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"Haltet das Geld zusammen!"

21.05.2008 | 20:06 Uhr

TESTAMENT. Joachim Erwin hinterließ ein persönliches Vermächtnis an Bürger und Politiker. Er schrieb es drei Tage vor seinem Tod.

Vielleicht macht ihm das jetzt jemand nach - aber bisher hat es das in dieser Form nicht gegeben: Das politische Testament eines Oberbürgermeisters. Der in der Nacht zu Dienstag verstorbene Joachim Erwin hat drei Tage vor seinem Tod ein Vermächtnis hinterlassen. Einen Zehn-Punkte-Katalog, den die einen als Wunsch einreihen, die anderen als Fessel für seinen Nachfolger. Die Aufforderungen richten sich nicht nur an die Bürger, die gestern vor dem Rathaus und in den Stadtteilen Schlange standen, um sich ins Kondolenzbuch einzutragen. Erwins Katalog bedenkt posthum auch die Politiker.

Die Klickquote auf der Internetseite des Presseamtes muss sich zum Nachmittag hin, als es sich allmählich herumgesprochen hatte, enorm in die Höhe geschraubt haben. Selbst enge Vertraute und langjährige Weggefährten wie der CDU-Fraktionsvize Friedrich Conzen waren total überrascht: "Doch das passt zu ihm."

Und wie: "Haltet das Geld zusammen", fordert er angesichts der Entschuldung der Stadt, die er gestemmt hat. Und lenkt dann den Blick auf Details, die freilich ohne Geldausgeben nicht zu bewältigen sind. Den Ausbau des Aquazoos mit internationalem Anspruch will er erledigt sehen, Kindergartengebühren bei "Null" im nächsten Jahr, er mahnt väterlich, die Stadt grün und sauber zu halten und die Bedeutung des Flughafens für die Welt zu zementieren.

"Bestraft die Sünder"

Dazu lässt er schwarz auf weiß seinen Ekel über die Folgen des Pooth-Skandals (die NRZ berichtete) einfließen und fordert - nachdem bereits Chef Humme und ein weiterer Manager gefeuert wurden: "Bestraft die Sünder der Sparkasse." Die hatte dem Mann von Verona Pooth Millionenkredite gewährt, obwohl sich die Insolvenz für sie abgezeichnet haben muss.

Der Schlusspunkt gibt unter Umständen ein Orakel auf: Man solle sich nicht um eine Straße oder Hausnummer für ihn bemühen. Hinter derzeit ständig vorgehaltener Hand wurde gestern gefragt: Will er etwa die ganze Stadt?

CDU-Fraktionsvize Conzen holte nach der ersten Überraschung Luft: "Wir sind eine Verpflichtung mit ihm eingegangen - es gibt keine andere Politik für die Stadt - und für uns. Da wird sich nichts ändern." Das meint auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann für die FDP, die Erwins Worte für "sehr liebenswert hält": "Wir machen weiter wie bisher."

Annette Steller, SPD-Fraktionsgeschäftsführerin, findet es "ausgesprochen ungewöhnlich!", sagt's dann kompakt: "Seine Thesen sind und bleiben so umstritten, wie er." Gegen kostenlose Kindergärten könne niemand etwas haben - nur, dass sie aus den Sparkassenüberschüssen ausgeglichen werden.

Kondolenzbücher nachgefordert

Iris Bellstedt, Grünen-Sprecherin, meint locker: "Der Aqua-Zoo-Ausbau ist zwar schon lange geplant, und gegen Grün in der Stadt haben wir bestimmt nichts. Aber es fehlt die Wahrung der Schöpfung - das Klimaprogramm." Aber, sagt sie: "Wenn ihm das andere doch so am Herzen lag..."

