Snobismus

14.04.2010 | 21:17 Uhr
Im Kino: Gediegener Salon-Snobismus

Donnerstag ist Kinotag. Auch in Düsseldorf laufen heute die neuen Filme an. Im aktuellen Programm geht es um einen bildschönen ausstrahlungsfreien Dorian Gray, außerdem um eine Paartherapie in der Unterwelt und um ein Jugendprojekt zur Resozialisierung.

Sin Nombre

Titel paradox: Mit seinem Kinoerstling hat sich Cary Joji Fukunaga gleich auf mehreren Indie-Festivals einen Namen gemacht. Der US-Amerikaner verbindet mit seiner Gangster-Romanze die schonungslose Gewalt eines „City of God“ mit der berührenden Menschlichkeit von „Centro do Brasil“ und findet sich damit in bester Cineasten-Gesellschaft südamerikanischer Kollegen wie Walter Salles, Alfonso Cuaron oder Fernando Mereilles.

Erzählt wird die Geschichte des 18-jährigen Gangsters El Casper, der Mitglied der Mara Salvatrucha, der berüchtigten Mexiko-Mafia, ist. Gegen die Regeln des Clans hat er heimlich eine Freundin. Als sein Boss Lil´Mago davon erfährt, tötet er das Mädchen. Bei einem Zugüberfall tötet El Casper Lil´Mago, um ein Flüchtlingsmädchen aus Honduras zu schützen. Mit ihr flieht er vor dem langen Arm der mächtigen Mara quer durchs Land auf den Dächern von Güterwaggons. Überzeugende Mischung aus (Rail)Road Movie und verhaltener Love Story mit eindrucksvollen Bildern. (Vorpremiere am 19. April, 20 Uhr, im Cinema)


Das Bildnis des Dorian Gray

Patina mit Made. Der dekadenten Hoffnung auf ewige Jugend zeichnete Oscar Wilde in seinem Roman aus dem Jahr 1890 eine hässliche Fratze ins makellose Antlitz. Seither ist die Geschichte vom ewigen Jüngling Menetekel der hemmungslosen Genusssucht: Während sich der bildschöne Dorian Gray allen leiblichen Versuchungen hingibt, zeigt nur sein verborgenes Porträt die Spuren von Alter und Missbrauch. Der hedonistische Rausch mündet schließlich in Einsamkeit und Selbstzerstörung.

Oliver Parker verlegt sich in seiner dritten Wilde-Adaptation (nach „Ernst sein ist alles“ und „Ein perfekter Ehemann“) ganz auf viktorianischen Salon-Snobismus mit ein wenig Ripper-Thrill und erotischen Arabesken vor gediegenem Ausstattungsgrusel. Die blasse Inszenierung mit einem ausstrahlungsfreien Ben Barnes in der Titelrolle kann freilich auch moderner Computertrick mit dubiosen Horroreffekten nicht beleben. (Arthouse im Ufa-Palast Hbf., UCI Hafen, Cinestar Oberkassel)


Date Night – Gangster für eine Nacht

Paartherapie in der Unterwelt: Das Rezept für eine dauerhaft glückliche Ehe liegt bei Phil und Claire in ihrer regelmäßigen Date Night: einmal in der Woche gehen sie ohne Kinder aus. Dennoch schleicht sich der Alltag auch in dieses Refugium der Zweisamkeit, fast wären sie zu müde für ihr Ritual. Doch da durchzuckt Phil (Steve Carell) der alte Kampfgeist: auf’s Gratewohl will er Claire (Tina Fey) in Manhattans angesagtestes Restaurant führen. Statt auf monatelange Tischbestellung setzt er auf Glück und Chuzpe. Sie ergattern einen freigebliebenen Platz, der auf den Namen Tripplehorn gebucht wurde. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Zwei Gangster entführen die beiden, denn der Tisch war als Übergabeort für einen USB-Stick mit brisanten Daten geplant. Bald müssen die „Tripplehorns“ entdecken, dass sie in eine komplizierte Affäre geraten sind, bei der auch die Polizei kein Freund und Helfer ist. Die biederen Vorstadtbürger in den finsteren Abgründen der Großstadt liefern sich eine haarsträubende Verfolgungsjagd, bei der sie gegenseitig verborgene Talente, kleine Geheimnisse und vor allem die Leidenschaft für einander entdecken. Turbulente Mainstream-Komödie, die trotz einiger Highlights wenig Originelles bietet. (Ufa-Palast Hbf., UCI Hafen, Cinestar Oberkassel)

