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Heine und die „Verse-Flüsterer“

19.09.2011 | 18:55 Uhr
Heine und die „Verse-Flüsterer“
Am Montag den 19.09 installieren Lehrlinge des Fughafens und von Thyssen Krupp in der Dauerausstellung des Heine Instituts eine Toninstallation mit Namen Verse Flüsterer.Es ist das zweitProjekt aus der Reihe Technik ftrifft Kultur. Im Bild v.li: Buu Cao,Mark-Oliver Paffrath,Andre Meyer und Stefan Hager. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Düsseldorf.Vier Elektronik-Azubis haben im Heine-Institut eine pfiffe Ton-Installation ausgetüftelt. „Technik trifft Kultur“ heißt das Projekt.

Viele Wege führen zu Heinrich Heine. Andre´ Meyer zum Beispiel ist „Verse-Flüsterer“. Den 21-Jährigen hat das Dichter-Wort „Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung“ unmittelbar angesprochen. „Ich bin eher der gemütliche Typ“, begründet er mit einem Grinsen seine Wahl. Witzig fand Mark-Oliver Paffrath (20) das Zitat mit lautmalerischem Effekt: „Gackern ist die langweilige Vorrede zu den Eiern.“

Mehrere Spuren

Beide „Verse-Flüsterer“ sind eigentlich Elektronik-Azubis im dritten Lehrjahr. Gemeinsam mit ihren Kollegen Stefan Hager und Buu Cao haben sie einen originellen, per Zufallsgenerator gesteuerten Automaten entwickelt, der Heines Bonmots über verschiedene Tonspuren künftig in die Ohren der Museumsbesucher raunen wird.

Das Werkzeug Sprache

Gestern installierten die vier Auszubildenden (bei Thyssen Krupp sowie am Düsseldorfer Flughafen) ihre Erfindung - die möglicherweise auch andere Museen aufhorchen lässt. Heine-Institutsleiterin Sabine Brenner-Wilczek lässt jedenfalls ihrer Ankündigung beim Amtsantritt, das Haus ins digitale Zeitalter zu katapultieren und insbesondere auch für die junge Generation attraktiv zu machen, Taten folgen.

„Technik trifft Kultur“: Die im Flur an der Bilker Straße 12-14 aufgestellte Mediensäule mit Animationsfilmen ist die erste Ausbeute dieses neuen, sich gegenseitig befruchtenden Austausch-Projektes. zwischen Kopf- und Handwerk. Zentrale Frage: „Wer ist Heinrich Heine?“.

„Verse-Flüsterer“ heißt der zweite Akt. Von einem Bewegungsmelder ausgelöst, verbreitet über sechs versteckte Lautsprecher, belebt die Ton-Installation im Vorübergehen einen bislang „toten“ Gang der Dauerschau mit überraschenden Text-Passagen. Ein halbes Jahr haben die Azubis daran getüftelt, fachlich betreut von Ausbildungsleiter René Otto, in Ko-Operation mit Gaby Köster (Medien-Beauftragte im Heine-Institut). Technisch wie sprachlich eine Herausforderung. Ein Profischauspieler gab Sprechtrainung in der Verse-Flüsterer-Werkstatt. „Wir mussten uns Laute zuschicken“, das reine, freie Sprechen ohne „Ähs“ proben, zahllos die in allen Heine-Werken geräuberten, noch persönlichen Vorlieben ausgeguckten Zitate auf der Zunge zergehen lassen. Lockerungsübungen, Tontechniker-Tipps und Musiker-Rat für die Untermalung halfen zudem auf die Sprünge. Dass „auch Sprache Werkzeug sein kann“, nehmen der Ausbilder und seine Azubis unter anderem aus der „anderen Welt“ der Literatur mit. Verblüfft hat den 22-jährigen Stefan Hager „wie viel sich aus den 200 Jahre alten Texten in die heutige Zeit übertragen lässt“. Und vielleicht ist ja auf diesem Weg die erste hemmende Hürde in Richtung Kultur übersprungen?

Zur „Heine-Nacht“ am 17. Dezember haben die Flüsterer öffentlich Premiere. Vielseitig lassen sich künftig die Tonspuren bespielen. So sind neben der Spur, die die Azubis hinterlassen auch weitere Hör-Happen geplant: Kinder sprechen ihre Lieblingsverse von Heine - für Kinderführungen. Schauspieler haben das Wort Auch Kommentare von Museums-Gästen sollen in der Luft liegen.

Einträge ins Gästebuch und die „Besucher-Trauben vor den Monitoren bei Eröffnungen wie Finissagen“ haben Sabine Brenner-Wilczek darin bestärkt: Mediales ist gefragt, macht die literarische Flachware plastisch.

So ist man gespannt, was die fest geplante dritte Azubi-Runde von „Technik trifft Kultur“ mit Heine anstellt.

Ulrike Merten

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