Gestürzte Königin
30.03.2008 | 16:48 Uhr 2008-03-30T16:48:41+0200TONHALLE. In der Reihe "Paare" folgten Dominique Horwitz und Iris Vermillion den Spuren von Alma Mahler-Werfel.
Sie liebte Gustav Mahler nicht nur, sie vergötterte das Genie. Alma, Tochter des österreichischen Malers Schindler, ging gar soweit, dass sie ihre musikalischen Aktivitäten zugunsten des 20 Jahre älteren Mahlers opferte. Wenn sie ihn auch in ihren Erinnerungen und Briefen häufig als "kleinwüchsigen Juden" bezeichnete. Dass dieselbe Frau, einige Jahre nach Mahlers Tod, die Geliebte von Gropius und später die Frau von Franz Werfel - "ebenfalls ein Jude" - wurde, macht sie zu einer der schillernden Musen des 20. Jahrhunderts. Voller Leidenschaft für die Kunst und doch von "strahlendem Antisemitismus", wie Klaus Mann schrieb. Die widersprüchlichen Seiten ihrer Beziehung zu Mahler und Werfel erforschte jetzt ein ungewöhnlicher Konzertabend mit Gesang und vorgetragenen Texten im Schumannsaal.
Mischung aus Wort und Musik
Rezitator Dominique Horwitz, Mezzosopranistin Iris Vermillion und Pianist Charles Spencer eröffneten unter dem Thema "Ich kann keinen verneinen" die kammermusikalische Reihe "Paare". Neben Alma Mahler-Werfel standen Tango-Musik und Tanz und "Szenen einer Ehe" mit Liedern von Clara und Robert Schumann auf dem Programm.
Ein ambitioniertes Projekt, das gestern Thomas Quasthoff und Altistin Bernarda Fink, mit Gesängen von Alma und Gustav Mahler, krönten.
Einzigartig aber der erste Abend mit einer sensibel stimmigen Mischung aus gesprochenem Wort - Ausschnitten aus Biografien, Korrespondenzen, Werfel-Gedichten und Kunstliedern. Dabei spannt Vermillion mit wohliger Tiefe einen Bogen von Verdi, Wagner, Mahler, Krenek bis hin zu Robert Stolz, Kurt Weill und Bach.
Der gewitzte und wendige Horwitz, der in die Rolle von Mahler, Werfel und anderen Zeitgenossen schlüpfte, und die eindrucksvoll singende und Diva-spielende Vermillion nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch Almas Beziehungs-Dramen, durch Künstlersalons und Schlafzimmer.
Pointiert und ironisch beleuchtete das Duo biografische Episoden der Frau, die oft in eine Zwickmühle geriet, Gefühle für mehrere Männer auslebte. Ihre Favoriten hießen auch Kokoschka und Gropius.
Vom Wien der Jahrhundertwende, in der Mahler sich als Macho gerierte und von seiner Frau erwartete, dass sie auf eigene Aktivitäten verzichtete. Nach dem Motto "Du sollst mich glücklich machen." Doch Alma reagiert auf ihre Weise, übt sich in der Kunst der Verführung. Sie glüht vor Leidenschaft, verleugnet aber nie ihre seltsame Judenfeindlichkeit. Dennoch hält sie nach 1933 an Werfel fest, flieht mit ihm nach Paris und emigriert nach New York. "Gestürzte Königin - jeder Zoll" beschreibt Klaus Mann die Ankunft der wienerischen Grande Dame in Amerika. Größe und Pathos demonstriert sie auch nach Werfels Tod bis zu ihrem eigenen Ende.
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