Hübsche Altstadtfassaden erwünscht

In einem Jahr wird man die Altstadt nicht wiedererkennen“, ist sich Stadtplaner Thomas Waters sicher. Für das Fassadenprogramm hat die Stadt ihren bisherigen Ansatz für Fördermittel auf 100 000 Euro verdoppelt. Nach der entsprechend geänderten Richtlinie soll dann die maximale Förderung von bisher 7500 Euro pro Objekt deutlich aufgestockt werden. Eines der ersten Sanierungs-Objekte ist die Franz-Boehm-Straße 1, deren Erdgeschoss die Stadtentwicklungsgesellschaft angemietet hat und das Schlager-Café beherbergt. „Hier wurden Schau- und Rollladenkästen abmontiert, die Putzfassade erneuert, historisierende Sprossenfenster eingesetzt und demnächst werden noch grüne Klappläden angebracht“, berichtet Laura Siebert, im Rathaus mit dem Gesamtprojekt Altstadtrevitalisierung betraut.

Nach einer Info-Veranstaltung Ostern 2014 sei das Interesse der Eigentümer an der Sanierung oder Wiederherstellung historischer Fassaden zunächst groß gewesen, dann aber hieß es: „Wir wollen erst einmal nachdenken“. Inzwischen sind fünf Objekte in dem Programm, darunter vier, die der Kölner Architekt Ulf Hamann als besonders förderwürdig eingestuft hatte. „Außer den 18 von ihm identifizierten kommen auch andere Objekte in Frage“, betont Waters. Die erhöhten Fördermittel sollen weitere Anreize für das Fassaden-Lifting schaffen. „Wir müssen noch mehr das Bewusstsein der Menschen für das Gesamtbild wecken, ihnen muss klar gemacht werden, dass durch schönere Fassaden ein Mehrwert für alle geschaffen wird“, so der Stadtplaner.

So wie die Biermanufaktur, die im Frühjahr im von der SEG gemieteten Objekt Turmstraße 19 öffne, sei das eine Attraktion, die genau den Zeitgeist treffe: von Hand gebrautes Bier in gemütlichem Ambiente.

Aber die Stadt blickt auch zurück: Nächste Woche wird das auf Stadtarchäologie spezialisierte Büro Strauß Fischer die Ergebnisse der Untersuchung über die historische Stadtentwicklung Monheims vorstellen. Sie geht unter anderem der Frage nach, ob das mittelalterliche Monheim befestigt war. Dafür hatte die Bauforscherin Dr. Maren Lüpnitz (Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur der TH Dortmund) den Schelmenturm und zahlreiche Altstadt-Keller auf etwaige Anschlüsse und Mauerreste hin untersucht. Auch die Quellen, auf die sich historische Abhandlungen stützen, wurden nochmals studiert. „Einige Hinweise interpretiert man heute möglicherweise anders“, so Waters. Anhand dieser Auswertungen soll festgelegt werden, wo Probegrabungen vorgenommen werden sollen. „Auch zur ursprünglichen Anlage von St. Gereon hat man neue Erkenntnisse gewonnen“, so Waters. Anlass für die Untersuchung war übrigens das Bronzemodell des mittelalterlichen Monheims, mit dem einst der Alte Markt möbliert werden soll. Waters: „Wir müssen schließlich festlegen, welche Entwicklung abgebildet wird“.

Am 4. Februar tagt im Ratssaal der zweite Workshop zur Platzgestaltung von Alter Markt und Kradepohl. „Die Planer haben die Vorschläge der Bürger eingearbeitet, etwa mehr Parkplätze am Kradepohl eingeplant und das Festzelt zum Schürefest berücksichtigt“, so Waters. Während er – anders als die Planer – den dortigen Brunnen lieber erhalten würde, erklärt er die Kugelahorne am Alten Markt, die einigen Büros die Sicht auf den Rhein nehmen, für verzichtbar. Je nachdem, wie sich die Bürger positionieren, wird die Stadt im Anschluss dem Rat einen Beschlussvorschlag für den zu realisierenden Entwurf machen.