Hotel mit legendärem Ruf

München, Amsterdam, Paris — Oberkassel! Maria Sonnenschein hat viel von der Welt gesehen und will so gar nicht in die Rolle einer Hotelbesitzerin passen. Keine Hotelausbildung, nicht mal einen Nebenjob in dieser Richtung hat die 60-Jährige vorzuweisen. Als viele andere Damen ihrer Zunft auf den verschiedenen Hotelschulen büffelten, bereiste die Stylistin die Welt. In Paris lernte sie ihren Mann kennen, kam nach Düsseldorf und sprang ins kalte Wasser. Heute leitet sie das Hotel Arosa in Oberkassel mit 32 Zimmern.

Jedes einzelne von ihnen ist individuell und erinnert an eine Reise oder eine Begegnung in ihrem Leben – wie das Hippie-Zimmer, das auch heute noch in Lila und Grün strahlt. „Die Maler haben sich damals geweigert, diese Farbkombination an die Wände zu kleistern. Am Ende habe ich mich aber doch durchgesetzt und alle waren begeistert“, erinnert sich Sonnenschein.

Selbst ist die Frau

Das Interieur des Hotels lebt von seiner Spontanität. Auf dem Sperrmüll fand die 60-Jährige ein Pokerspiel, das von Pin-Up-Girls geziert wurde. Wo eine durchschnittliche Hotelbesitzerin wohl nur die Nase gerümpft hätte, sah die Österreicherin ein Pin-Up-Zimmer. Die Homepage legte sie selbst an. „Natürlich hätten wir einen professionellen Webdesigner engagieren können, der uns mit Sicherheit eine tolle Seite erstellt hätte. So was passt aber einfach nicht zu uns.“

Diese Einstellung zeigt sich auch im Umgang mit den Mitarbeitern. Vor zwölf Jahren legte Sonnenschein los im Arosa und entfernte erst mal alle Schlösser. „Früher durften die Mitarbeiter nicht an die Kühlschränke, nicht an die Kaffeemaschine und mussten im Keller frühstücken.“ Heute sitzt das Team zusammen im Frühstücksraum. Wer Durst hat, geht zum Kühlschrank. Das Verhältnis innerhalb des Teams ist freundschaftlich und familiär. Die drei Söhne kommen aus dem Hotelfach, der Mann ebenfalls. Die Freundin des mittleren Sohnes sitzt hinter der Rezeption. „Die Gäste merken, ob sie es mit einem homogenen Team zu tun haben, oder ob die Stimmung schlecht ist.“

Das Hotel Arosa funktioniert nach einer einfachen Regel: „Ich will den Gästen genau das bieten, was ich mir auch wünsche, wenn ich ein Hotel besuche“, sagt Sonnenschein. Die Klientel ist bunt gemischt. Geschäftsleute, Touristen. Und ein Fürst. Ja, richtig gehört: Fürst von Sayn Wittgenstein ist Stammgast im Arosa.

Einen großen Teil seines fast schon legendären Rufs verdankt das Hotel einem Relikt aus der Vergangenheit, das von seiner heutigen Besitzerin nur noch „Dat Loch“ genannt wird. Gemeint ist die legendäre Arosa Bar, an die sich die ein oder anderen Düsseldorfer noch mit Freude erinnern. „Das soll der reinste Sündenpfuhl gewesen sein“, meint Sonnenschein.

Tatsächlich ranken sich um die Arosa Bar die verrücktesten Geschichten, von sexuellen Zusammenkünften auf den Barhockern, durchzechten Nächten und torkelnden Gästen auf den Hotelfluren. „So was wäre heute gar nicht mehr möglich. Die Leute scheinen damals aber einen riesigen Spaß in der Bar gehabt haben“, sagt die Hotel-Chefin.

Seit Jahren ist diese Institution in Oberkassel geschlossen, befindet sich noch immer in ihrem ursprünglichen Zustand. Am Wochenende wurde hier ein Geburtstag gefeiert, die Spiegel an den Wänden sind belegt. Es riecht nach abgestandenem Alkohol und Nostalgie. „Noch heute kommen immer wieder Menschen ins Hotel und fragen, ob es die Bar noch gibt, das scheint die Menschen nicht loszulassen.“ Hoffnung für alle Nostalgiker besteht allerdings! Sohn Fabian will „Dat Loch“ mit Cocktailkursen und Barabenden zu neuem Leben erwecken.

Inspiriert durch die Aura des Kellergewölbes ließ sich eine Besucherin auch schon zu etwas schlüpfrigen Aktionen hinreißen. „Unser Portier wird recht häufig mit der Bitte um ein Extra-Duschtuch auf das Zimmer gebeten und dann von der Dame nackt erwartet“, berichtet Sonnenschein.

Liebe gibt’s aber auch im Arosa: Im Frühstücksraum lernten sich eine Dame und ein Herr zweier unterschiedlicher Firmen kennen und lieben, bis letztlich die Hochzeitsglocken läuteten.