Gutes aus der Gegend

In diesen Tagen dürften die Kassenschlangen in den Bio-Märkten der Stadt etwas länger sein. Die Fastenzeit hat gestern offiziell begonnen, und überall starten Menschen mit schlechtem Gewissen und guten Vorsätzen in Entgiftungskuren, Diäten und alternative Ernährungspläne. In Düsseldorf ist das Angebot an Bio-Waren mit klarer Herkunft reichlich, in den vergangenen Monaten haben einige neue Bio-Märkte eröffnet. Gemeinsam haben sie den Ansatz, wo immer möglich auf regionale Produkte zu setzen. Beim SuperBiomarkt (bislang viermal in Düsseldorf) kommt sogar der größte Teil des Fleisches aus der nächsten Umgebung.

Komplexer Betriebskreislauf

Zum Beispiel vom Naturland-Erzeuger Gut Lüpkeshof in Velbert, keine 40 Kilometer von der zentralsten Düsseldorfer Filiale in den Schadow Arkaden entfernt. Wenn Landwirt Friedrich-Wilhelm Bredtmann dort von seiner Arbeit erzählt, wird schnell klar, dass er sich mit dem großen Thema Bio seit vielen Jahren intensiv befasst. Er erzählt über den komplexen Betriebskreislauf, über den richtigen Gründünger, über die Beschaffenheit des Bodens („der ist hier teilweise etwas steinig“) – und über das Leben der meist etwa 40 bis 60 Rinder (Limosin und Charolais) auf dem Hof. „Natürlich wollen wir mit unserer Arbeit Geld verdienen, aber das muss eben nicht bedeuten, dass es den Tieren schlecht gehen muss“, sagt Bredtmann.

Das beginnt schon beim Futter: 100 Prozent Bio, alles direkt vom Hof, Roggenschrot, Futterkartoffeln und Kleegras, und die Tiere können jederzeit fressen. Sie stehen je nach Außentemperaturen auf der Weide oder im Stall; dort auf Stroh statt auf Spaltböden, und gemistet werde auch jeden Tag. „Das bedeutet dann ein bisschen Abwechslung, wenn der Trecker kommt“, sagt Bredtmann lächelnd. Schon seit 1988 betreibt er Öko-Anbau, hat dabei gute und schlechte Zeiten erlebt: „Ich habe Herausforderungen immer gerne angenommen“, sagt er. Namen haben die Rinder auf seinem Hof übrigens nicht, trotzdem ist Bredtmann anzumerken, dass sie ihm am Herzen liegen. „Natürlich leidet man mit, wenn sie krank sind“, sagt er, und er habe auch ein seltsames Gefühl, wenn sie zum nahen Schlachthof gebracht werden: „Das gehört aber nunmal dazu.“

Im Markt in den Schadow Arkaden gibt es das Bio-Rind auch in besonderer Form: als so genanntes Dry-Aged-Beef. Drei bis vier Wochen reift es bei genau kontrollierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit und wird so besonders aromatisch.

Auch die anderen Düsseldorfer Bio-Märkte legen Wert auf Lieferanten aus dem Umfeld. „Ein regionales Angebot von Bio-Obst und Bio-Gemüse ist uns sehr wichtig und ist eines der zentralen Elemente unseres Konzepts“, teilt etwa eine Alnatura-Sprecherin mit – das Unternehmen betreibt einen Bio-Supermarkt in Grafenberg. Über regionale Großhändler erhalte man je nach Saison die Waren aus der Region – etwa Salate, Kohl und Radieschen vom Bioland-Gärtnerhof in Solingen, Erdbeeren vom Naturland-Hof Aarde in Heinsberg oder Kürbisse, Kartoffeln und Kräuter vom Demeter-Hof Bois in Meckenheim. Bei der ersten Düsseldorfer Filiale der Bio-Kette Denn’s (Am Wehrhahn) gibt es ebenfalls ein breites Angebot aus Nordrhein-Westfalen. Dazu gehört Käse aus der Edelkäserei Kalteiche (Wilnsdorf), Eier vom Möllenhof in Kevelaer und Backwaren aus der Backbord-Mühlenbäckerei in Bochum. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, sagt auch eine Sprecherin der Temma-Märkte, die in Benrath vertreten sind. Das gelte für Obst und Gemüse, in etwas geringerem Umfang auch für Käse.