Gericht verurteilt Taxifahrer

Meterweit durch die Luft geschleudert und schwerst verletzt wurde ein Fußgänger nachts im Juli 2013 an der Dreherstraße. Der Mann, der damals per Handy ein Taxi bestellen wollte, war dabei vom Taxi eines 66-jährigen Fahrers umgerissen worden. Das Unfallopfer (50) liegt seitdem im Wachkoma. Gestern verhängte das Amtsgericht gegen den Taxifahrer neun Monate Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Zu schnell und nicht aufmerksam genug soll er laut Anklage gegen 3.25 Uhr unterwegs gewesen sein. Fakt ist: Den damals 48-jährigen Mann, der nachts in dunkler Kleidung an der Straße stand, hat der Angeklagte nicht rechtzeitig bemerkt. Das Opfer erlitt durch die Wucht der Kollision multiple Knochenbrüche, ein Schädel-Hirn-Trauma, schwebte lange in Lebensgefahr. Auch der Taxifahrer, der nun Rentner ist, erlitt einen schweren Schock, musste damals von der Polizei nach Hause gebracht werden. Inzwischen hat er sich erholt, aber bei seinem Opfer sehen Ärzte kaum Hoffnung auf Besserung. Der einst selbstständige Kaufmann ist nun ein Pflegefall, muss rund um die Uhr von seiner Lebensgefährtin betreut werden. „Er ist nur noch eine menschliche Hülle“, sagte sein Anwalt, der hier als Vertreter der Nebenklage auftrat. Im Prozess hat der Verteidiger des Taxifahrers aber erklärt, der Passant könne nicht auf der Straße gestanden haben, sondern „muss sich bewegt haben“, denn er sei „plötzlich“ vorm Wagen des Angeklagten aufgetaucht. Der 66-Jährige war laut Gutachten vermutlich nicht zu schnell unterwegs gewesen, sondern hatte wohl einen Moment lang nicht aufgepasst.

Eine Bewährungsstrafe von neun Monaten hielt das Gericht bei dem bisher unbescholtenen Taxifahrer daher für ausreichend. Als Auflage muss er zudem dreißig Arbeitsstunden in einer Klinik ableisten. Daneben kann die Familie des Opfers den Unfallfahrer noch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz verklagen.