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Heine trifft auf Joseph Beuys

20.08.2010 | 17:16 Uhr
Heine trifft auf Joseph Beuys
Der Fotograf Walter Vogel steht am 20.8.2010 vor zwei seiner Fotos. Auf den Fotos ist die Tänzerin Pina Bausch zu sehen. Ausstellung von Bert Gerresheim und Walter Vogel in der Galerie von Fraunberg. Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool

Düsseldorf.Der Fotograf Walter Vogel hat die Geschichte oft erzählt. Wie er einen Anruf der Galerie Schmela erhielt: „Kommen Sie mal. Beuys macht da was.“ Vogel, damals 33, fuhr hin. Am 26. November 1965 war das, die Ausstellung „...irgend ein Strang...“ wurde eröffnet. Anlass für eine Performance.

Joseph Beuys saß mit goldenem Gesicht auf einem Schemel, der auf einem Büroschrank stand, im Arm einen toten Hasen. Unter den Schuhen trug er Blechkufen. „Eine Stimmung wie in der Kirche“, erinnert sich Vogel. „Es war totenstill im Raum. Ab und zu knallte Beuys mit den Blechkufen auf den Schrank.“ Walter Vogel war fasziniert: „Was für eine Showbühne!“ Damals fotografierte er viel im Zirkus, und der geschminkte Beuys erinnerte ihn daran.

Jetzt, fast 45 Jahre später, hängen Schwarzweißbilder der berühmten Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ in der Galerie Epson/von Fraunberg Art Gallery: Beuys statuengleich mit dem toten Tier im Arm. Daneben Beuys, wie er jäh zum Leben erwacht und eine raucht. „Ikone und Mensch“, sagt Vogel. Das Ikonen-Bild wurde weltweit veröffentlicht. Wie oft es publiziert wurde, kann Vogel nicht zählen.

Eine Auswahl seiner Fotografien sind nun unter dem Titel „Persönlichkeiten“ zusammen mit Skulpturen Bert Gerresheims zu sehen. „Zwei Düsseldorfer - zwei Klassiker in ihrem Medium“, sagt Galeristin Antonia von Fraunberg. Eine schöne umfangreiche Ausstellung ist da zusammengekommen: 27 großformatige Fotografien, auf Baryt und als Digigraphie, und 20 Skulpturen. „Visionärer Realismus“ nennt sie die Galeristin.

Kaffeehaus-Szenen
in Milano und Florenz

Dafür steht zum einen Bert Gerresheim, dessen bärtiger Heinrich Heine als Walhalla-Gipsmodell die Gäste empfängt. Auch einen zweiten Heine gibt’s, das Projekt für Paris: ein zerschnittenes Gesicht, einfach so zur Seite weggerutscht. Vexier-Porträts und -Grotesken vereint die Schau, surreale Bronze-Bildnisse, die einen zum Schmunzeln bringen und ebenso das Fürchten lehren.

Da ist Hitchcock, ein zerknautscher Faltenschädel - oder Dante voller Risse, Kerben, Einschnitte. Daneben der Maler James Ensor mit Pinsel-Palettenhut - wenig weiter ein Horror-Hitler mit halbem Totenkopf über dem Kragen. Dazu zeigt Gerresheim skurrile Kreuzungen aus Mensch und Fabelwesen wie den „Wassermann“, einen Fischkopf mit Muschelohren.

Jetzt wieder Walter Vogel. Da hängen etwa seine europäischen Kaffeehaus-Szenen, die er, so sagt er, eigentlich mehr liebt als die Beuys-Fotografien: Eine Espresso-Tasse mit Zucker. Ein inniges altes Paar beim Kuchen in Florenz. Ein Geschäftsmann mit Hut in Milano - ein Kellner, der im Eingang des edlen Cafés stehend zur sonnenumfluteten Lichtgestalt wird. Daneben New York 1975. Damals fotografierte Vogel das World Trade Center als Spiegelung in einer Pfütze. Er selbst erscheint als Schattenmann.

Gegenüber: die inzwischen verstorbene Choreografin Pina Bausch, Vogels langjährige Partnerin, Mitte der 60er. Pina als bildhübsche 25-Jährige im Atelier der Folkwangschule, Pina mit einem löchrigen schwarzen Hut. Der erinnerte Vogel damals an die Lichtballette seines Freundes Otto Piene. Aber das ist eine andere Geschichte.

Petra Kuiper

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