Gefährlicher Keim in Düsseldorfer Frühchen-Station

In einem Düsseldorfer Krankenhaus hat sich der gefährliche VRE-Keim ausgebreitet.
In einem Düsseldorfer Krankenhaus hat sich der gefährliche VRE-Keim ausgebreitet.
Was wir bereits wissen
In der Frühchen-Station eines Düsseldorfer Krankenhauses hat der gefährliche VRE-Keim mehrere Kinder infiziert. Gesundheitsamt bestätigt Bericht.

Düsseldorf.. Multiresistente Keime können lebensgefährlich sein. Am Düsseldorfer "Florence Nightingale"-Krankenhaus sorgt jetzt die Verbreitung des gefährlichen VRE-Keims für Alarmstimmung. Laut einem Medienbericht ist der Keim in der Kinderintensivstation festgestellt worden. Ein Sprecher der Stadt Düsseldorf bestätigte am Dienstagmorgen den Ausbruch mit Verweis auf das dortige Gesundheitsamt.

Nach Auskunft der Stadt hat die Klinik selbst vor Tagen den Keim-Ausbruch festgestellt. Betroffen ist laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung die Kinderintensivstation. Dort sei der Keim bei 13 Kindern nachgewiesen worden; zwei Kinder seien mit ihm infiziert.

VRE-Keime gehören zu den multiresistenten Keimen. Die Abkürzung steht für Vancomycinresistente Enterokokken. Es handelt sich um Darmbakterien, die in den 1980er Jahren erstmals wissenschaftlich beschrieben wurden und weltweit vorkommen. Derartige Keime sind nach Auskunft des Landeszentrums Gesundheit in Münster "sehr langlebig". Ausbrüche etwa in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen sind innerhalb von 24 Stunden den Gesundheitsbehörden zu melden. "Es kommt jedoch in Krankenhäusern oft vor, dass man erst rückblickend und Wochen später merkt, dass man es mit einem Ausbruch zu tun hat", sagt eine Gesundheitsschutzexpertin: Einzelfälle seien nicht meldepflichtig. Bei gesunden Menschen seien VRE-Keime zudem nicht ungewöhnlich oder gefährlich.

VRE-Bakterien halten sich über mehrere Monate

Hygiene In einem Bericht dieser Zeitung vom September 2013 zu Keimausbrüchen an zwei Duisburger Krankenhäusern beschrieb der in Groningen tätige Hygiene-Experte Prof. Alexander Friedrich: VRE-Keime seien im Krankenhaus häufig leichter übertragbar als MRSA (multiresistente Staphylococcus aureus-Keime), weil VRE auch über Kontaktoberflächen übertragen wird. Auf Türklinken, Nachttischen oder dem WC halten sich die Bakterien bis zu 150 Tage. Bei mangelnder Hygiene könne der Keim schnell zum Problem werden: „Dann gibt es die ersten Blutvergiftungen, später vielleicht Todesfälle – und wenn man dann mit Gegenmaßnahmen anfängt, kommt man sehr spät.“

Die Klinik selbst wollte sich am Dienstagmorgen nicht äußern und hat für den frühen Nachmittag eine Pressekonferenz angesetzt. "Zuerst wollen wir alle medizinischen Abteilungen intern informieren", sagte eine Mitarbeiterin auf Anfrage.

Laut Stadt sei der Keim Anfang April dem Gesundheitsamt mitgeteilt worden. Die Klinik habe die Keimbelastung bei internen Screenings festgestellt. Zudem seien dann umgehend Hygienemaßnahmen eingeleitet worden. Befallene Kinder seien von anderen Patienten isoliert. Besucher müssen Schutzkleidung tragen und sich die Hände desinfizieren. "Hygiene ist das A und O", sagt eine Gesundheitsexpertin. Gefährlich seien VRE-Keime vor allem für vorgeschädigte Menschen, deren Immunsystem geschwächt oder, wie bei Frühchen und Babys, noch nicht voll ausgeprägt ist. (dae/WE)