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Götz in Best-Form

20.04.2008 | 18:10 Uhr

MUSIK. In der Reihe "440 Hz - Klassik und Jazz" wagten Alsmann und Band ein Experiment mit der Schumann Camerata.

Ohne Tolle geht es nicht. Wenn Götz Alsmann auch längst aus den wilden Jahren herausgewachsen ist, so sitzt die betonierte Sturmlocke genauso perfekt wie seine Stimme. Letzteres betört besonders seine weiblichen Fans, wenn der TV-Entertainer in seine Schlagertruhe greift und die schönen alten Sachen auflegt, genauer: zum Besten gibt, in seiner Art. Er überreicht laszive "Blumen für die Dame" oder fordert schläfrig auf "Bevor du schlafen gehst, ruf mich noch an".

Stimmungsmacher und Multitalent

Er kokettiert und moderiert. Die Augen geschlossen, die Stirne gerunzelt. Oder bebt rhythmisch "Wenn ich in Stimmung bin". Und im bis auf den letzten Rangplatz ausverkauften Schumannsaal war Götz in Stimmung und übertrug sie auf mehrere Fan-Generationen.

Am Steinway, mit Mikrophon vor den geschürzten Lippen, jazzt und bluest er Songs zum Mitsummen, mixt Latino-Pop drunter, schnurrt in grauem Flanell wie ein Kater, umgarnt und besingt schmalzig schöne Frauen, sehnt sich nach Küssen vom "Tatarischen Mädchen" und mehr.

Aufgekratzt springt er auf den Konzertflügel, auf den er eben noch eindrosch, mimt, mit überschlagenen Beinen, den kleinen verliebten Jungen oder eine Diva. Schmollmund und verträumter Blick inklusive.

Eine Sekunde denkt man, er nimmt sich als Jazz-Diva ernst, doch sofort blinzelt Ironie hinter seiner Beamtenbrille.

Amüsant und niveauvoll arrangiert er die Lieder von damals, ist Stimmungsmacher, Multitalent und Multitasker. Doch Alsmann und seine Band zogen jetzt bei "440 Hz - Klassik und Jazz" nicht nur ihre bekannten Register, sondern wagten ein Experiment.

Zusammen mit der Schumann Camerata, ihrem tänzelnden Kapellmeister Alexander Shelley und der apart grazilen Opernsängerin Kerstin Pohle kredenzten sie eine eigenwillige Mischung aus Ohrwürmern zwischen Tag und Traum und hehren Kompositionen von Mozart, Arvo Pärt, Beethoven und Luciano Berio.

Atmosphäre und Motive der Alsmann-Hits von damals nimmt Kerstin Pohle in Berios Gälischen Liedern auf. Unterstützt vom schlank intonierten Orchester unter Maestro Shelley, der, in schwarzem China-Dress, von weiblichen Fans mit Pfeifen und Johlen angefeuert wird. Bei der Reihe 440 Hz ist eben alles anders.

Shelley, der das Konzept entwarf, strahlt übers ganze Bubi-Gesicht, gibt mit seinem wiegenden Model-Körper den Takt an. Grazil und elegant ist das alles, und musikalisch auf den Punkt.

Eine Party bis in den frühen Morgen

So schön hat Götz Alsmann seine Songs noch nie gehört, meint er. Denn der Camerata-Sound donnerte den Jazz-Sound samt Cha-Cha-Cha ganz schön auf, mit Streicherschwelgen und wohligen Klängen der Bläser. Ovationen für Alsmann, Pohle und Shelley. Nach den Zugaben dann gab's, wie immer bei 440 Hz, eine Party bis in den frühen Morgen.

MICHAEL-GEORG MÜLLER

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