Gesuchter Kristijan V. stellte sich nach Mordversuch am Flughafen Düsseldorf
29.06.2012 | 16:00 Uhr 2012-06-29T16:00:00+0200
Düsseldorf. Die Mordkommission Froschkönig fahndete mit internationalem Haftbefehl nach dem 24-jährigen Kristijan V., der am 28. April einen Geschäftsmann in Flingern niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt haben soll. Einen Tag, nachdem die Polizei das bekanntgab, stellte sich der Mann am Flughafen.
Es klingt fast wie ein schlechter Krimi. Da setzte die Polizei vergeblich alle Hebel in Bewegung, um den wegen Mordversuchs Verdächtigen Kristijan V. zu schnappen. Sechs Wochen lang ermittelten die Fahnder verdeckt, observierten, suchten mit internationalem Haftbefehl, kontaktierten die serbischen Behörden.
Aber erst an dem Tag, an dem das Polizeipräsidium Jürgensplatz auf einer Pressekonferenz schließlich öffentlich bekannt gab, dass sie nach dem 24-Jährigen fahndet, stieg dieser nur wenige Stunden später in Belgrad in ein Flugzeug, um sich hier zu stellen.
Kristijan V. wird beschuldigt, gemeinsam mit dem bereits verhafteten Marcel S. am 28. April den Großhändler Bayram A. vor seinem Firmengelände am Froschkönigweg in Flingern überfallen und ausgeraubt zu haben. Dabei wurde das Opfer durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt. Marcel S. behauptet, sein Komplize habe geschossen. Eindeutig belegt ist das nicht. Staatsanwalt Matthias Ridder wirft beiden Tätern gemeinschaftlich versuchten Mord aus Habgier vor.
Den Namen des zweiten Täters haben die Ermittler von Marcel S. erfahren. Doch die groß angelegte Suche verlief im Sande. Der Mann war einfach verschwunden, er ließ sich hier in seinem privaten Umfeld nicht mehr blicken. Der Leiter der Mordkommission, Guido Adler, konnte nicht ausschließen, dass der 24-Jährige sich in seine Heimatstadt Belgrad abgesetzt hatte. „Aber wir wissen es nicht“, sprach er noch am Donnerstag in die Mikrofone.
Jetzt weiß er es. Am Freitag in aller Frühe stieg Kristijan V. in Belgrad in die Boeing 737-300 der serbischen Fluggesellschaft JAT Airways, die um 4.30 Uhr Richtung Düsseldorf abhob. Da die Bundespolizei vor der Ankunft die Passagierliste von serbischen Flügen, also auch von Flugnummer Ju 360, routinegemäß überprüfte, stellten die Beamten schnell fest, dass sich an Bord der Maschine der gesuchte Kristijan V. befindet, berichtet Bundespolizei-Sprecher Jörg Bittner. Kurz nach der Landung um 6.36 Uhr in Lohausen nahmen Bundespolizisten ihn bereits am Flugzeug in Empfang. Der 24-Jährige war ganz und gar nicht überrascht. „Ich wollte mich stellen“, sagte er den Polizisten und ließ sich widerstandslos festnehmen. „Wir werden den Verhafteten in der nächsten Woche ausführlich vernehmen“, kündigte Polizeisprecher Wolfgang Wierich an. Dabei geht es vor allem um die Frage, wer tatsächlich geschossen hat.
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