Gestochen scharf
18.11.2007 | 17:10 Uhr 2007-11-18T17:10:14+0100KUNSTAKTION. Projekt für das Blindenhilfswerk: Studenten der Foto-Klasse der Kunstakademie und Thomas Ruff zeigten Duisburger Schülern, wie es sich heutzutage trotz einer Sehbehinderung fotografieren lässt.
Treffpunkt Kunsthalle. Neun Jugendliche betreten den Salon des Amateurs. Keiner vermutet, dass sie sehbehindert sind, so sicher bewegen sie sich durch den Raum. Die Schüler der Duisburger Johanniter-Schule warten auf die Studenten aus der Foto-Klasse von der Kunst-Akademie. Mit ihnen wollen die Neunt- und Zehntklässler Düsseldorfer in der Stadt ablichten, 70 Termine müssen "abgearbeitet" werden. Für den signierten Abzug sind 105 Euro fällig. Die Einnahmen gehen an Projekte des Deutschen Blindenhilfswerks.
Unter den Wartenden ist Martin Zeitz mit Sprössling Max. "Wir möchten von Thomas Ruff an der Andreas-Kirche fotografiert werden", erklärt der Augenarzt, "wir haben dort geheiratet und unser Sohn ist dort getauft worden." Ruff zählt zu den international renommierten Fotokünstlern und war bis 2006 Professor an der Akademie. Der 49-Jährige ist amüsiert, dass einige der Teilnehmer unbedingt von ihm und Schüler Michelle fotografiert werden wollen. "Ich arbeite mit einer digitalen Leica, die Studenten sind viel besser ausgerüstet", frozzelt er.
In Positur stellen
Ein weiteres Team bilden Melanie Stegemann und Stefan. Sie begleiten Ulrich Leschak zur Ratinger Straße. Der 56-Jährige möchte sich an der Fassade gegenüber des Ratinger Hofs in Positur stellen. Währenddessen bespricht Stegemann mit dem 14-Jährigen Blickwinkel und Bildausschnitte. Stefan hat vorher "nur so in der Freizeit" fotografiert, betont er. Die Zusammenarbeit macht ihm Spaß, sie probieren viel aus.
Juergen Staack und Aykut stehen mit ihren "Modellen" ebenfalls auf der Ratinger Straße. Staack hat eine Plaubel Flachkamera aufgebaut. Mit ihr fotografiert er Margit und Karl-Otto Tiltmann. Aykut kann tags nur Schemen wahrnehmen und braucht eine Sonnenbrille. "Aber ich wollte heute, dass man meine Augen sieht", erklärt er. Seine Aufgabe ist es, den Auslöser zu betätigen. "Der klingt besonders gut", sagt Aykut.
Allgegenwärtig ist Benjamin Katz. "Klacke-di-Klacke-di-Klack" kommentiert der Leiter der Fotoklasse die Aktion. "Ihr fotografiert und fotografiert und fotografiert", lästert er über die Digitalkameras: "Ich muss nach 36 Bildern aufhören."
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