Hannelore Kraft besucht Kita im sozialen Brennpunkt

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Benedikt spielen im Z4 in Hassels.
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Benedikt spielen im Z4 in Hassels.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft machte sich – gemeinsam mit Düsseldorfs OB Thomas Geisel – ein Bild davon, wie ihr Projekt „Kein Kind zurücklassen!“ in Hassels umgesetzt wird.

Düsseldorf..  Hassels-Nord: Im Viertel nahe der Stadtteilgrenze zu Reisholz sind die Häuser auch schonmal 17 Etagen hoch. Menschen aus mehr als 20 Nationen wohnen hier eng an eng. Und die Decken, die einem irgendwann auf dem Kopf fallen können, sind gerade hier tonnenschwer. In einer Gegend wie dieser ist es nicht leicht, das soziale Gefüge zusammen zu halten. Die Landesregierung will dabei helfen. Gestern Vormittag kam NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu Besuch und machte sich – gemeinsam mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel – ein Bild ein davon, wie ihre Initiative „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ vor Ort umgesetzt wird.

„Ich bin begeistert von dem, was ich gesehen habe“, sagte Hannelore Kraft nach gut drei Stunden Besuchszeit im Düsseldorfer Süden, während der sie sich das Bürgerzentrum im Ernst-Lange-Haus, die Jugendfreizeiteinrichtung Z 4 und die Kita und das Familienzentrum In der Donk zeigen ließ. Sie sei auf viele engagierte Menschen getroffen, sagte sie, das Netzwerk funktioniere, weil man „effizient und nah an der Zielgruppe“ zusammenarbeite.

Geburstagsglückwunsch vom OB

Ein Besuch, der viel Medieninteresse nach sich zog und bei dem auch entsprechend medienswirksam vorgegangen wurde: Fotos beim Tischkickern mit den Kids im Z 4, Fotos beim Händeschütteln mit der rührigen Cafédame im Ernst-Lange-Haus („Eine Ministerpräsidentin bekommt man ja nicht alle Tage zu sehen“), Fotos beim Info-Gespräch mit den Einrichtungsleitern. Und nicht jeder Düsseldorfer kann von sich behaupten, dass er zu seinem fünften Geburtstag vom Oberbürgermeister persönlich die Hand geschüttelt bekommen hat. Der kleine Younes, Kitakind aus Hassels, kann das jetzt.

Allerdings wurden auch Gespräche hinter verschlossenen Türen geführt. Das erste bereits um nein Uhr morgens. Einige Rentner hatten vom hohen Besuch Wind bekommen und sich die besten Plätze auf der Terrasse der „Oerschbach-Klause“ gesichert. Von dort hat man den besten Blick auf Ein- und Ausgang vom Ernst-Lange-Haus.

Die Stadt hat das Präventionsangebot für Hassels-Nord in den vergangenen Jahren erheblich verstärkt. Erste Anlaufstelle und Orientierungshilfe für die vielen neuen Familien im Stadtteil ist das Ernst-Lange-Haus mit zahlreichen Angeboten und Beratungsbereichen. „Von fast 40 Prozent der Kinder, die zu uns kommen, sind die Mütter alleinerziehend“, sagt Leiterin Barbara Dully. Von dort finden die Mädchen und Jungen den Weg in das erweiterte Netz von Kitas und Familienzentren wie zu der fußläufigen Einrichtung „In der Donk“ mit Kita und der einzigen Kinderbücherei weit und breit.

In den drei Kitas in Hassels kommt das NRW-Projekt von Hannelore Kraft konkret zum Tragen. Seit 2013 werden dort alle neuen Kinder nach dem Vorbild der Schuluntersuchung durch den städtischen Gesundheitsdienst gecheckt. Die Ergebnisse sind teilweise alarmierend. 82 Prozent der Neuankömmlinge können kein oder wenig Deutsch. „Das sind nicht immer die einzigen Probleme“, sagte gestern die Präventionsmanagerin Marina Krejci. Wichtig sei es, ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern aufzubauen.“

Das ist ganz im Sinne des Oberbürgermeisters. „Wir wollen Kinder und Jugendliche wachsam begleiten“, so Geisel. „Dazu gehört auch, sich um die gesamte Familie zu kümmern und eine Kultur des Miteinander zu pflegen. Dies wird in Hassels bereits erfolgreich umgesetzt.“ Seine SPD-Parteifreundin Hannelore Kraft meinte: „Der Stadtteil hier ist der Nukleus, aus dem heraus der soziale Prozess stattfinden kann.“

Dieser Prozess wird noch dauern. In Hassels-Nord patroulliert derzeit von frühmorgens bis drei Uhr in der Nacht ein privater Sicherheitsdienst. Die Männer mit schwarzer Kleidung und grimmigen Gesichtern liefen auch gestern über das Pflaster im Viertel. Unbeobachtet vom Kraft-Anhang...