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Hilfe für Hauptschüler beim Start in den Beruf

17.09.2009 | 12:19 Uhr
Hilfe für Hauptschüler beim Start in den Beruf

Düsseldorf. Um den Übergang ins Berufsleben zu erleichtern, hat sich das Netzwerk "Pro Düsseldorfer Hauptschulen" gegründet. Bislang ist es ein einmaliges Modell im ganzen Land: Schüler der 9. Klassen stimmen mit der Vertragsunterzeichnung einem persönlichen Entwicklungsplan zu.

Für viele ist es der erste Vertrag ihres Lebens: die 930 Jungen und Mädchen, die jetzt die 9. Klasse der 14 Düsseldorfer Hauptschulen besuchen, stimmen mit ihrer Unterschrift einem ganz persönlichen Entwicklungsplan auf dem Weg ins Arbeitsleben zu. Die Vereinbarung wird mit dem soeben gegründeten Netzwerk „Pro Düsseldorfer Hauptschulen” geschlossen und begleitet die jungen Leute sogar noch im gesamten ersten Berufsjahr. Im Gegenzug müssen sie aktiv mitwirken und Regeln einhalten. Ziel der bundesweit einmaligen Modellaktion, die gerade startete: Jeder Hauptschüler bekommt eine Berufsausbildung.

Umworbener Nachwuchs

Florian hat eine „Fünf” in Mathe und will Elektroniker werden. Unmöglich? Nicht, wenn die Förderung früh genug beginnt. Und das ist nach der neuen Vereinbarung möglich, weil die Berufsberater bereits in die 9. Klassen kommen. Da können Stärken erkundet, Schwächen erkannt werden. Schüler lernen, ihre Fähigkeiten einzuschätzen und - wie Florian - mehr für Mathe zu pauken. „Wir nehmen jeden an die Hand”, verspricht Netzwerk-Partner Peter Jäger von der Agentur für Arbeit.

Das neu gegründete Netzwerk will Hauptschülern beim Start ins Berufsleben helfen. (Archivfoto: Sergej Lepke)

Schon jetzt wird die Hauptschule, einst als „Vorläufer für Hartz IV” verschrien, so umworben wie lange nicht mehr. „Wir brauchen die jungen Menschen in unseren Betrieben”, sagt Axel Fuhrmann, Geschäftsführer der Handwerkskammer. „Wir machen ihnen aber auch klar, dass sie den Hintern hoch kriegen müssen.”

Das neue Netzwerk wurde auf Initiative der Stadt und der Agentur für Arbeit von langer Hand vorbereitet. Gestern unterzeichneten alle Beteiligten die gemeinsame Erklärung. Mit im Boot sitzen Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, ARGE, Bezirksregierung und Unternehmerschaft. Alle verpflichten sich, den Übergang von der Hauptschule in die Ausbildung, die Qualifizierung oder Beschäftigung zu begleiten.

Beratungsgespräche mit dem Berufsberater

Praktisch sieht das so aus, dass jeder Schüler zwei Mal im Jahr ein Beratungsgespräch mit dem Berufsberater führt. Aber auch die Lehrer werden speziell geschult. Dabei geht es nicht nur um berufliche Orientierung, sondern auch um die Entwicklung der Persönlichkeit.

Der Vertrag, den die Schüler mit dem Netzwerk schließen, wird auch von den Eltern unterschrieben. Danach wird ein Entwicklungsplan aufgestellt, der passgenau alle Schritte zur Berufswahl, alle Kurse und Maßnahmen beschreibt. Alles wird dokumentiert und in einer Akte festgehalten. Die Schüler verpflichten sich, alle Hilfen und Förderungen regelmäßig und pünktlich anzunehmen.

Am liebsten würden die Netzwerker jedem Schulabgänger einen Ausbildungsplatz versprechen. „Das wäre aber unrealistisch”, sagt Axel Fuhrmann. Aber jeder werde individuell betreut und erhalte eine konkrete Chance.

Kampf um Auszubildende

Immer wieder gebe es Hinweise aus Industrie und Handwerk, wie wichtig ihnen die Hauptschüler seien, betonte Schuldezernent Burkhard Hintzsche. „Der Bedarf wird in den nächsten Jahren steigen”, bestätigte IHK-Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann: „Die Zahl der Bewerber geht zurück. Bald wird der Kampf um die Ausbildungskandidaten beginnen.”

Im Handwerk ist bereits die Hälfte aller Lehrstellen mit Hauptschülern besetzt. Auch die Schule selbst hat eine Aufwertung verdient. Axel Fuhrmann: „Wir glauben an die Hauptschule. Sie leistet wirklich gute Arbeit.”

Ursula Posny

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