Horst Eckerts kleine Nacht-Lektüre
27.09.2010 | 18:47 Uhr 2010-09-27T18:47:00+0200
Krimis leben nicht von Mord allein. Geld oder gar das Leben zu verlieren, das ist die faktische Seite des Verbrechens. Aber wie verändern Betrug, Bestechung, Erpressung und Co. die Menschen? An diesen Fragen, erklärte Horst Eckert gestern im Literaturbüro, sei er viel mehr interessiert.
Ohne deshalb gleich Psycho-Krimis zu schreiben, betonte der 51-Jährige. Schließlich können Etiketten ein Fluch sein. Obschon: Das Polit-Thriller-Label schmeichelt dem Autor durchaus...
Witz und Melancholie
In jedem Fall hat sich der Düsseldorfer Glauser-Preisträger fest dem Krimi verschrieben, „weil er das Versprechen in den Raum stellt, unterhaltsam und spannend zu sein. Grundsätzlich kann er aber alles, was Literatur sonst auch kann.“
Also auch kurz und gut sein? Nach zehn Kriminalromanen mit aktuellen lokalen wie bundesweiten Polit-Bezügen, zuletzt mit preisverdächtiger „Sprengkraft“, bekennt sich Eckert jetzt gleich zwölffach zur kurzen Form zwischen Paperback-Deckeln. In seinem Hausverlag, dem Dortmunder Grafit, sind soeben seine gesammelten Kleinformate erschienen. Die Hälfte hat Düsseldorf als Tatort, dennoch heißt der Band „Niederrhein-Blues“, vereint aber auch „andere Geschichten“. Einzeln wurden sie bereits in die Welt gesetzt. Als Eckert-Sammlung sollen die Stories jedoch erstmals geballt und zugespitzt die unterschiedlichen Temperamente des Autors anspielen: melancholisch bis tragisch, witzig bis satirisch.
So war Eckert etwa mit seinem ermittelnden Romanhelden Leo Köster aus der „Zwillingsfalle“ noch nicht fertig und hat die Geschichte des machohaften Mittdreißigers, der an Parkinson erkrankt ist, weitergedreht: „Der geniale Zetteltrick“. Auch mit dessen Kollegin Ela Bach gibt es ein Wiederlesen in „Ex und Hopp“. Ganz neu, weil bisher nur mündlich - bei einer Modenschau- vorgetragen, taucht Eckerts kurzer Crime „Abgehört“ im Band auf.
Romane, sagt der Spezialist für Polizeikrimis, seien zwar das „Aushängeschild“. Aber die Kurzgeschichte nehme er beim Schreiben genauso ernst, feile lange daran, bis die Pointe sitze. Als kleine Nacht-Lektüre vor dem Zubettgehen empfiehlt die Verlegerin Ulrike Rodi den in 4000-facher Auflage erschienenen „Niederrhein-Blues“ und weiß an Eckert grundsätzlich „seine Glaubwürdigkeit, die knappe, präzise Sprache, die Komplexität der Geschichten und die tagesnahen Probleme“ zu schätzen.
Die Krise schimmert durch
Klar, dass der Mann bereits am elften Roman sitzt. Aber so einfach fließe ihm das nicht aus der Feder, gestand der Autor gestern. Tief hatte er bereits in den Recherchen zur Finanz- und Wirtschaftskrise samt Hypo Real Estate gesteckt, schon einige Kapitel geschrieben - bis ihm der Bank-Chef als Mörder irgendwie nicht plausibel erschien. Er zog die Notbremse. Die Krise, erzählt er, schimmere jetzt nur noch ein bisschen durch. Hauptfigur sei wieder ein Polizist. Wie stets bei Eckert ein Mensch, den persönliche Gründe treiben, sich in diesen Fall besonders reinzuknien...
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