Happy End nach Kostenexplosion?
29.01.2010 | 18:20 Uhr 2010-01-29T18:20:00+0100Düsseldorf. Kollossalen Fehlplanungen und einer schwindelerregenden Kostenexplosion soll jetzt das Happy End folgen. Zumindest sehen das Planungsdezernent Gregor Bonin und Dirk Elbers so.
„Mit der Umgestaltung an zentraler Stelle unserer Innenstadt haben wir für eine deutliche Belebung und Aufwertung gesorgt”, frohlockte der OB, der die alte Paketpost nach fast vierjähriger Umbauphase gestern offiziell eröffnete. Hauptnutzer der 36 000 Quadratmeter ist das Schauspielhaus, das für Bühnen und Werkstätten 14 000 Quadratmeter Platz bekommt.
Desaströse Anfänge
„Die Ansiedlung des künstlerischen Betriebs in Nachbarschaft von Ufa-Kino, Tanzhaus NRW und Capitol Theater bietet hervorragende Perspektiven, die Konzentration an dieser verkehrsgünstigen Stelle sorgt zudem für kurze Wege”, so Elbers. Er sieht die Wiedereröffnung als Startsignal für weitere Verbesserungen in zentraler Lage, „von der geplanten Umgestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes bis hin zum Kö-Bogen”.
Der OB blickte auch auf die desaströsen Anfänge des Projekts zurück: „Wir hatten zu viel Gottvertrauen.” Mangelnde Abstimmung zwischen den Ämtern, dem Bauherren und künftigen Mietern ließen die Kosten zunächst von knapp 30 auf 40 Millionen Euro hochschnellen. Dann wurde neu gerechnet: Plötzlich standen 60,8 Millionen Euro zu Buche. „Diese Zahl ist absolut seriös. Wir werden die Summe eher noch unterschreiten”, betonte Gregor Bonin. Auf Leasingbasis muss die Stadt diesen Betrag über knapp 20 Jahre an die „Deutsche Anlage-Leasing” abstottern.
Schnell zu den Brennpunkten
Das Schauspielhaus nutzt einen Teil seiner neuen Räumlichkeiten bereits seit Juni 2008. Neben drei Probebühnen, der Studiobühne, Umkleiden und Büroräumen sind hier auch Schlosserei, Malersaal, Kulissenlager, Kostümfundus, Dekowerkstatt und Technikräume untergebracht.
Gerade erst ist, wie berichtet, der Ordnungs- und Service-Dienst in die alte Paketpost eingezogen. Für 116 Männer und 57 Frauen des OSD ist die zentrale Lage besonders günstig, um möglichst schnell zu den Brennpunkten zu gelangen. Nach der Eröffnung des benachbarten Fernbusbahnhofs, der für 1,5 Millionen Euro modernisiert worden ist und am 15. Dezember den Betrieb aufgenommen hat, ist in der Paketpost auf einer Fläche von 127 Quadratmetern ein Reisezentrum mit Toilettenanlage und Aufenthaltsraum entstanden.
Anfang Februar erhält dort auch der Bücherei-Bus, der zur Ausleihe in die Stadtteile fährt, seinen Basisstandort mit Büro und Literaturlager auf 300 Quadratmetern.
Lager und Archive
Das Stadtarchiv, seit 1970 an der Heinrich-Ehrhardt-Straße in Derendorf untergebracht, bekommt auf einer Fläche von knapp über 4000 Quadratmetern neue Büros, Lager und Platz für seine Archive. Wegen des Umzugs bleibt es vom 1. Februar bis zum 30. Juni für den Publikumsverkehr geschlossen. Bis dahin gilt es riesige Mengen, verpackt in fast 85 000 Kartons, zu transportieren: 13,8 Regalkilometer Dokumente, das sind unter anderem rund 319 000 Akten des alten Archivs, 15 000 Nachlass-Dokumente, 70 000 Sammlungen, 6900 Zeitungsbände, 98 000 Mikrofilme und eine Fachbibliothek mit 26 000 Bänden.
Als weitere Mieter ziehen in diesem Jahr das museum kunst palast und Archiv Lauterbach ein, um auf insgesamt 2700 Quadratmetern Kunstexponate zu lagern.
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