Das aktuelle Wetter Düsseldorf 10°C
Prozess

„Ich schneide dir die Kehle durch!“

18.01.2013 | 06:00 Uhr
„Ich schneide dir die Kehle durch!“

Düsseldorf. Angst vor dem Gefängnis habe ihn zu der kopflosen Tat getrieben, erklärte der Angeklagte (41). Doch sie brachte ihn genau dorthin. Denn er hat einer Frau (59), die am Schwanenmarkt eingeparkte, den Autoschlüssel abgenommen, war mit ihrem Wagen losgefahren und hatte einen Fußgänger (36) in die Luft geschleudert. Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen räuberischer Erpressung und Straßenverkehrsgefährdung zu drei Jahren Haft.

„Ich dachte, der Mann wäre tot“, sagte die 59-Jährige. Dem 36-Jährigen ist aber fast nichts passiert: „Ich dachte schon, dass es meine letzten Sekunden waren“, berichtete er. Als er sich dann lebend auf der Straße wiederfand, „war ich positiv überrascht“. Ihn rettete wohl, dass er sich auf die Motorhaube fallen ließ: „Ich dachte, besser drauf als drunter“. Er fiel seitlich herab, erlitt Schürfwunden und leichte Prellungen.

Die Autobesitzerin hat der Vorfall stärker mitgenommen. Wegen des Schocks war sie vier Wochen krank geschrieben, wurde noch Monate von der Ambulanz für Gewaltopfer betreut. Mit zitternder Stimme berichtete sie: Sie war eben aus ihrem Mazda gestiegen, als der Mann auf sie zukam, den Autoschlüssel forderte. Als sie sich weigerte, fasste er an ihren Hals, stand plötzlich hinter hier und drohte: „Die Schlüssel oder ich schneide dir die Kehle durch!“ Da gab sie ihm die Schlüssel. Der Mann stieg in den Wagen, sie bat den 36-Jährigen um Hilfe: „Jemand klaut mein Auto!“ Er griff zum Handy, rief die Polizei. Da schoss der Wagen in einer Kurve auf ihn zu, erwischte ihn und blieb dann mit Totalschaden vor einem Poller stehen.

Der Verteidiger erklärte, sein drogenabhängiger Mandant habe damals erfahren, dass er in Haft muss, sich vor dem Entzug gefürchtet. „Es war eine Kurzschlussreaktion“, bestätigte der Angeklagte. „Ich wollte einfach nur flüchten.“ Den 36-Jährigen habe er nicht gesehen. Fahrkenntnisse hat er keine. Er entschuldigte sich bei den Opfern: „Ich hab’ das nicht gewollt. Es tut mir so leid. Ich bin froh, dass Ihnen nicht mehr passiert ist.“ Er hat viele Vorstrafen wegen Drogendelikten und Diebstählen. Das Gericht glaubte ihm, dass er niemanden verletzen wollte: „Er war von seinem Tatplan überfordert“, so der Vorsitzende Richter.

Katharina Rüth



Kommentare
Aus dem Ressort
Familie Erwin greift Düsseldorfs OB Geisel an
Erwin Platz
Peinliche Diskussion um eine Platzbenennung nach dem ehemaligen Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin. Thomas Geisel rief am Freitag die Ampel-Partner zur Krisensitzung ein.
Die Stunde der Einbrecher
Kriminalität
Die Zeitumstellung geht vielen Menschen auf die Nerven, doch die frühe Dunkelheit birgt sogar Gefahren. Die Düsseldorfer Polizei warnt: Mit der frühen Dämmerung steigt auch die Zahl der Delikte.
Düsseldorfer Betriebsrat verliert die Geduld mit Daimler
Sprinterwerk
Sollte der Daimler-Vorstand nicht bald signalisieren, dass er die im Düsseldorfer Sprinterwerk wegfallenden Arbeitsplätze kompensieren will, droht der Betriebsrat mit erneuten Protesten. Und die dürften deutlich härter ausfallen als die ersten Kundgebungen Ende September.
Stadt verteilt Brennholz an Düsseldorfer Bürger
Sturmtief-Ela
30 000 Bäume hatte das Sturmtief Ela in der Landeshauptstadt auf dem Gewissen. Doch das tote Holz ist keineswegs ein Abfallprodukt. 1000 Kubikmeter Brennholz verteilte die Stadt am Freitag an Düsseldorfer Bürger. Preis: eine beliebig hohe Spende. So standen die Menschen Schlange vor dem Aquapark,...
Kreativ im Kollektiv
Musik
Die Düsseldorfer Band Colektivo vereint Deutschrap mit lateinamerikanischen Klängen. Ihren Klang haben die Musiker über die Jahre präzisiert und vor allem auf Bühnen an Rhein und Ruhr präsentiert.
Fotos und Videos
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Bierpreise in Bundesliga und Region
Bildgalerie
Bierpreise
Meisterschaft der Bodypainter
Bildgalerie
Körperbemalung