Ihnen lag das am Herzen: Paul Kempe (69) und seine Frau Gerda (68), Rentnerpaar aus Düsseltal, reihten sich am Mittag in die schweigende Schlange vor dem Rathaus ein: "Er hat im Zooviertel für so viel Grün gesorgt und auch was für den Spielplatz am Hansaplatz getan." Dieser Dank, meinten beide, und der für die Schuldenfreiheit der Stadt - der gehöre unbedingt ins Kondolenzbuch. Auch Regierungspräsident Jürgen Büssow stand an. Und erinnerte sich, wie er 1985 gegen Erwin für einen Landtagssitz kandidiert habe: "Aber das war nicht sein Ding." Beide, "vor über 30 Jahren im Ratskeller", hätten sich zum "Du" zusammengerauft - auch wenn sich nachhaltig zwischen ihnen keine dicke Freundschaft entspann.

Die ersten 60 Minuten waren kaum vergangen, da musste Protokollchef Klaus Reifers schon für Nachschub sorgen und ein neues Kondolenzbuch ordern. Das ging Günter Gläser im Kaiserswerther Rathaus nicht anders. Nicht nur, dass er einige zu früh Gekommene wieder wegschicken musste: Auch er orderte für Freitag ein neues Buch mit 90 Seiten. Andernfalls hätten nämlich, was kurzfristig angedacht war, die Düsseldorfer sich auf allen Rückseiten eintragen müssen.

ANNA LEWY

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Kommentare
23.05.2008
15:15
Haltet das Geld zusammen!
von Sascha Duecker | #5

Das Schicksal Herrn Erwins ist niemandem zu wuenschen oder zu zumuten. DAS versteht sich von selbst. Was isch aber zur Zeit in den Duesseldorfer Gazetten an Lobhudeleinen und Ergebenheits Adressen posthum auftut, spottet jeder Beschreibung, wenn man weiss, welche Leute sich teilweise abseits von Mikrophonen und Reportern ueber Herrn Erwin geaeussert haben.
Warum haben diese Leute nicht wenigstens den Schneid , ausser mein Beileid - wenn es denn so empfunden ist - einfach besser gar nichts zu sagen.......?
Das betrifft sowohl politische Freunde - per se ein Witz, als auch Duesseldorfer Buerger oder gar im gesellschaftlichen Mittelpunkt stehende Hofschrantzen, die eines allesamt nicht besitzen oder je besassen: Rueckgrad.
Herr Erwin konnte vor allem eines: mit Hilfe willfaehiger Medien und bestimmter Journalisten eine Aura des tollen , erfolgreichen Machers aufbauen. DAS ist seine eigentliche Mangerleistung. Alles andere wird sich schnell relativieren.
Allein sein pseudo-tolles Vorgehen gegen Herrn Humme & co....diesen Mann hatte e r doch geholt und den kritischen Dr.Schwartz vertrieben.....darueber nirgendwo ein Wort.
Die Entschuldung ein Witz! Ausgegliederte Gesellschaften tragen nun die Schulden, und die sind in staedtischer Mehrheitshand: eigentlich nur ein Buchungstrick.
Die Stadtwerke gehoeren durch die Verschacherung nun Fremden - und das ermeoglicht von jemandem, der in seinem Vermaechtnis davon spricht, besonders Duesseldorfer Belange zu bedienen.....
Der Gipfel: die Instalation einer ex-Hostess mit B2 (!!) Besoldung im Rathaus. DAS ist Schilda pur!
Sascha Duecker

23.05.2008
00:04
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.05.2008
23:33
Haltet das Geld zusammen!
von Meinungsfreiheit | #3

www.rainersche-post.de/duesseldorf/erwinista/erwins-testament-gefaelscht.php :-)

22.05.2008
01:08
Haltet das Geld zusammen!
von Meinungsfreiheit | #2

Ach so. „Haltet das Geld zusammen“ damit wollte er wohl postum seine Lieblings-Bauprojekte U-Bahn Schadowstrasse sowie Jan-Wellem-Platz mit dazu gehöriger millionenschwerer Untertunnelung rückgängig machen.

21.05.2008
21:25
Haltet das Geld zusammen!
von wersten | #1

Dieses politische Vermächtnis ist das skurilste und merkwürdigste was es in der Politik seit langen gegeben hat. Es wirft ein sehr komisches Licht auf den Menschen joachim erwin und sein Atsverständnis

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