Hier wird den Kunden der rote Teppich ausgerollt

Die Hauptstraße in Benrath zieht viele Kudnen an.
Die Hauptstraße in Benrath zieht viele Kudnen an.
Foto: Dirk Neubauer

Düsseldorf..  Die Zahl gefällt den 16 000 Benrathern – zumal sie im Auftrag der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf ermittelt wurde und über jeden Verdacht einer Schummelei erhaben ist: An einem Donnerstagmorgen waren auf der Benrather Hauptstraße 1365 Menschen unterwegs, mehr als auf der Königsallee im gleichen Zeitraum. Sven Schulte von der IHK sieht den Benrather Wochenmarkt als starkes Lockmittel „mal eben ins Dorf zu gehen“, wie die Anwohner sagen. Einzelhandelsfachleute sprechen von einem „Kundenfrequenzbringer“.

Doch das ist es nicht allein, was Benrath über Düsseldorfs Grenzen hinaus zum attraktiven Einkaufszentrum macht. Bei mehr als 120 Geschäften, verteilt auf rund 9000 Quadratmeter Verkaufsfläche, stimmt der Branchenmix. Viele Menschen kommen zum Bummeln, schlendern vorbei an Parfümerie und Computerhandel, an einer schicken Modefiliale und bleiben vor dem Schaufenster des Juweliers stehen und besuchen mal eben den Optiker, um sich eine neue Sonnenbrille auszusuchen. Zum Vergleich: Die Bilker Arcaden haben eine ähnliche Anzahl von Geschäften – aber keine gewachsenen Strukturen mit Ladenlokalen hinter Jugendstilfassaden.

Dafür müssen in Benrath bis zu 35 Euro pro Quadratmeter an Ladenmiete gezahlt werden – kein kleiner Wert, wie IHK-Mann Schulte weiß, aber eben der sicherste Gradmesser für die Attraktivität des Einkaufsstandortes Benrath. Doch die Konkurrenz ist groß. Mit Hilden, Langenfeld oder der Düsseldorfer Innenstadt gibt es zahlreiche Alternativen, sein Geld auszugeben. Renate Rönnau, Vorsitzende der „Aktionsgemeinschaft Benrath“, in der sich die Einzelhändler zusammengeschlossen haben, wird dennoch nicht bang um ihre Lage: „Wir haben kaum Leerstände. Die geschlossene und großzügige Fußgängerzone wirkt einladend. Zudem ist der Ortskern mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Bussen ebenso wie Bahnen – sehr gut zu erreichen, was den Standort besonders interessant macht.“

All diese Vorteile würde im fernen Düsseldorfer Rathaus viel zu wenig wahrgenommen, kritisierte Ulrich Ohm in einem Beitrag für das IHK-Magazin. Er führt die mehr als 90 Jahre alte Buchhandlung Dietsch am Nordende der Hauptstraße, organisiert regelmäßig Lesungen für seine Kunden und hat das landeshauptstädtische „über Benrath Hinwegsehen“ auf seine Art verarbeitet: In den von ihm aufgelegten Benrather Stadtplan nahm er Wersten, Hilden, Langenfeld und Monheim auf. Da kommt beinahe ein bayerisches „Mia-san-Mia“-Gefühl auf.

Zuviel Lokalpatriotismus allerdings kann sich kein Geschäftsmann leisten, bei dem die digitalisierte Kasse gewinnbringend zirpen oder tuten soll. So macht sich Textilhändler Wilhelm Pröpper mit einem Koffer voller neuster Mode notfalls bis in den Norden Düsseldorfs auf den Weg, wenn ein guter Kunde ruft. Einkaufen nach Maß heißt bei ihm dieser Service. Die Familie führt seit 1963, also bereits in der dritten Generation, gleich mehrere Läden im Benrather Zentrum: Damenmode, Herrenmode und ein eigenes Geschäft für Wäsche. Die Kundschaft sei anspruchsvoller geworden, heißt es bei den gediegen auftretenden Modeexperten. Sie haben sich darauf eingestellt.

Eine rege Aktionsgemeinschaft

Ebenso wie die Aktionsgemeinschaft insgesamt. Mit ihren Aktionen bringt sie zusätzliche Menschen nach Benrath, denn die Konkurrenz ist groß und hat auch die eine oder andere gute Idee. Vor kurzem erst rollten Benrather Geschäftsleute an einem Abend ihren Kunden sprichwörtlich den roten Teppich aus. In jedem Laden gab es besondere Aktionen und Angebote. Das hollywood-mäßige Abschreiten der Lokalitäten, feierlich illuminiert durch Kerzen und Fackeln machte den Besuchern sichtlich Spaß. Mit den verkaufsoffenen Sonntagen, dem Kinderfest, dem Blumen- und Keramikmarkt, der Bierbörse und dem Weihnachtsmarkt ist der Benrather Veranstaltungskalender reich bestückt.

„Zudem haben wir in den vergangenen Jahren unsere Weihnachtsbeleuchtung komplett erneuert und unsere Anstrengungen unter einem neuen, gemeinsamen Logo zusammengefasst“, ergänzt Renate Rönnau. In Zukunft will sie öfter und intensiver eine Brücke zum Benrather Schloss und dem Park dahinter schlagen. Denn die Kombination aus attraktivem Handel und einmalig historischer Kulisse sei es – die Benrath einzigartig und damit attraktiv mache.