Heinrich-Heine-Institut zeigt verschwundene Schreibwerkzeuge

Im Schreiblabor können die Besucher Zeilen mit der Feder verfassen.
Im Schreiblabor können die Besucher Zeilen mit der Feder verfassen.
Foto: OH
Was wir bereits wissen
Vom 5. Juli bis 20. September wirft das Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut einen Blick auf Schreibwerkzeuge der vergangenen 200 Jahre.

Düsseldorf.. 204 Millionen E-Mails, 14 Millionen Mitteilungen per WhatsApp, 280.000 per Twitter – diese Masse an Nachrichten fällt im Internet jede Minute an. Dass es auch einmal eine Zeit gab, in der Botschaften deutlich länger brauchten, bis sie beim Empfänger ankamen, daran erinnert die Ausstellung „Mit schönen Buchstaben auf Papier? Zur Geschichte der Schreibwerkzeuge“.

Womit hat Heinrich Heine am liebesten geschrieben? Wie fühlt es sich an, ein paar Zeilen mit Feder und Tinte zu verfassen? Wie veränderten Schreibmaschine und Computer den Schriftverkehr? Antworten dazu gibt es im Heinrich-Heine-Institut.

Dankesbrief von Thomas Mann in türkis

Ausnahmsweise steht dort einmal nicht im Mittelpunkt, was berühmte Autoren verfasst haben, sondern wie. „Goethe hat zum Beispiel von Anfang an mit Bleistift geschrieben“, sagte Institutsleiterin Sabine Brenner-Wilczek bei der Vorstellung der neuen Ausstellung. Das Schnarren und Spritzen der Feder habe ihn zu sehr genervt oder, um es mit Goethes Worten zu sagen, „es weckte mich aus meinem nachtwandlerischen Dichten auf, zerstreute mich und erstickte ein kleines Produkt in der Geburt.“

NRZ-Bürgerbaromter Andere waren da weniger zimperlich. Thomas Mann etwa verfasste wenige Wochen vor seinem Tod 1955 einen Dankesbrief in türkisfarbener Tinte. „Wir wussten natürlich, dass wir diesen Brief von Thomas Mann hatten, aber die ungewöhnliche Farbe hat uns überrascht“, so Brenner-Wilczek.

Während die Besucher im ersten Raum viele Schreibutensilien und Manuskripte unter anderem von Theodor Fontane, Gerhart Hauptmann oder Dieter Forte bestaunen können, dürfen sie sich im Schreiblabor im Raum nebenan selbst ausprobieren. Dort warten Federkiel und Tinte, ein Satz von Heine, der in den Telegrammstil umgewandelt werden will, sowie ein kleiner Handspiegel, mit dessen Hilfe man ein paar krakelige Zeilen in Spiegelschrift zu Papier bringen kann. Und: eine Schreibmaschine samt Augenmaske. Wer die Zehn-Finger-Technik beherrscht, ist bei dieser Übung klar im Vorteil.

Heine verfluchte die Stahlfeder

Heinrich Heine hätte bei diesem Angebot wohl ohne zu Zögern zum Gänsekiel gegriffen – war der doch sein liebstes Schreibwerkzeug. Eine wirtschaftlich sinnvollere, weil länger haltbare Stahlfeder, kam Düsseldorfs berühmtestem Dichter nicht ins Haus. „Ich kann mit der verfluchten Stahlfeder nicht schreiben“, soll Heine einst geschimpft haben. Lästig ist allerdings, dass die Feder nach zwei Zeilen immer wieder neu ins Tintenfass getaucht werden muss. Alle paar Seiten musste Heine sie zudem anspitzen.

Eine Nachricht innerhalb einer Minute von A nach B zu schicken, wäre damals allein deshalb schon unmöglich gewesen.