Heiratsschwindler ließ Richterin sitzen
14.10.2009 | 15:31 Uhr 2009-10-14T15:31:00+0200Düsseldorf. Er kriegte die Frauen reihenweise rum: Der Macho-Manne genannte 44-Jährige raspelte erst Süßholz, dann nahm er das Geld seiner Opfer und ließ sie sitzen. Jetzt ließ er - unfreiwillig - das Amtsgericht sitzen: Zum Prozess kam er nicht, weil er in Wuppertal in Haft sitzt.
Ungehorsamshaftbefehl
Die Richterin hatte davon nichts gewusst, vertagte den Prozess auf den 20. Januar. Der Mann war erst eine Woche zuvor festgenommen worden - mit einem „Ungehorsamshaftbefehl”, weil er zu einem Prozess nicht erschien.
Im Mai hatte das Amtsgericht Wuppertal ihn wegen Betrugs und Diebstahl an Frauen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er legte wie der Staatsanwalt Berufung ein, kam bis zur Verhandlung frei und verschwand. Doch er wurde gefunden: bei einer Freundin.
Sie zählt jetzt zu den zahlreichen Ex-Freundinnen, die der Frauenversteher mit über 30 Vorstrafen in ganz Deutschland gesammelt hat. Er soll ihnen zwar nicht eine Ehe versprochen, blind aber vor Verliebtheit gemacht haben. Allein in Düsseldorf sollen sechs Frauen Anzeige erstattet haben.
Zuschauerinnen enttäuscht
Einige davon sollten gestern verhandelt werden: Er soll Waren bestellt und den Empfang mit dem Namen einer Verehrerin quittiert haben. Ihr soll er auch EC-Karte gestohlen, so 2000 Euro vom Konto geräumt haben. Einer anderen Frau nahm er laut Anklage den Laptop ab, um ihn reparieren zu lassen. Doch Computer und Mann kamen nie wieder.
Dass er gestern nicht kam, enttäuschte einige Zuschauerinnen. Eine 45-Jährige ist wütend, dass sogar ihre Tochter (11) unter ihm zu leiden hatte. Der Galan hatte Mutter und Tochter zum Reiten geladen, ließ sie aber gestiefelt und gespornt sitzen. „Mit Kindern spielt man nicht!”, so die Mutter. Sie hatte den vermeintlichen Firmenchef im Internet kennengelernt: „Er hat mir Honig um den Mund geschmiert. Ich hatte keinen Anlass, an ihm zu zweifeln.”
Selbsthilfegruppe der Opfer
Eine 55-Jährige hält den geplatzten Prozesstermin für „typisch für die Justiz”. Sie gehört zu der Selbsthilfegruppe Geschädigter, die sich gegründet hat. Die Frauen helfen der Polizei bei der Zusammenführung der bundesweit verstreuten Fälle. Ihr Ziel: Verhindern, dass noch mehr auf ihn hereinfallen. Kontakt:
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