Gericht versagt Frau 900.000 Euro Schmerzensgeld wegen Mobbings

Die Klägerin hatte 900.000 Euro Schmerzensgeld wegen jahrelangen Mobbings am Arbeitsplatz gefordert. Das Landesarbeitsgericht wies ihre Klage ab.
Die Klägerin hatte 900.000 Euro Schmerzensgeld wegen jahrelangen Mobbings am Arbeitsplatz gefordert. Das Landesarbeitsgericht wies ihre Klage ab.
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Was wir bereits wissen
Mit ihrer Forderung nach 900.000 Euro Schmerzensgeld wegen jahrelangen Mobbings am Arbeitsplatz ist eine Frau aus Solingen gescheitert. Das Landearbeitsgericht in Düsseldorf wies die Klage der Rechnungsprüferin am Dienstag ab. Das Gericht wertete die Vorfälle nicht als systematisches Mobbing.

Düsseldorf/Solingen.. In einem Mobbing-Prozess hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf die Schmerzensgeld-Klage einer bei der Stadt Solingen beschäftigten Frau zurückgewiesen. Im Raum hatte die rekordverdächtige Entschädigungssumme von 900.000 Euro gestanden.

Das Gericht wertete die von der Klägerin eingebrachten Fälle am Dienstag jedoch nicht als systematisches Mobbing und folgte damit dem erstinstanzlichen Urteil. Die Klägerin hatte behauptet, durch ihre Vorgesetzten jahrelang schikaniert worden zu sein.

Schulungen verweigert und versetzt

Ihrer Ansicht nach nahm das Mobbing in einer unrechtmäßigen Kündigung ihren Anfang. Als sie nach einem Kündigungsschutzprozess an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollte, habe man ihr fortdauernd Steine in den Weg gelegt: So habe man ihr etwa Schulungen verweigert und sie mit einem Sonderauftrag an eine neun Kilometer weit entfernte Einsatzstelle "entsorgt".

Mobbing Das Landesarbeitsgericht entschied, dass auch länger andauernde Konfliktsituationen zum Arbeitsleben gehören können. Im vorliegenden Fall seien weder schikanöse Tendenzen noch Persönlichkeitsverletzungen zu erkennen, die ein Schmerzensgeld rechtfertigten.

Gleichzeitig brachte die Kammer in ihrer Urteilsbegründung zum Ausdruck, dass die Klägerin selbst keinen ausreichenden Beitrag geleistet habe, die verhärtete Auseinandersetzung zu entschärfen. So hatte sie ein Mediationsverfahren abgelehnt, weil sie von ihren Vorgesetzten verlangt hatte, das angebliche Mobbing zunächst zuzugeben.

"Mobbing-Opfer haben keine Lobby", findet die Klägerin

Mit der Höhe des geforderten Schmerzensgeldes hatte die Klägerin ein Zeichen setzen wollen. "Mir geht es darum, das Mobbing auch mal aufhört hier in Deutschland", sagte sie im Gerichtssaal am Dienstag. Ihr Anwalt hatte die Höhe der Summe mit der jüngeren Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts begründet, wonach die bislang zugesprochenen Summen zu niedrig seien, um abschreckend zu wirken.

Psychologie Nach der Urteilsverkündung zeigte sich die 52-Jährige Diplom-Ökonomin entsetzt. "Ich kann dieses Urteil nicht nachvollziehen. Mobbing-Opfer haben keine Lobby", sprach sie in die Mikrofone der reichlich anwesenden Medienvertreter. "Es ist ein bedrückendes Gefühl, morgen wieder zur Arbeit zu gehen." Sie ist weiterhin als Rechnungsprüferin für die Stadt Solingen tätig. Eine Revision hat das Gericht nicht zugelassen. (dpa)