Große Kunst mit Begleitbeton
19.02.2010 | 19:55 Uhr 2010-02-19T19:55:00+0100
In dieser immer schnelleren Welt hat sich Künstler Tom Kösel so seine Gedanken gemacht. „Begleitbeton” nennt er die rollenden Steinquader mit Griff, die auf die Besucher warten - beim Rundgang soll man sie vor sich herschieben.
Eine Aktion, um der allgemeinen Beschleunigung schleppenden Schrittes entgegenzuwirken. Gut so. Mit 300 Werken, 157 Künstlern, kommt die Große Kunstausstellung diesmal jünger und luftiger daher und verdient es, dass man sich ausführlich mit ihr beschäftigt. Malerei, Grafik, Objekte, Installationen und Fotografie sind im museum kunst palast zu sehen, zusammengestellt durch eine neue Jury. Verantwortlich zeichnet Michael Kortländer, Chef des gastgebenden Vereins. Er hat die Traditionsschau zur Herzensangelegenheit erklärt und reichlich Überzeugungsarbeit geleistet. Nun lädt der Verein nach einem Jahr Pause wieder zum Rundgang ein. Neben etablierten Künstlern wie Hermann-Josef Kuhna, dem diesjährigen Träger des Kunstpreises, finden sich viele neue Namen. Inhaltlich sind Fotografie und Video mehr Malerei und Skulpturen gewichen. Und: Die Preise wurden aufgestockt. Nun gibt es 3000 Euro für den Förder- und 5000 Euro für den Kunstpreisträger.
Am Anfang steht ein Schwein auf dem Flur und fiebert in Rollschuhen dem Sonnenuntergang entgegen. Damit es nicht entschwindet, hat Ilona Kohut es angebunden. „Sunset” nennt sie ihre Arbeit. Während sich im Erdgeschoss Skurrileres findet, etwa Kösels „Begleitbeton”, geht es im Stockwerk drüber ruhiger zu.
Kortländer hat bereits Vertreter des Landes begrüßt, die Arbeiten erwarben - die Stadt empfängt er am Nachmittag. Aber kaufen darf natürlich jeder. Die Preise liegen diesmal zwischen 80 und 30 000 Euro.
Dschungel mit Fahne
In der Raumesmitte zieht Sandra Gabels Riesengemälde die Blicke auf sich. Zehn Meter Leinwand hat sie entrollt, wenn man will, kann man beliebig anbauen. Davor ruht Peter Schwickeraths Objekt aus gefaltetem Edelstahl. Eine schöne Korrespondenz. Wenig weiter dann Fotografie wie Jörg Holtkamps Großstadtdschungel: Pflanzen, die auf einer Verkehrsinsel wuchern.
Nebenan fällt das Nashorn Peter Nagels ins Auge, das aus einem Wust Spielzeug besteht. Eine Hommage an Mike Kelleys wilde Puppeninstallationen. Indes hat Felix Droese die „Heimat”-Fahne gehisst. Er zeigt eine Arbeit à la Beuys, einen Baum, aus dem ein Doppel-Kreuz entstand, teils gewachsen, teils gearbeitet. Eine Kritik am Afghanistaneinsatz. Daneben thront Andreas Techlers „Schmähgerät”, ein Drei-Meter-Würfel, der die Perfektion des Quadrates „schmäht” (und so die Formen des Museumsarchitekten Oswald Matthias Unger auf die Schippe nimmt...)
Und während sich eine Ecke ausführlich der Förderpreisträgerin und Tony Cragg-Meisterschülerin Flora Hitzing widmet - sie zeigt luftige Auarelle, deren Formen sie in wuchtige Skulpturen überträgt, wird woanders noch gearbeitet. Evangelos Papadopoulos lässt den Akkuschrauber kreisen. Seit Wochen werkelt er an seinem Objekt, das aussieht wie eine fließende Behausung und aus einem Gerüst, 1500 Gipskartonplatten und 3000 Schrauben besteht. Nach der Schau baut er es wieder ab. Reich wird man so nicht. Aber glücklich.
Eröffnung heute Abend. Bis 14. März, Di.-So. 11-18, Do. 11-21 Uhr. Führungen Do. 16-18 Uhr, ab 19 Uhr Konzertperformances. Info 0211/8 99 92 62
Mehr Fotos unter DerWesten.de/duesseldorf
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