„Ich befürchte das Schlimmste“
03.02.2011 | 19:26 Uhr 2011-02-03T19:26:00+0100
Beunruhigt schaut Abbas Ibrahim auf den Fernseher. Fast rund um die Uhr beschäftigt den 74-jährigen Deutsch-Ägypter das Geschehen in seinem Heimatland. Vor 50 Jahren kam er nach Deutschland, eigentlich nur, um sein Studium zum Maschinenbauingenieur abzuschließen, aber „mein Schicksal wollte, dass ich hier bleibe“, erklärt der Vorsitzende des Ägypten-Clubs in Düsseldorf, der seit 45 Jahren mit einer Deutschen verheiratet ist.
So wie er verfolgen viele der insgesamt 189 Ägypter (die Zahl ist seit mehr als zehn Jahren nahezu konstant), die in der Landeshauptstadt leben, die Ereignisse in Nordafrika. „Wenn es bald keine Beruhigung der Lage gibt, befürchte ich das Schlimmste“, betont Ibrahim. „In meiner Brust schlagen zwei Herzen, eins für Deutschland, eins für Ägypten.“ Als Vorsitzender des Düsseldorfer Ägypten-Clubs vertritt er 100 Mitglieder und setzt sich seit der Gründung des Vereins 1982 für einen kulturellen Austausch von Ägyptern und Deutschen ein. „Was in Ägypten passiert, tut mir auch aus der Ferne sehr weh.“
Neues Reiseziel
Er verfolgt die Nachrichten auf verschiedenen Sendern, um sich ein genaues Bild machen zu können, seit Tagen schläft er schlecht. Er sah immer wieder, wie die vielen Ägypter friedlich für die Demokratie demonstrierten und Mubarak mit Waffengewalt kontern ließ. Ibrahim: „Die Leute müssen sich beruhigen. Der Konflikt schadet der Wirtschaft, vor allem dem Tourismus.“ Und weiter: „Jetzt müssen sich die Ägypter zusammensetzen und reden. Man muss anfangen zu arbeiten, wenn man etwas verändern will. Ich hoffe und bete, dass die Lage nicht weiter eskaliert, sondern bald Frieden einkehrt. Ägypten darf nicht im Chaos versinken.“
Auch bei der koptisch-orthodoxen Kirche ist die Sorge groß. Pfarrer Boules Shehata lebt in der Angst um die Familien dort und das ägyptische Volk. Er fürchtet vor allem, dass die Regierung in die Hände von Islamisten fallen könnte. „Alles ist dort sehr undurchsichtig“, so Shehata. Jeden Abend rufen Mitglieder der in ganz NRW verstreuten Gemeinde bei ihm an, suchen Trost und Zuspruch. „Von hier aus können wir nur beten“, ergänzt seine Frau traurig.
Schwere Zeiten sind auch bei „Fox Travel Germany“ angebrochen, dem einzigen Unternehmen mit ägyptischem Besitzer, das in Düsseldorf bei der IHK registriert ist. Schließlich hat sich das Reisebüro mit Sitz an der Graf-Adolf-Straße und deutschen Mitarbeitern hauptsächlich auf die Vermittlung von Ägypten-Urlauben spezialisiert. Hier drohen herbe Einbußen.
Von den Unruhen ist, wie berichtet, auch die Metro betroffen. Am vergangenen Wochenende waren ihre beiden Großmärkte El Salam City in der Nähe von Kairo und in der etwa 50 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Qalioubaya überfallen, geplündert und teils in Brand gesetzt worden. In Ägypten hat die Metro 700 Mitarbeiter, die meisten davon sind Einheimische. Die europäischen Beschäftigten wurden mit ihren Familien ausgeflogen. Dabei handelt es sich nach Angaben eines Konzernsprechers um „etwa 20 bis 30 Personen“. Ein eigens gegründetes Krisenteam kümmere sich derzeit um die Sicherheit vor Ort.
Henkel hat ebenfalls zwei Standorte in Ägypten, allerdings im wesentlich sichereren Küstengebiet um Port Said. Hier sind 900 Mitarbeiter in der Waschmittelproduktion tätig. Den 20 europäischen Beschäftigten „ist angeboten worden, sie auszufliegen, was ein Teil von ihnen wahrgenommen hat“, sagte Henkelsprecher Wulf Klüppelholz. Pikant aber: Kürzlich erst hatte Henkel bei einem Gewinnspiel im Internet als Hauptpreis einen Ägypten-Urlaub ausgelobt. „Wir haben mit dem Gewinner Kontakt aufgenommen. Er darf sich jetzt ein anderes Reiseziel aussuchen“, so Klüppelholz.
Von Düsseldorf starteten gestern früh vier Flugzeuge Richtung Ägypten, um mehrere hundert Urlauber von Hurghada, Sharm El Sheikh und Luxor zurück zu holen. Zusätzliche Sonderflüge gab es nicht. In den Flugzeugen nach Düsseldorf saßen vor allem Reisende, die ihren Urlaub planmäßig beendet haben. Die nächste Maschine aus Kairo von Egypt Air wird heute erwartet. Der letzte Kairo-Flug am Dienstag war annulliert worden.
Derweil sinken die Preise für die Tickets rapide. War im Internet die günstigste Verbindung von Düsseldorf nach Ägypten gestern Vormittag noch für 143 Euro zu buchen, so sank der Kurs binnen weniger Stunden auf 103 Euro.
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Genau das ist das Problem Ägyptens: Die besser Gebildeten verlassen das Land, vorgeblich um zu studieren ud dann wieder in die Heimat zurück zu kehren. Meist gefördert mit deutschen Entwicklungshilfestipendien. Und bleiben dann hier weil es hier ja doch schöner ist und sich besser leben läßt. Statt in der Heimat für Arbeit und Wohlstand zu sorgen.