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Schulpolitik

„Ich will den Krach nicht“

22.07.2010 | 11:35 Uhr
„Ich will den Krach nicht“
Wolfgang Scheffler (Bündnis 90/ Grüne) äußert am 21. Juli 2010 bei dem Gespräch in der NRZ - Lokalredaktion Düsseldorf seine Meinung über die Schulpolitik in Düsseldorf. Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf.Rot-grüne Schulreformen in Nordrhein-Westfalen werden in Düsseldorf nicht zu Turbulenzen führen. So sieht es der Vorsitzende des Schulausschusses, Grünen-Ratsherr Wolfgang Scheffler.

Im Gespräch mit der NRZ verwies er auf die konservative Mehrheit im Rathaus.

Er glaubt weder an die Einführung der sechsjährigen Grundschulzeit („im Moment nicht“) noch an die Zusammenlegung bestehender Haupt- und Realschulen zur Gemeinschaftsschule. Wo Reformen vor kurzem eingeführt wurden wie die verkürzte Gymnasialzeit (G8), dürfe man Lehrer und Schüler „jetzt nicht wieder neu ohrfeigen“. Scheffler, 65, langjähriger Lehrer am Lessing-Gymnasium: „Ich will den Krach nicht.“

Den entscheidenden Vorteil der kommenden NRW-Reformen unter Federführung der grünen Schulministerin Sylvia Löhrmann sieht der Düsseldorfer Schulpraktiker in dem politischen Verständnis, dass Entscheidungen auf die Vor-Ort-Ebene verlagert werden sollen. Alle Parteien seien dafür, dass sich Stadt und Schulkonferenzen mehr einmischen könnten und mehr Freiheiten bekämen.

Keine neue Gesamtschule

Scheffler: „Eine Stadt wie Düsseldorf, die ihre Schulen gut ausgerüstet hat, muss auch die Möglichkeit bekommen, dass die Lehrerstellen besetzt werden. Die Stadt sollte für sich mehr Werbung machen - andere tun das auch.“

Stadt und Schulkonferenzen müssten eine echte Auswahl unter Lehrern treffen können. „Die Bezirksregierung war da immer die Bremse.“ Das dort betriebene (oft intransparente) Auswahlverfahren habe unter anderem dazu geführt, dass Schulleiter zugewiesen werden, auch wenn sie zum speziellen Profil einer Schule nicht passen würden. Vehement spricht sich Lehrer Scheffler für Entscheidungen vor Ort aus: „Wenn das Land NRW das durchhält, ist es gut.“

„Sinnvoll“ sei die Schaffung eines neuen Gymnasiums mit alter neunjähriger Laufzeit (G9, siehe nebenstehenden Artikel). An die Einrichtung einer neuen Gesamtschule, für die großer Bedarf bestünde, glaubt der Grünen-Politiker nicht: „Auch das wäre sinnvoll, aber ich sehe es nicht.“ Die Mehrheitsparteien CDU und FDP hatten in dieser Frage in den letzten Monaten Pirouetten gedreht, FDP-Landtags-Spitzenkandidat Robert Orth sich sogar für eine neue Gesamtschule in Düsseldorf ausgesprochen - dem Elternwillen entsprechend. „Das war Wahlkampf, das Thema ist jetzt tot“, da ist sich Wolfgang Scheffler sicher.

Für alle Reformen, die mit Rot-Grün theoretisch möglich werden, „muss erstmal eine passende Schule in der Stadt gefunden werden“, sagt der Vorsitzende des Schulausschusses. „Das muss dann passen, das müssen Vorbilder werden.“ Dies gelte auch für das gemeinsame Lernen von Be-hinderten und Nichtbehinderten, die „Inklusion“.

Was kann man von Hamburg lernen, dem Volksentscheid gegen sechs Jahre Grundschule? „Der Hamburger Senat hat sich überschätzt und handwerkliche Fehler gemacht.“ Aber die echten Hamburger Reformen „wurden unter Wert verkauft, etwa kleinere Klassen mit 23 Schülern und 19 in sozialen Brennpunkten. Das sind ideale Zahlen, denen ich mich sofort anschließen kann. Wir müssen runter von den Klassen mit 30 Schülern!“

Weniger Hauptschulen

Scheffler rechnet mit weniger Haupt- und Realschulen. Er findet, „wir müssen was Neues im Bereich Realschulen und Gymnasien machen“. Handicap sei dabei die hemmende „Kultur der Trennung“ im althergebrachten NRW-Schulsystem.

Die wird auch wohl wieder dazu führen, dass Hunderte Eltern demnächst vor den Gesamtschulen stehen - und ihre Sprösslinge nicht reingelassen werden.

Dieter Schneider

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