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Gerechtigkeit am Pranger

19.02.2010 | 19:27 Uhr
Gerechtigkeit am Pranger

Erkrath/Mettmann. Das Neanderthal Museum zeigt Todesstrafen im Wandel der Zeit – und schickte ein halbes Schwein auf den Scheiterhaufen.

Ein Scheiterhaufen ist im Prinzip ein großes „U” aus längs- und quer geschichtetem Holz mit einem Pfahl in der Mitte. An diesem waren im Mittelalter vermeintliche Hexen, Zauberer oder Ketzer gekettet. Lange Jahre loderte in Deutschland kein Feuer mehr in dieser Art – bis zum Dezember 2009.

Da entzündete das Neanderthal Museum einen Scheiterhaufen – nach Original-Anleitung eines Scharfrichters aus dem Jahre 1800. Das Ergebnis des wissenschaftlichen Experiments ist dokumentiert in der aktuellen Ausstellung „Galgen, Rad und Scheiterhaufen”. Am Pfahl verkohlte übrigens anstelle der Hexe ein halbes Schwein.

Gruselige Stimmung herrschte im Untergeschoss des Museums bereits seit Monaten. Doch während die Ausstellung „Monster und Mythen” mit ihren Drachen und Yetis auch noch jüngere Besucher angesprochen hat, dringt die aktuelle Präsentation - Start am 20. Februar - in die düstersten Winkel der Anthropologie vor. Ein Zitat von „Amnesty International” ziert eine Wand: „Irren ist menschlich. Die Todesstrafe nicht. So ein unmenschlicher Irrtum, unwürdig einer zivilisierten Gesellschaft.”

Der Rundgang zwischen Knochenfunden und Mordwerkzeugen untermauert die Aussage. Da warten abgeschlagene Handknochen in der Vitrine, das Bild „Schaubühne der Martyrer” zeigt die unschöne Situation einer misslungenen Enthauptung und schon am Eingang ist ein altes Speichenrad aufgestellt.

Schaurig wahrlich erst, wenn der Besucher liest, wie das sogenannte „Rädern” funktionierte. Verurteilte wurden mit ausgestreckten Armen und Beinen auf den Boden gelegt, unter den Körper Hölzer geschoben. Der Scharfrichter zerstieß dann mit dem Rad sämtliche Glieder, den Brustkorb und das Rückrat. Ging der erste Schlag bereits gegen die Stirn des Opfers, galt das als Akt der Gnade.

„Kein Familienthema”

Die stellvertretende Museumsleiterin Bärbel Auffermann erklärt, wie es zur Idee für diese Ausstellung kam, die Folter und Richtstätten aus ärchäologischen, historischen und volkskundlichen Blickwinkeln beleuchtet: „Mein Kollege Jan Grafe und ich sind über einen Sammelband von Jost Auler auf das Thema aufmerksam geworden.” Die düstere Schau ist ähnlich populär wie die „Monster”, der mit rund 60 000 Besuchern erfolgreichsten Ausstellung des Museums. Doch Auffermann schätzt: „Die Zahl werden wir wohl nicht noch einmal erreichen. Schließlich ist das dieses Mal kein Familienthema.”

Die Ausstellung beschränkt sich nicht darauf, Schrecken darzustellen. So erfahren die Besucher auch einiges über Leben und Bräuche vergangener Tage. Etwa, dass Scharfrichter sozial geächtet waren und im Wirtshaus sogar an einem gesonderten Tisch sitzen mussten. „Bei Themen in der Schnittmenge von Archäologie und Anthropologie horchen wir auf”, so Auffermann.

Auch der genagelte Schädel, der 1964 in Langenfeld gefunden wurde, hat seinen Platz in der Folter-Schau. Das klaffende Loch in diesem Ausstellungsstück und der lange Nagel lassen erschaudern.

Heutzutage wird zwar nicht mehr verbrannt, gerädert, ertränkt und eingemauert – aber einige Staaten töten noch immer im Namen des Gesetzes. Auch daran erinnert die Ausstellung. „Amnesty International” zählte im Jahr 2008 weltweit 2980 Hinrichtungen.

Daniel Neukirchen

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