„Ich pfeife auf die Banken“

Eine Demonstrantinwährend die griechische Flagge mit der Aufschrift "OXI" hoch.
Eine Demonstrantinwährend die griechische Flagge mit der Aufschrift "OXI" hoch.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Referendum: Wie Griechen in Düsseldorf über die Not in ihrer Heimat denken. „Wir brauchen keinen neuen Kredit, kein neues Geld, das wieder nur weiter in die Verschuldung führt.“

Düsseldorf..  Nach außen wirkt Michail Fragakis gut gelaunt. „Ganz schön kühl heute“, scherzt er, als ein Bekannter in der Mittagshitze am „Akropolis“ vorbeiläuft. Der Koch des Restaurants in Stadtmitte sitzt im Schatten und lacht. Dabei ist er mit seinen Gedanken in letzter Zeit häufig woanders – und dort ist es gar nicht lustig.

Symptome der Not

Mehr als zwei Drittel der Deutschen machen sich laut einer Studie des Forschungsinstituts Infratest dimap Sorgen um die Menschen in Griechenland, die am Sonntag in einem Referendum über eine mögliche Zukunft ihres Landes abstimmen konnten. Geschlossene Banken, Renten, die um die Hälfte gekürzt wurden, Medikamente, die knapp werden – „es ist längst nicht mehr nur ein politisches Problem, sondern auch ein humanitäres“, sagt Fragakis. Auch er macht sich Sorgen, wie es weitergeht – „wie jeder Grieche in Europa – ganz gleich, wie die Abstimmung ausgeht“.

„Wir brauchen keinen neuen Kredit, kein neues Geld, das wieder nur weiter in die Verschuldung führt“, meint er, jetzt wild gestikulierend. „Was wir brauchen, ist eine andere Art der Unterstützung, die die Wirtschaft wieder hochbringt.“ Man solle investieren, Fabriken bauen, nicht das Geld erneut in die Banken stecken. „Ich pfeife auf die Banken“, sagt Fragakis.

Auch Vasilios, sein Vater Deutscher, die Mutter Griechin, weiß aus Erzählungen von Verwandten, dass die vielen Millionen aus den Krediten nicht bei den Leuten ankommen. Er selbst ist geschäftlich oft im Heimatland seiner Mutter und hat beobachtet: Viele Griechen sind inzwischen wieder dazu übergegangen, sich selbst zu versorgen. „Auf den Feldern sieht es eigentlich besser aus, als noch vor zehn Jahren“, sagt er, wohl wissend, dass die Rückkehr zum eigenen Acker nur ein „Symptom der Not“ ist.

„Die Stimmung ist schon sehr bedrückt.“ Zudem seien die Griechen zwiegespalten, wem der Politiker sie überhaupt noch glauben können. Dass Vasilios zu Hause in Düsseldorf dann ab und an noch Sprüche zu hören bekommt wie „Na, Vasili, was macht ihr wieder da unten?“, macht die Situation nicht angenehmer. „Ich versuche dann immer die griechische Seite zu sehen“, sagt Vasilios, „meine Freunde eher die deutsche“. In Streit gerate man darüber aber nicht. „Man diskutiert.“

Diskussionen, die führt auch Joannis Vatalis. Als SPD-Ratsherr sowieso, aber in letzter Zeit verstärkt über die Hintergründe der griechischen Krise. „Vor drei Jahren haben die Leute noch viele Witze gemacht“, erinnert er sich, „die höre ich so heute nicht mehr.“ Stattdessen: mehr Zuspruch, mehr Solidaritätsbekundungen, mehr Nachfragen. Nun sind es eher die griechischen Freunde und Verwandten, die Vatalis Kontra geben. Minütlich verfolgt er derzeit die Lage, bleibt über Facebook in Kontakt - und sagt auch schon mal seine Meinung. „Dann kommt von dort der Vorwurf ‘Du lebst ja gar nicht hier, du kannst das nicht einschätzen’“. Wäre Vatalis gestern in Griechenland gewesen, er hätte den Forderungen der Gläubiger zugestimmt.

Nette Worte sind wichtiger als Geld

„Akropolis“-Koch Fragakis hat die Tickets für den alljährlichen Sommerurlaub in der alten Heimat schon gebucht. Für das Referendum kommt zwar auch er zu spät, doch sein Ziel ist ohnehin ein anderes. „Ich möchte die Menschen dort unterstützen“, sagt er. „Allerdings nicht nur mit meinem Geld als Tourist, sondern vor allem mit ein paar netten Worten. Das ist wichtiger!“