Friedensschlag

Es beginnt da, wo es enden könnte: Der jugendliche Straftäter Eftal soll in der Acht-Quadratmeter-Zelle eines Gefängnisses Maß nehmen für seine Zukunft. Dies ist die erste Station des „Work & Box“-Projektes, das sich mit einem besonderen Konzept um junge Gewalttäter kümmert. In einer Kombination aus Boxtraining, Arbeit, Nachhilfe und Therapie sollen sie wieder „gesellschaftsfähig“ gemacht werden, letztlich sich selbst annehmen lernen. Die Filmdokumentation von Gerardo Milsztein porträtiert das Projekt und lässt fünf Teilnehmer freimütig zu Wort kommen. (Bambi)


Vorsicht, Sehnsucht

Mit bald 88 Jahren und einer 55-jährigen Kino-Karriere bleibt sich Altmeister Alain Resnais mit seiner dezenten, bisweilen grotesken Suche nach dem Glück treu. Wie in „Smoking/No Smoking“ erzählt er eine Liebesgeschichte mit zwei Varianten und etlichen Kapriolen.

Marguerite Muir (Sabine Azéma) ist nicht mehr die Jüngste, die Liebe hat sie längst für einige Schrullen aufgegeben. Die erfolgreiche Zahnärztin sublimiert die Herzenslust mit Schuhkäufen und ihrem Hobby, der Fliegerei. Eines Tages wird ihr beim Schuhkauf die Handtasche gestohlen, ohne Geld und Papiere fehlt ihr plötzlich der gewohnte Kokon. Die gefledderte Handtasche findet schließlich der Ruheständler George (André Dussollier) mit ihrem Pilotenschein darin. Das Interesse des etwas komplizierten Luftfahrtfans ist geweckt, doch die Rückgabe erweist sich als alles andere als geglückt. Die Wunderlichkeiten verhindern das Wunder der Liebe und eines konventionellen Happy Endings. (Vorpremiere am 20. April, 19 Uhr, im Metropol (frz. OmU)


Cop Out – Geladen und entsichert

In den seligen 80er Jahren, da hagelte es in den Buddy-Filmen wie „Nur 48 Stunden“ und „Beverly Hills Cop“ nicht nur Blaue Bohnen sondern auch jede Menge cooler Sprüche. Und Bruce Willis schlug sich im wahrsten Sinne des Wortes durch bis zur Spitze der Action Helden. Nun hat sich Kevin Smith („Clerks“) an eine augenzwinkernde Hommage an das Genre gemacht, in der sich Hau-drauf-Veteran Bruce Willis selbst ein wenig auf die Schippe nehmen kann.

Die zwei New Yorker Detectives Jimmy und Paul (Tracy Morgan) haben genug eigene Probleme, da haben ihnen Kriminelle grade noch gefehlt. Jimmy will seiner Tochter eine opulente Hochzeit spendieren und muss dafür eine kostbare Baseballkarte opfern. Partner Paul hat den hartnäckigen Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt. Wegen einer Schießerei frisch suspendiert, geht die seltene Sammelkarte auch noch bei einem Raubüberfall verloren. Es beginnt eine nervenaufreibende Jagd auf einen üblen mexikanischen Drogenhändler. (UFA-Palast Hbf., UCI Hafen, Cinestar Oberkassel

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