Hellere Wolken über Düsseldorfs Jobmarkt

Was wir bereits wissen
2014 waren so viele Frauen und Männer wie nie zuvor in Düsseldorf sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Zahl soll noch weiter steigen.

Düsseldorf..  Das klingt durchaus zuversichtlich, denn etwas hellere Wolken ziehen über dem Jobmarkt auf. „Die Entwicklung wird stabil bleiben“, prognostiziert Roland Schüßler. Für 2015 rechnet der neue Chef der Agentur für Arbeit mit einem weiteren, leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Der Jobmarkt sei weiterhin aufnahmefähig. Schüßler ist sich sicher: „Der Beschäftigungszuwachs wird sich auch in 2015 fortsetzen und einen neuen Höchststand erreichen.“

Auch der Blick zurück bringt positive Aspekte. 2014 waren mit über 378 000 Menschen so viele Frauen und Männer wie nie zuvor in Düsseldorf sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 2000 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig nahm aber die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt gegenüber 2013 leicht zu. „Das ist in sich kein Widerspruch. Unter den Arbeitslosen wird es immer schwieriger, die geforderten Qualifikationen zu finden. Damit eröffnen sich Chancen für weitere Personengruppen wie zum Beispiel für Berufsrückkehrerinnen und Zuwanderer“, so Schüßler.

Es ist festzustellen, dass die Unternehmen ihr Teilzeitangebot stetig erhöht haben und die betrieblichen und kommunalen Angebote für die Kinderbetreuung ausgebaut wurden. Die Teilzeitarbeit treibt die Beschäftigtenzahlen deutlich nach oben und hat sich seit 2001 nahezu verdoppelt. In diesem Zeitraum nahm die Zahl um 40 000 auf jetzt knapp 83 000 zu. Eindeutiger Gewinner sind die Frauen – in vielen Fällen Berufsrückkehrerinnen.

Im Vergleich zu den beiden Vorjahren machten sich die schwächeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch bemerkbar. Im Jahresdurchschnitt erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um 160 gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Menschen ohne Job lag bis zum Sommer stetig über den Vorjahreswerten. Seit August war die Arbeitslosigkeit wieder von Monat zu Monat gesunken. Am Jahresende waren 26 490 Menschen ohne Job gemeldet, 190 weniger als im November und 697 oder knapp drei Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote blieb mit 8,3 Prozent gegenüber November konstant. Vor einem Jahr betrug sie 8,6 Prozent. „Im Großstadtvergleich mit Frankfurt (7,0 Prozent) und Nürnberg (7,1 Prozent) ist das für Düsseldorf ein schwacher Wert. Auch der Verlust von 8,6 Prozent Industrie-Arbeitsplätzen sollte zu denken geben“, betont Sigrid Wolf, Vorsitzende der Agentur-Verwaltungsausschusses und Gewerkschafterin.

Leicht positiv verlief die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit. Am Jahresende gab es 1406 Arbeitslose unter 25 Jahren, 25 weniger als im November und 86 weniger als vor einem Jahr. Die Quote betrug im Jahresdurchschnitt 6,2 Prozent - im Landesdurchschnitt lag sie bei 7,2 Prozent. „Trotz der günstigeren Situation in Düsseldorf bleibt die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit weiterhin eine der großen Herausforderungen“, so Schüßler.

Der Jobmarkt zeigt ein gespaltenes Bild: auf der einen Seite die qualifizierten Fachkräfte und Akademiker als Gewinner, auf der anderen Menschen ohne oder nur mit geringer Qualifikation. Nahezu jeder zweite Arbeitslose hat die Qualifikation eines Hilfsarbeiters. Doch nur jede zehnte offene Stelle ist für eine Helfertätigkeit gemeldet. „Häufig ist deshalb die Langzeitarbeitslosigkeit programmiert“, sagt Schüßler.

Seit Jahresbeginn wurden derweil 20 400 offene Stellen für eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gemeldet. Im Vergleich zu 2013 erhöhte sich die Nachfrage um mehr als 1200 Stellen oder sechs Prozent. Die Schwerpunkte lagen in den Branchen Verkehr- und Logistikberufe, Büro-, Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe, Verkaufs-, Hotel- und Gaststätten-Jobs, Gesundheits-Branche, Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung. Gesucht wurden verstärkt auch vertriebsorientierte IT-Spezialisten und Call Center Agents. Bei einigen Berufen wie den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und den Gesundheits- und Pflegeberufen ist es schwierig, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Drei von vier der neuen offenen Stellen wurden für unbefristete Tätigkeiten gemeldet. „Seit Monaten beobachten wir, dass die Unternehmen wieder verstärkt unbefristet einstellen“, so Schüßler. Aufgrund der demografischen Entwicklung und des wachsenden Bedarfs an Fachkräften hatten die Unternehmen im vergangenen Jahr ihre Ausbildungsbemühungen weiter verstärkt. So wurden mit knapp 4900 Lehrstellen rund 400 Ausbildungsplätze mehr als vor einem Jahr gemeldet. Damit lag das Angebot traditionell deutlich über der Nachfrage der Jugendlichen aus Düsseldorf. Über 3700 junge Menschen, knapp 400 mehr als 2013, hatten mit dem Ziel einer Berufsausbildung die Hilfen der Berufsberatung in Anspruch genommen.

So kamen auf 100 Bewerber 131 Ausbildungsstellen. Das war das beste Ergebnis in NRW. Am Ende des Jahres blieben nur 75 Bewerber unversorgt.